GASTKOMMENTAR

Verständlich, aber überraschend

Von Professor Kay Brune Veröffentlicht:

Vor einem Jahr wurde der Wirkstoff Lumiracoxib (Prexige®) in der Dosierung von 100 mg/Tag zur Therapie von Schmerzen bei Ar-throse zugelassen. Lumiracoxib ist chemisch mit dem Diclofenac verwandt, verfügt aber über eine größere Cyclooxygenase-2-Selektivität als Diclofenac. Das Ruhen der EU-Zulassung von Lumiracoxib erfolgte aufgrund von meist reversiblen Leberschädigungen (Erhöhung der Transaminasen und des Bilirubins). Eine grundlegende Risiko-Nutzenanalyse durch die EMEA steht noch aus.

Anlass der Zulassung von Lumiracoxib war die intensive und langzeitige Erprobung des Wirkstoffes mit dem Befund einer guten analgetischen Wirksamkeit beim weitgehenden Fehlen von gastrointestinalen Ulzera und Blutungen, Blutdruckerhöhung, pseudoallergischen Reaktionen und Blutgerinnungsstörungen. Das Risiko eines (dosisabhängigen) Leberschadens war bei der Zulassung bekannt.

Das Ruhen der Zulassung von Lumiracoxib ist einerseits verständlich (Leberschäden), andererseits überraschend (da dieses Risiko in ähnlicher Weise bei Diclofenac und in stärkerem Umfang bei Anwendung höherer Dosen des rezeptfrei verkauften Paracetamols auftritt). Die erwiesene gute gastrointestinale Verträglichkeit und die schnelle Elimination des Wirkstoffes machen bei einer vergleichenden Risikobeurteilung keineswegs plausibel, dass dieser Wirkstoff verglichen mit anderen auf dem Markt, zum Teil frei verkäuflichen Analgetika, wie ASS (Blutungsrisiko) und Paracetamol (Hepatotoxizität und geringe therapeutische Breite), vom Markt genommen werden muss.

Die Maßnahme muss daher als vorsorglich akzeptiert werden - vorausgesetzt, dass die dringend nötige, vergleichende Risikobewertung aller Cyclooxygenasehemmer, zu denen außer Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen auch das Paracetamol und das Metamizol gehören, von den Behörden vorgenommen wird. "Gleiche Standards" muss das Grundprinzip der Bewertung von neuen im Vergleich zu alten, scheinbar bewährten und erprobten Wirkstoffen sein.

Wie leicht man die Gefahren "bewährter" Wirkstoffe unterschätzt, hat die Marktrücknahme von Clobutinol (Silomat®) nach mehr als 40 Jahren zum Teil rezeptfreien Gebrauchs gezeigt.

Kay Brune ist Professor am Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität Erlangen-Nürnberg.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kommentar zur Schulterschmerz-Diagnostik

Spätzündende Idee

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?

Lesetipps
Vorbereitung für die Obduktion eines Leichnams.

© sudok1 / stock.adobe.com

Autopsiestudie

So häufig wird der Krebs erst nach dem Tod erkannt