Bei Verdacht auf Karpaltunnelsyndrom:

Untersuchung mit Ultraschall!

Veröffentlicht:

BERLIN. Patienten, die mit Symptomen zum Arzt kommen, die auf ein Karpaltunnelsyndrom hindeuten, etwa Kribbeln und Schmerzen der Finger und Handflächen, sollten immer auch per Ultraschall untersucht werden, fordern Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) in einer Mitteilung.

Ergänzend zur elektrophysiologischen Untersuchung, liefere die Neurosonografie Informationen über Ursache der Kompression und Lage der Engstelle. Diese seien für eine zielgerichtete Behandlung und bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation sehr wichtig, so die Fachgesellschaft.

"Mit hochauflösenden Ultraschallgeräten können wir den Nerv und die umliegenden Strukturen mit großer Detailschärfe abbilden und erkennen, ob dieser beispielsweise durch eine Schwellung der Sehnenscheiden oder durch knöcherne Strukturen bedrängt wird oder sogar ein Nerventumor vorliegt", wird der Berliner DEGUM-Experte Dr. Josef Böhm zitiert. Außerdem ermögliche es der Ultraschall, die Einengung zu lokalisieren: Oftmals liege das Problem gar nicht auf Höhe des Karpaltunnels, sondern weiter oben am Unter- oder Oberarm. Böhm: "Für eine genaue Diagnostik brauchen wir sowohl die Elektrophysiologie, die uns Informationen über die Reizweiterleitung liefert, als auch die Neurosonografie".

Gerade auch bei der Entscheidung für oder gegen eine Op und für die Operationsplanung, liefert der Ultraschall wichtige Erkenntnisse, die die Elektrophysiologie allein nicht bietet. "Ergeben sich im Ultraschallbild etwa Hinweise auf anatomische Strukturen, die den Nerv schädigen, ist eine Operation unumgänglich", erklärt Böhm.

Doch nicht immer muss operiert werden: Bei rund einem Drittel der Patienten bessern sich die Beschwerden allein durch Steroid-Injektionen und das Anlegen einer Nachtschiene, die verhindert, dass das Handgelenk beim Schlafen in eine stark angewinkelte Position gerät."Die Nervensonografie ist in der Fläche inzwischen deutschlandweit gut etabliert", erklärt Böhm.

 Die Methode sei nicht nur besser verfügbar, sondern auch wesentlich unkomplizierter und kostengünstiger als beispielsweise eine MRT-Untersuchung, die ähnliche Informationen liefern kann. Gerade weil die Datenlage für den Ultraschall spreche, müsse die Methode möglichst bald im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen als Kassenleistung verankert werden, fordert der DEGUM-Experte. (eb)

Mehr zum Thema

Erfinderpreis 2022

Europäisches Patentamt kürt Erfindungen in der Medizin

Das könnte Sie auch interessieren
Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

© Tania Soares | EyeEm

Corona und Depression

Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

© koto-feja, LordRunar | iStock

So wirkt Johanniskraut

Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

© ChristianChan | iStock

Depressionen behandeln

Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Das alte Muster 1 wird in die Einzelteile zerlegt und digitalisiert. Heraus kommt ein Stylesheet, das ganz ähnlich aussieht – aber mit Barcode.

© mpix-foto / stock.adobe.com

Praxis-EDV

So funktioniert die eAU auch ohne TI

„ADHS-Patienten haben eine besondere Wahrnehmung für die Befindlichkeiten ihres Gegenüber“, erläutert Dr. Heiner Lachenmeier. Und das sei eine Eigenschaft, die auch bei Psychiatern und Psychologen von Berufs wegen stark ausgeprägt ist.

© S.Kobold / stock.adobe.com

Ratgeber für die Praxis

Wie Ärzte mit ADHS erfolgreich im Beruf sein können