Zika

Viren im Fruchtwasser bei Feten mit Mikrozephalie gefunden

Forscher haben erstmals Zika-Viren im Fruchtwasser von Schwangeren nachgewiesen, die Feten mit Mikrozephalie ausgetragen haben. Damit erhärtet sich der Verdacht gegen die Erreger als Auslöser der Fehlbildung.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Eine Ärztin in Brasilien misst den Kopfumfang eines Kindes.

Eine Ärztin in Brasilien misst den Kopfumfang eines Kindes.

© dpa

RIO DE JANEIRO. Kurz nachdem Zika-Viren erstmals im Gehirn von Kindern mit Mikrozephalie nachgewiesen werden konnten (wir berichteten), erhärtet jetzt eine neue Untersuchung den Verdacht, dass es tatsächlich die Viren sind, die bei Kindern zu den schweren Fehlbildungen führen.

Forscher um Dr. Guilherme Calvet von der Universität in Rio de Janeiro konnten bei zwei 27 und 35 Jahre alten Schwangeren das Virus im Fruchtwasser nachweisen. Beide Frauen gebaren Kinder mit der Malformation (Lancet Infect Dis 2016, online 17. Februar).

Sonografie ergab Mikrozephalie

Wie die Wissenschaftler berichten, entwickelte die 27-jährige Frau aus dem nordöstlichen Bundesstaat Paraíba Anfang September zunächst einen starken Hautausschlag an den Händen und dem Rücken. Zu diesem Zeitpunkt war sie in der 18. Woche schwanger. Eine Ultraschalluntersuchung in der 16. Schwangerschaftswoche hatte keine Auffälligkeiten ergeben.

Die Ärzte nahmen zunächst eine allergische Reaktion als Auslöser der Beschwerden an und verordneten Hydrokortison. Dennoch entwickelte die Frau am nächsten Tag Fieber und Muskelschmerzen.

Eine Sonografie in der 21. Woche deutete auf eine fetale Mikrozephalie mit Ventrikulomegalie und einer Agenese des Kleinhirnvermis. Eine weitere Untersuchung in der 27. Woche konnte die Fehlbildung bestätigen.

Die zweite Frau klagte in der zehnten Schwangerschaftswoche über Symptome einer Infektion, bei ihrem Fetus deutete die Sonografie in der 22. Woche auf eine Mikrozephalie.

 Beide Frauen gebaren lebende Kinder mit der Fehlbildung, beide gaben an, in der Schwangerschaft auf sonstige Medikamente, Drogen, Alkohol und Tabak verzichtet zu haben.

In der 28. Woche veranlassten die Ärzte bei beiden Schwangeren eine Amniozentese. Im Fruchtwasser fanden sie sowohl Antikörper gegen Zika als auch Viruspartikel. Dagegen ließen sich im Serum und Urin keine Spuren einer Zika-Virus-Infektion nachweisen. Andere Erreger wie Dengue-, Cytomegalie-, Herpes- oder Chikungunya-Viren konnten die Forscher nicht aufspüren.

Virus offenbar aus Polynesien

Das Team um Calvet isolierte und sequenzierte die Zika-Viren. Dabei ergab sich eine starke Ähnlichkeit der Sequenz zu einem Stamm, der seit 2013 in Französisch Polynesien zirkuliert - auch dort werden seit dem Ausbruch gehäuft Mikrozephalien beobachtet. Inzwischen vermuten Experten, dass sich das Virus von Polynesien auf Süd- und Mittelamerika ausgebreitet hat.

Mit der Untersuchung sei nun klar, dass Zika die Plazentaschranke überwinden kann, schreiben die Wissenschaftler um Calvet. Dies erhärte den Verdacht, dass das Virus Auslöser der Malformationen ist. Allerdings liefert auch diese Arbeit keinen eindeutigen Beweis.

Mehr Klarheit sollen nun Fall-Kontroll-Studien liefern, die in Brasilien bereits begonnen wurden, erläuterte Dr. Anthony Fauci, Direktor des US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda.

Unklar sei noch, wie viele zusätzliche Fälle von Mikrozephalie seit Beginn der Zika-Epidemie aufgetreten sind. Möglicherweise werde deren Zahl überschätzt.

Seit Anfang 2015 sind in Brasilien rund 5000 Kinder mit vermuteter oder bestätigter Mikrozephalie zur Welt gekommen. Nach Angaben von Calvet ist jedes 1000. Neugeborene davon betroffen. Die Inzidenz wäre damit 20-fach höher als in anderen Jahren, allerdings gibt es kaum zuverlässige Angaben zur Inzidenz der Fehlbildung vor dem Zika-Virus-Ausbruch.

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