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Berliner Forscher

Therapieerfolg bei genetisch bedingter Adipositas

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BERLIN. In einer Phase-II-Studie an der Charité - Universitätsmedizin Berlin und am Berlin Institute of Health wurdenBerliner Forscher haben zwei, unter einer seltenen genetischen Krankheit leidende, adipöse Frauen mit einem Mittel (Melanocortin-4 Receptor Agonist) behandelt, welches das Sättigungszentrum des Gehirns aktiviert (NEJM 2016; 375:240-246).

Innerhalb weniger Wochen habe sich bei beiden Patientinnen mit einem Mangel an Propiomelanocortin (POMC) das Hungergefühl normalisiert und das Gewicht deutlich reduziert, meldet die Charité. Welche Faktoren das Körpergewicht eines Menschen aus dem Ruder laufen lassen, sei bis heute nur in Ansätzen verstanden, erinnert die Charité in ihrer Mitteilung.

Bekannt sei jedoch, dass Mutationen in bestimmten Genen von Bedeutung sind. Ein Schlüsselgen ist zum Beispiel das MC4R-Gen. Es liefert den Bauplan für den Melanocortin-4 Rezeptor (MC4R), der den Energiehaushalt des Organismus und das Körpergewicht reguliert.

Die Aktivierung dieses Rezeptors durch den Botenstoff MSH (Melanozyten-stimulierendes Hormon) führt zu einer Reduktion des Hungergefühls. Patienten, die unter einem Mangel an MSH leiden, haben ein nur gering ausgeprägtes Sättigungsgefühl und entwickeln bereits in ihren ersten Lebensmonaten eine deutliche Fettleibigkeit.

Die Forscher um Dr. Peter Kühnen, Mediziner am Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie, haben in ihrer Studie zwei Patienten mit angeborenem Mangel an Propiomelanocortin (POMC) therapiert, berichtet die Charité. Das im Hypothalamus ausgeschüttete Hormon ist ein Vorläufer des Botenstoffes MSH und sein Mangel verursacht ein deutlich gesteigertes Hungergefühl.

Die Wissenschaftler untersuchten, ob das neue Präparat die Wirkung des Botenstoffes ersetzen und das Sättigungszentrum des Gehirns gezielt aktivieren kann. Bereits innerhalb weniger Wochen nach Therapiebeginn konnten die Ärzte erste Effekte messen. Über einen Zeitraum von 42 Wochen reduzierte sich bei der ersten Patientin das Gewicht um 51 Kilogramm, ausgehend von 155 Kilogramm.

Die zweite Patientin verlor im Laufe von 12 Wochen 20,5 kg bei einem Anfangsgewicht von 152,8 Kilogramm."Die Ergebnisse unserer Studie bestätigen die fundamentale Rolle des MC4R Signalweges in der Appetitregulation und liefern einen wichtigen Beitrag zum Verständnis grundlegender Prozesse im Zusammenhang mit dem Körpergewicht", wird Kühnen zitiert. "Es ist allerdings zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehbar, ob auch Adipositas-Patienten ohne eindeutige genetische Ursache von der Therapie profitieren. Dies müssen weitere Studien zeigen." (eb)

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