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"Urlaub vom Schmerz" - ein Gefühl, als würde man fliegen

Von Heidi Niemann Veröffentlicht:

"Ein bißchen flotti popotti!" Das muß die Reitlehrerin nicht zweimal sagen. Die Kinder, die sich auf der Reitanlage eingefunden haben, können es kaum abwarten, endlich aufs Pferd zu kommen. An diesem Morgen steht Voltigieren auf dem Programm. "Das macht den Kindern besonders viel Spaß", sagt die Erzieherin Andrea Tepe.

Eine Woche lang machen 20 Mädchen und Jungen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren Ferien auf dem Reiterhof Hirschberg im nordhessischen Großalmerode. Alle sind Patienten der onkologischen Universitätskliniken in Köln und Bonn. Die Reiterferien sind für sie ein "Urlaub vom Schmerz". Der Arzneimittel-Hersteller Grünenthal aus Aachen hat bereits zum 14. Mal zu dieser Reiterfreizeit eingeladen.

Nicht nur für die jungen Krebspatienten, sondern auch für ihre Betreuer ist es ein überwältigendes Erlebnis. "Wenn man die Kinder vorher im Krankenhaus gesehen hat, wie sie mit ihrer Krankheit gekämpft haben, und wenn man sie dann hier auf dem Reiterhof sieht - das ist enorm motivierend", meint Sozialarbeiter Matthias Vogt.

Ebenso wie Andrea Tepe ist auch er bereits seit vielen Jahren bei den Reiterfreizeiten dabei. Die Betreuer sind jedesmal aufs neue fasziniert, wie entspannt und fröhlich die jungen Patienten hier sind: "Man erlebt die Kinder hier ganz anders."

Ein ganz besonderer Geburtstag für Alina

Alina hatte sich besonders auf die Ferien gefreut. Doch dieser Tag ist für sie noch aufregender als die anderen Urlaubstage auf dem Reiterhof: Sie feiert ihren 7. Geburtstag. Alina hat nicht nur viel Post bekommen, sondern auch ein T-Shirt mit der Aufschrift "Herzlichen Glückwunsch" und den Unterschriften aller Kinder und Betreuer. Zur Feier des Tages gibt es zudem eine Torte.

Höhepunkt des Tages ist aber das Voltigieren. Während einige Kinder auf den Pferden ihre Übungen machen, warten die anderen geduldig, bis sie an die Reihe kommen. Dann heißt es "Hoch das Bein" und hinauf aufs Pferd. Auch zwei Kinder, die als Folge eines Hirntumors Gehschwierigkeiten haben und deshalb einen Rollator brauchen, machen mit. Als sie auf dem Pferderücken sitzen und ihre Runde drehen, sind ihre Beschwerden vergessen: Sie spüren eine neue Leichtigkeit des Seins.

Daß das Glück auf dem Rücken der Pferde liegt, kann man deutlich an den Gesichtern der Kinder ablesen: Die einen breiten strahlend die Arme zur Seite aus, als wollten sie fliegen. Einige knien auf dem Pferd und machen dabei die "Fahne", indem sie ein Bein lang nach hinten strecken.

Ein anderes Kind legt einfach den Kopf auf den Pferdehals und genießt die Bewegung und die Wärme des Tieres. Manche wagen es auch, auf dem Pferderücken zu stehen. Die Reitlehrerin paßt auf, daß nichts passiert. Bei den Übungen richtet sie sich nach den Vorlieben der Kinder: "Willst du lieber rückwärts oder lieber vorwärts traben?"

Vier Kinder auf einem Pferd - das macht Spaß!

Besonders viel Spaß macht das gemeinsame Voltigieren. Gleich drei Mädchen erklimmen nacheinander den Pferderücken. "Wer will noch mit drauf, einer geht noch!" ruft die Reitlehrerin. Schließlich ist die Viererrunde voll, und los geht’s. Am Ende der Voltigierrunde können sich die jungen Reiter aussuchen, wie sie vom Pferd wieder herunter kommen wollen. Die meisten wählen den "Hinterausgang" und rutschen einfach am Schweif herunter.

Auch wenn sich in der Woche fast alles um die Pferde und das Reiten dreht, gibt es auch noch andere spannende Aktivitäten. Unter anderem stehen eine Kutschfahrt und eine Grillparty in einem Steinbruch auf dem Programm. Und am Ende gibt es eine Abschlußdisko. Dafür haben sich die Kinder extra ein paar schicke Sachen zum Anziehen mitgebracht.

Daß die Kinder die Reiterfreizeit in vollen Zügen genießen, zeigt sich auch an einer besonderen Geste: Sie haben ein knallbuntes großes Bild mit vielen Herzen, Blumen und Vögeln gemalt - als Dankeschön an jenes Unternehmen, das ihren Urlaub ermöglicht. Peter Engisch vom Geschäftsbereich Deutschland der Grünenthal GmbH ist extra aus Aachen gekommen, um das Geschenk der Kinder persönlich entgegenzunehmen. Für das Familienunternehmen sei es "eine Herzenssache" zu helfen, so Engisch.

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