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Therapieresistente Depression

Transkranielle Gleichstromstimulation: Früherer Einsatz bei Depression?

Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) ist günstiger als die repetitive transkranielle Magnetstimulation und auch vom Patienten selbst zuhause anwendbar. Über die Indikation wird aktuell noch diskutiert, sie könnte aber sehr breit ausfallen.

Von Friederike Klein Veröffentlicht:
Manche Patienten mit Depression scheinen von einer Stimulation des Kortex zu profitieren.

Manche Patienten mit Depression scheinen von einer Stimulation des Kortex zu profitieren.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Straßburg. Seit einem Jahr wird die transkranielle Gleichstromstimulation (transcranial direct current stimulation, tDCS) in Finnland in der klinischen Routine bei Patienten mit therapieresistenter Depression eingesetzt. Es gibt eine Klasse-A-Evidenz für die antidepressive Wirksamkeit der anodalen Stimulation des linken dorsolateralen präfrontalen Kortex bei Major Depression (Int J Neuropsychopharmacol . 2021 Apr 21;24(4):256-313). Professor Keija Järventausta von der Universität in Tampere, Finnland, sieht dabei den Einsatz keineswegs primär in der Situation der therapieresistenten Depression, wie dies derzeit empfohlen wird. Wie sie beim 29th European Congress of Psychiatry - EPA Virtual 2021 betonte könnte im Gegenteil der frühere Einsatz ihrer Meinung nach häufig eine Therapieresistenz verhindern. Aktuell profitiert nur etwa ein Drittel der Patienten von der ersten antidepressiven Therapie, meinte die Finnin. Hier könnte die tDCS einen Gewinn an Effektivität bringen: Sie könnte als Add-on-Therapie in der Erstlinie eingesetzt werden, wenn die Patienten nur wenig auf Psychotherapie und/oder Antidepressiva ansprechen oder ein rascheres Therapieansprechen notwendig ist, oder sie könnte eine Alternative darstellen, wenn die Patienten die Standardtherapie nicht tolerieren - beispielsweise bei komorbider Angststörung. Die Therapie ist kostengünstiger als die repetitive transkranielle Magnetfeldstimulation (rTMS) und einfacher, auch zuhause, durchzuführen. Wenn rTMS als kosteneffektiv nach erstem Therapieversagen eingeschätzt wird (PLoS One 2017; 12: e0186950), sollte das für tDCS erst recht gelten, meinte Järventausta.

Anwendung zuhause möglich

In ihrer eigenen Privatklinik wird die tDCS vom Psychiater veranlasst. Eine Pflegekraft erhebt vor der ersten Sitzung die Symptomschwere mit dem MADRS und BDI und erklärt dem Patienten im Rahmen der ersten Anwendung die Therapie. Anschließend wendet der Patient die weitere Therapie zuhause an. Standard ist eine Stimulation an fünf Tagen pro Woche mit zwei freien Tagen dazwischen. Jede Woche kontaktiert die Pflegekraft den Patienten per Telefon und nach vier Wochen erfolgt die erneute Erhebung von MADRS und BDI.

Ein Ansprechen zeigt sich meist innerhalb der ersten drei bis vier Wochen, erklärte Järventausta. Bei Ansprechen wird die Therapie fortgesetzt und im Verlauf dann langsam ausgeschlichen. Dabei empfiehlt sie kein striktes Regime, sondern ein an den Symptomen und an dem Befinden orientiertes Vorgehen.

Als unerwünschte Ereignisse (UE) werden vor allem Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Benommenheit berichtet, schwere UE gibt es bislang nicht. Informationen zu Langzeitnebenwirkungen fehlen noch.

Einsatz auch zur Rezidivprophylaxe?

Järventausta sieht die tDCS auch als mögliche Erhaltungstherapie und Rezidivprophylaxe nach Elektrokrampftherapie oder rTMS. Indikatoren für ein Ansprechen eher auf die magnetische oder eher auf die elektrische Stimulation fehlen bislang. Das optimale Vorgehen ist noch Gegenstand von klinischen Studien.

Eine davon läuft derzeit in Frankreich. Ziel der DISCO-Studie ist die Überprüfung der Kosteneffektivität der tDCS bei nicht therapieresistenter Depression. Die randomisiert-kontrollierte Studie rekrutiert noch - es gab aufgrund der COVID-19-Pandemie Verzögerungen, wie Dr. Anne Sauvaget von der Universität Nantes berichtete. Verglichen wird die Standardtherapie mit und ohne tDCS bei Patienten mit unipolarer oder bipolarer Depression mit einem MADRS-Wert ≥ 15. In dieser Studie umfasst die tDCS ebenfalls fünf Sitzungen pro Woche, jedoch nur über drei Wochen.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in: InFo Neurologie + Psychiatrie; Ausgabe 5/2021

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