Schwangerschaft

Thrombose-Risiko bis zwölf Wochen postpartal

Bis zu zwölf Wochen nach einer Entbindung bleibt das Risiko für ein thrombotisches Ereignis bei der Frau signifikant erhöht. Dieses Ergebnis einer US-Studie könnte möglicherweise Einfluss auf die bisherige Prophylaxepraxis nehmen.

Veröffentlicht:

NEW YORK. Das Risiko für ein thrombotisches Ereignis nach einer Entbindung ist für die Frau in den ersten sechs Wochen am höchsten. Danach schwächt sich die Gefahr zwar erheblich ab, bleibt aber dennoch bis zu zwölf Wochen nach der Geburt des Kindes signifikant oberhalb des Risikos nicht schwangerer Frauen.

In der Schwangerschaft steigt das Thromboserisiko und erhöht sich nach der Entbindung weiter. Die amerikanischen Leitlinien empfehlen die prophylaktische Therapie für Frauen mit hohem Thromboserisiko bis sechs Wochen nach der Entbindung.

Einzelne Studien und Fallberichte lassen allerdings vermuten, dass das Risiko eines thrombotischen Ereignisses über diesen Zeitraum hinaus besteht. Wie lang diese Gefahr für die entbundenen Frauen möglicherweise relevant ist, haben New Yorker Neurologen um Hooman Kamel in einer retrospektiven Crossover-Kohortenstudie untersucht.

Hierzu nutzten sie die Daten von rund 1,7 Millionen Erstgebärenden, die zwischen 2005 und 2010 in kalifornischen Kliniken entbunden hatten (NEJM 2014; online 13. Februar).

1015 Frauen erlitten innerhalb des Studienzeitraums (bis ein Jahr und 24 Wochen nach der Entbindung) ein thrombotisches Ereignis. Darunter waren 720 venöse Thromboembolien, 248 Schlaganfälle und 47 Myokardinfarkte. Besonders hoch war das Risiko in den ersten sechs Wochen nach der Geburt des Kindes.

Im Vergleich zu einem gleichlangen Zeitraum ein Jahr später kam es zu 411 versus 38 Ereignissen. Daraus errechneten die Autoren eine absolute Risikodifferenz von 22,1 Ereignissen pro 100.000 Entbindungen.

Doch auch in der Zeitspanne zwischen der siebten und zwölften postpartalen Woche war das Risiko gegenüber der Kontrollsituation noch erhöht. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum ein Jahr später erlitten 95 versus 44 Frauen ein thrombotisches Ereignis (Differenz des absoluten Risikos: 3,0 Ereignisse pro 100.000 Entbindungen). Über die zwölfte Woche nach der Entbindung hinaus konnte keine Signifikanz mehr ermittelt werden.

Auch in Deutschland geht man bislang von einer erhöhten Thrombosegefahr lediglich bis zu sechs Wochen nach der Entbindung aus. Die S3-Leitlinie "Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE)" empfiehlt: " Liegen Risikofaktoren für eine VTE vor, sollte zusätzlich zur nicht-medikamentösen VTE-Prophylaxe eine medikamentöse VTE-Prophylaxe mit NMH für die Dauer des erhöhten Risikos bzw. im Wochenbett (bis 6 Wochen postpartal) durchgeführt werden."

Die Ergebnisse ihrer Studie, so Hooman Kamel und Kollegen, legten nahe, dass Risiken und Nutzen einer Heparinprophylaxe bei Hochrisikopatientinnen über die sechs Wochen nach der Entbindung hinaus untersucht werden sollten. (St)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Röntgen-Thorax führte zur Diagnose

Kasuistik: Negativer D-Dimer-Test trotz akuter Lungenembolie

Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Prozesse werden teurer

Tipps: So können Praxen die Risiken für einen GOÄ-Streit minimieren

Sie fragen – Experten antworten

Ab wann darf ich jüngere Menschen auf Kasse gegen Herpes zoster impfen?

Bei Senioren

Hypothermie bei Sepsis – ein Warnsignal!

Lesetipps
Eine Blutdruckmessung

© CasanoWa Stutio / stock.adobe.com

Fallstricke in der Praxis

Häufige Fehler in der Hypertonie-Therapie: So geht’s besser!

Ein Mann im Hintergrund nimmt einen Schluck von einem Drink. Im Vordergrund stehen vier Flaschen mit alkoholischen Getränken.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert