Krebs

Verständnis von Tumoren hat sich gewandelt

Im Zeitalter des Next Generation Sequencing erleichtern Tumorprofile die Therapieentscheidung.

Veröffentlicht: 13.03.2017, 15:36 Uhr

CAMBRIDGE. In den letzten Jahren hat sich ein grundlegender Wandel des Verständnisses der Tumorbiologie vollzogen: Nicht mehr das erkrankte Organ stehe im Mittelpunkt, sondern das Genom und die molekularen Prozesse, die das Tumorgeschehen steuern.

Mit diesem neuen Verständnis des Tumorgeschehens habe sich die Krebsmedizin revolutionär gewandelt, erklärte Dr. Garret Hampton von Genentech, San Francisco auf einer Veranstaltung in Cambridge. Mit der Identifikation der molekularen Grundlagen des Tumorgeschehens und der Entwicklung von Methoden, diese molekularen Veränderungen routinemäßig bei jedem Patienten zu quantifizieren, sei der Grundstein der Präzisionsmedizin gelegt. Heute, im Zeitalter des "Next Generation Sequencing" (NGS), bedeute dies Hoffnung für jeden Betroffenen, so Hampton auf der vom Unternehmen Roche Pharma unterstützten Veranstaltung.

"Anbieter molekularer Infos"

Aus seiner Sicht spielt dabei auch die Kooperation, die Genentech/ Roche mit Foundation Medicine 2015 einging, eine wichtige Rolle. Denn mit dieser Kooperation würden die breite pharmazeutische Kompetenz von Genentech/Roche und die Kompetenz von Foundation Medicine als "Anbieter molekularer Informationen" zusammengeführt. Als "Anbieter molekularer Informationen" versteht sich das 2010 gegründete Unternehmen Foundation Medicine, da es neben der molekulardiagnostischen Ausrichtung über eine Datenbank mit mittlerweile über 100.000 Patientendaten, neuester Fachliteratur und Expertenwissen verfügt.

Das Testergebnis eines jeden Patienten, das das NGS-Labor verlasse, werde mit dieser Datenbank systematisch abgeglichen, erklärte Steven J. Kafka, Chief Business Officer von Foundation Medicine, Cambridge, MA/USA. Und Hampton ergänzt: Die Integration der Vielzahl an Daten solle auch dazu beitragen, das Verständnis für die spezifischen Erkrankungen und die therapeutischen Möglichkeiten zu fördern, um für den individuellen Patienten das optimale Behandlungsregime zu finden.

Hilfe bei der Therapiewahl

Bei der molekularen Diagnostik wird bei Foundation Medicine anhand der NGS-Diagnostik (derzeit wird auf über 300 bekannte genetische Veränderungen gescreent) für jeden Patienten ein umfassendes molekulares Tumorprofil erstellt. Die behandelnden Ärzte erhalten das Testergebnis und auch das zugehörige Dossier aus der Datenbank. Damit, so Kafka, wolle man die Ärzte bestmöglich bei ihrer Therapieentscheidung unterstützen. Foundation Medicine, so Kafka, sehe sich als Partner für Arzt und Patient von der Diagnose über das Therapiemonitoring bis zur Nachsorge einer hoffentlich erfolgreichen Therapie. Für die Patienten, so Kafka, lasse sich dadurch nicht nur Zeit gewinnen, ihnen würden auch ineffektive Therapien erspart.

Ein Beispiel: Bei einer Patientin mit kolorektalem Karzinom konnte aufgrund der umfassenden NGS-Analyse eine HER2-Mutation identifiziert werden. Sie wurde anschließend erfolgreich mit Trastuzumab behandelt. Hätte man sich auf die klassische Genanalyse für das kolorektale Karzinom beschränkt, wäre die Patientin möglicherweise mit einer weniger effektiven Chemotherapie behandelt worden, erklärte Kafka. (db)

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