Vitamin D steigert offenbar Nutzen von Taxan bei Prostata-Ca

FRANKFURT AM MAIN (KHS). Vitamin D wirkt antiproliferativ und fördert die Apoptose. Ersten Studien zufolge unterstützt es möglicherweise bei Patienten mit Prostata-Ca die Therapie mit Docetaxel.

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In Medikamenten-Wirkungsstudien lassen die Werte des prostataspezifischen Antigens (PSA) keine Rückschlüsse auf die Überlebensrate von Patienten mit Prostata-Karzinomen zu. Dies sei eine der wichtigsten Botschaften bei der Krebstagung ASCO in Orlando gewesen, sagte Professor Peter Albers bei einer Veranstaltung in Frankfurt am Main.

Der Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik an den Städtischen Kliniken Kassel spricht sich deshalb für die Fokussierung auf das Zielkriterium Überlebenszeit in Phase-III-Studien aus, wofür allerdings drei- bis viermal so große Stichproben für den Wirksamkeitsnachweis erforderlich seien als bei Verwendung des leicht zu messenden PSA-Wertes.

Methodenkritischeres Denken bei Studien notwendig

Albers mahnte auf der von der Sanofi-Aventis-Gruppe organisierten Veranstaltung an, methodenkritischer zu denken und unter der Vielzahl von Wirksamkeitsstudien möglichst nur die zu interpretieren, in denen die Zielkriterien "gut erarbeitet" sind und dargelegt ist, was man tatsächlich daraus folgern kann.

Aufbauend auf der Tatsache, daß sich das Taxan Docetaxel (Taxotere®) 2004 als Standardtherapie beim hormonrefraktären Prostata-Karzinom etablieren konnte und sich im Vergleich mit Estramustin und Mitoxantron als deutlich überlegen erwiesen hat, untersuchte Albers zwei Fragen: Bringt die zusätzliche Verabreichung von Vitamin D3 zur Docetaxel-Therapie einen über die Monotherapie hinausgehenden Nutzen für die Patienten?

Und: Reduziert die intermittierende statt die kontinuierliche Gabe des Wirkstoffes die Rate der unerwünschten Wirkungen? Die Kombination mit Calcitriol liegt nach Albers deshalb nahe, weil sich Vitamin D in mehreren Studien bei verschiedenen Tumoren sowohl als antiproliferativ erwiesen habe, als auch das Absterben von Krebszellen fördere. Speziell Prostata-Krebs komme in südlichen Ländern aufgrund der stärkeren Sonneneinstrahlung und demzufolge Vitamin-D-Bildung seltener vor. Bei gleichzeitiger Anwendung mit Zytostatika wirke Calcitriol zudem chemosensitivierend.

In einer Studie mit 250 Patienten reduzierte die Kombination von Docetaxel und Calcitriol das PSA zwar nur um etwa 50 Prozent und brachte somit keinen wesentlichen Vorteil. Jedoch hatte sich nach Albers mit der Kombitherapie die durchschnittliche Überlebenszeit wegen der zu kleinen Stichprobe zwar nicht signifikant, aber in der Tendenz doch deutlich verlängert. Nach Einschätzung des Urologen darf man davon ausgehen, daß Vitamin D "wahrscheinlich in irgendeiner Form die Therapie mit Docetaxel" unterstützt.

Eine multizentrische, deutsche Phase-II-Studie mit 75 Patienten hat nach den Ausführungen des Urologen mit 18 bis 19 Monaten vorläufig eine Verlängerung der medianen Überlebenszeit unter intermittierender Monotherapie mit Docetaxel gebracht, die mit bislang veröffentlichten Daten aus Phase-III-Studien mit kontinuierlicher Docetaxel-Verabreichung "korrespondiere". Noch in diesem Jahr werde eine Studie mit 400 Patienten in 15 bis 20 Zentren in Deutschland beginnen, um die intermittierende Therapie mit Docetaxel beim Prostata-Karzinom weiter zu prüfen.

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