SARS-CoV-2

Umfrage: 82 Prozent der Bundesbürger Corona-impfbereit

Die COVID-Impfungen gehen seit Monaten konstant zurück, dabei ist die Impfbereitschaft paradoxerweise auf einem Rekordwert. Und: Laut „European Covid Survey“ will sich etwa jeder Achte nicht impfen lassen.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Die Ära der Impfzentren geht zu Ende

Die Ära der Impfzentren geht zu Ende – wie hier in Borna (Sachsen) Ende September. Wer sich jetzt noch gegen das Coronavirus impfen lassen will, muss auf mobile Impfteams setzen oder niedergelassene Ärzte aufsuchen.

© Jan Woitas / dpa

Hamburg. Die Impfbereitschaft in der deutschen Bevölkerung hat im Herbst einen neuen Rekordwert erreicht. 82 Prozent der Deutschen sind laut Befragung „European COvid Survey“ des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) zur Impfung gegen das Coronavirus bereit, zugleich sinkt der Anteil der Unentschlossenen. Nach Angabe der Universität Hamburg wurden 1000 Menschen in Deutschland befragt.

Zum Vergleich: Im Sommer und Herbst 2020 lag die Impfbereitschaft der Deutschen lediglich bei 57 Prozent, seitdem ist sie kontinuierlich gestiegen. Unentschlossen zeigen sich heute nur noch fünf Prozent der Befragten, vor einem Jahr betrug dieser Anteil noch 22 Prozent. Der Anteil der Menschen, die sich nicht impfen lassen möchten, liegt aktuell bei 13 Prozent, vor einem Jahr waren dies 21 Prozent.

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

Zum Vergleich: Die COSMO-Studie, die ebenfalls seit 2020 regelmäßig Daten zum Umgang mit der Pandemie erhebt, kommt in ihrer jüngsten Befragungswelle auf eine potenzielle Impfquote von 86 Prozent in der erwachsenen Bevölkerung.

22 Prozent zeigen sich unsicher

Die Hoffnung, dass sich noch ein nennenswerter Teil der bislang nicht geimpften Menschen in Deutschland für eine Impfung entscheiden wird, scheint nach der jüngsten Umfrage nicht mehr angebracht. Nur zwölf Prozent von ihnen gab an, dass sie impfbereit seien, weitere 22 Prozent zeigten sich unsicher.

In dieser Frage gibt es zwischen Geschlechtern und Bildungsgraden kaum Unterschiede. „Geblieben ist, dass Menschen, die sich viel über die Pandemie informieren und den Informationen aus der Regierung und den Ministerien vertrauen, impfbereiter sind“, sagte der wissenschaftliche Direktor des HCHE, Professor Jonas Schreyögg.

Die Antworten der Befragten lassen erkennen, dass sich bislang Ungeimpfte zunehmend unbeeindruckt von Maßnahmen wie 2G oder kostenpflichtige Tests zeigen. Letztere gibt es nur noch bis einschließlich 10. Oktober gratis. Maximal vier Prozent der noch nicht geimpften Menschen erwägen eine Impfung, weil die Maßnahmen greifen. Bei anderen führt dies zu einer Gegenreaktion. Sie geben an, dass eine Impfung für sie unwahrscheinlicher wird.

Ungeimpfte fühlen sich unter Druck gesetzt

„Neben der größten Sorge, dass die Impfung gegen COVID-19 möglicherweise nicht sicher genug ist, fühlen sich zwei von drei Ungeimpften durch Politik und Gesellschaft unter Druck gesetzt“, sagte Schreyögg.

Auch wenn Beruf oder Arbeitgeber eine Impfung erforderlich machen, macht dies die Impfung nur für fünf Prozent der nicht geimpften Befragten wahrscheinlicher. Zweidrittel gaben an, dass dies für sie keinen Unterschied macht und für 27 Prozent würde diese Forderung die Impfung sogar noch unwahrscheinlicher machen.

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

Weitere Ergebnisse der Befragung:

Einen leichten Anstieg gibt es beim Anteil der Eltern, die ihre Kinder und Jugendlichen impfen lassen wollen. Dieser Anteil stieg seit Sommer 2021 von 53 auf 60 Prozent, der Anteil der in dieser Frage unsicheren Eltern sank von 23 auf 13 Prozent. 81 Prozent der Befragten machen sich weiterhin Sorgen um die Auswirkungen der Pandemie auf die Schüler- dies gilt europaweit. In Portugal, Spanien und Italien sorgen sich sogar 90 Prozent.

57 Prozent der Deutschen sind für die 2G-Regelung, ähnlich fallen die Werte in Großbritannien, Spanien und Italien aus. In Dänemark dagegen sprechen sich nur 43 Prozent für 2G aus. 64 Prozent der Deutschen finden es richtig, dass Schnelltests kostenpflichtig werden, 24 Prozent lehnen dies ab. Auch in den meisten anderen europäischen Staaten stößt die Bezahlung mehrheitlich auf Zustimmung.

Für den European Covid Survey werden seit April 2020 rund alle zwei Monate 7000 Menschen in mehreren europäischen Staaten befragt.

Mehr zum Thema

Fortschritte in der HIV-Impfstoffforschung

B-Zellen im Fokus der HIV-Immunisierung

Das könnte Sie auch interessieren
Grippeschutzimpfung: Jüngere Risikogruppen nicht vergessen

© Springer Medizin Verlag

Intens. Video-Podcast

Grippeschutzimpfung: Jüngere Risikogruppen nicht vergessen

Herz mit aufgemalter Spritze neben Arm

© Ratana21 / shutterstock

Studie im Fokus

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Prävention durch Influenzaimpfung?

Arzt im Gespräch mit Patientin

© Ground Picture / shutterstock

STIKO-Empfehlungen

Handlungsbedarf bei Grippeschutz für Chroniker

IPD-Fallzahlen & Pneumokokken-Impfung bei Kindern in Deutschland

© Olivier Le Moal - stock.adobe.com

Content Hub Impfen

IPD-Fallzahlen & Pneumokokken-Impfung bei Kindern in Deutschland

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Es gibt tierexperimentelle Studien, wonach Mikroplastik entzündungsverstärkend wirkt, wenn durch ein zusätzliches Agens die Tight junctions zwischen Darmzellen zerstört sind. Wenn also zu einer hohen Mikroplastik-Konzentration zusätzlich pathogene Faktoren hinzukommen, könnte dies entzündungsfördernd wirken, etwa bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

© Rochu_2008 / stock.adobe.com

Forschung

Beeinflusst Mikroplastik chronische Erkrankungen?

Charlotte Kleen

© Babett Ehrt/ Lichtbildwerkstatt

Porträt

Wie Charlotte Kleen Medizin in ihrer ganzen Breite kennenlernt

Mädchen geht chemischen Experimenten in einem Klassenzimmer nach, die Haare stehen ihr zu Berge.

© Andrey Kiselev / stock.adobe.com

Inkretinmimetika

GLP-1: Wie aus dem kleinen Hormon ein Rockstar wird