Tumorschmerz stets auch mit psychischer Komponente

Viele Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs haben starke Schmerzen. Sie brauchen eine effektive Analgesie, aber auch Zuwendung und Hilfe in Alltagsfragen. Angst und Sorgen um Angehörige verstärken den somatischen Schmerz, sagt Dr. Marianne Kloke aus Essen.

Veröffentlicht:

"Patientinnen mit starken Schmerzen fühlen sich hilflos und geben sich mitunter völlig auf." Dr. Marianne Kloke Netzwerk Palliativmedizin Essen

Ärzte Zeitung: Frau Dr. Kloke, was gehört zu einer guten Schmerztherapie bei Frauen mit Brustkrebs?

Dr. Marianne Kloke: Patientinnen mit starken Schmerzen fühlen sich hilflos und geben sich mitunter völlig auf. Hier ist es unsere Aufgabe, den Frauen eine Perspektive zu geben. Dazu gehören eine optimierte medikamentöse Schmerztherapie, Physiotherapie, psychoonkologische und soziale Unterstützung, das Ausloten sämtlicher onkologischer Optionen und eine aktivierende Pflege, die den Frauen Mut macht, das Bett zu verlassen, sich zu pflegen und eigene Interessen wieder zu entdecken.

Ärzte Zeitung: Wie gehen Sie vor?

Kloke: Zunächst geht es darum, den Schmerz richtig zuzuordnen: Handelt es sich zum Beispiel um einen neuropathischen Schmerz, um einen somatischen Schmerz im Bereich der Thoraxwand oder einen Viszeralschmerz auf Grund von Pleurametastasen? Es gibt außerdem stets eine psychische Schmerzkomponente, etwa die Belastung durch Todesangst und den Verlust des Körperbildes. Steht diese Komponente ganz im Vordergrund, ohne dass der Zusammenhang erkannt wird, besteht die Gefahr, dass immer höhere Opioiddosierungen gegeben werden, bis eine opioidinduzierte Hyperalgesie auftritt. Hier ist dann eine multimodale Therapie ebenso notwendig wie eine Dosisreduktion und / oder ein Opioidwechsel.

Ärzte Zeitung: Beim Verbandswechsel ist die Akutschmerztherapie wichtig. Worauf ist zu achten?

Kloke: Die Ziele der Wundbehandlung heißen kurzgefasst: Keine Schmerzen, keine Gerüche, keine Infektionen und keine Blutungen! Für einen schmerzarmen Verbandswechsel rate ich, Fett- oder Silikongitter zur Vermeidung von Verklebungen zu verwenden und den Verband zunächst aufzuweichen. Ist eine mechanische Wundreinigung erforderlich, können Lokalanästhetika-haltige Salben oder Gele verwendet werden, auch Morphin-Gel kommt in Frage. Unangenehme Gerüche lassen sich durch Antiseptika und kohle- oder silberhaltige Fertigverbände verringern, auch Antibiotika-Cremes mit Metronidazol oder Clindamycin helfen. Alternativ kann mit den Antibiotika auch systemisch therapiert werden, vor allem mit Metronidazol p.o./i.v.. Hier ist mit einem deutlichen Rückgang des Geruchs innerhalb von zwei bis drei Tagen zu rechnen. Schlussendlich muss der Verband auch noch kosmetisch akzeptabel sein. Bei stark sezernierenden Wunden kann ein Zweischichtsystem ein Durchnässen verhindern. Durch Verwendung von Transparentfolien und hautfarbenen Pflastern wird das ganze optisch ansprechend.

Das Interview führte Beate Grübler

Zur Person

Dr. Marianne Kloke hat in Münster studiert und über zelluläre Antigene promoviert. Sie gehört zu den Begründern des Netzwerkes Palliativmedizin in Essen (NPE) und ist Leiterin der Akademie für Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit im Ruhrgebiet. 2003 übernahm sie die Leitung des Zentrums für Palliativmedizin der Kliniken Essen-Mitte. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Sie fragen – Experten antworten

Brustkrebspatientin gegen Herpes zoster impfen?

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3, 17–19]

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

© samunella / stock.adobe.com

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom

PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine ältere Frau bekommt eine Impfung in den rechten Oberarm.

© David Pereiras / Stock.adobe.com

RCTs und Real-World-Evidenz

Wie gut die RSV-Impfung bei Erwachsenen wirkt – und ankommt