Ebola

WHO bezeichnet Epidemie als "klein"

Klein statt beispiellos: Die WHO widerspricht den "Ärzten ohne Grenzen" bei der Bewertung des Ebolaausbruchs in Westafrika. Und sie erinnert Ärzte in anderen Ländern an die Reiseanamnese.

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Gräulicher Bösewicht: Ebolavirion von 1995.

Gräulicher Bösewicht: Ebolavirion von 1995.

© Charles Humphrey; Anthony Sanchez / CDC

NEU-ISENBURG. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Einschätzung der Ebolaepidemie in Westafrika relativiert - und Ärzte weltweit an die Reiseanamnese von fiebrigen Patienten aus der Region erinnert. Zuvor hatte die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" den Ausbruch als "beispiellos" betitelt.

In der Vergangenheit habe es schon größere Ausbrüche von hämorrhagischem Ebolafieber etwa im Kongo oder Uganda gegeben, sagte WHO-Sprecher Gregory Härtl am Dienstag in Genf. Der jetzige Ausbruch sei "noch relativ klein". "Beim größten Ausbruch waren über 400 Menschen betroffen", sagte er.

Auch habe es früher bereits Fälle in Hauptstädten zentralafrikanischer Länder gegeben, sagte er mit Blick auf Befürchtungen, das Ebolavirus könnte für weitere Erkrankungsfälle in Guineas Hauptstadt Conakry führen. Das Land ist das Epizentrum der momentanen Epidemie.

Am Mittwochmorgen gab Härtl zudem über Twitter erneut gestiegene Fallzahlen an. Demnach ist die Zahl der Verdachtsfälle in Guinea auf 127 gestiegen, 83 davon sind gestorben. Aus Liberia werden sieben Verdachtsfälle und vier Tote gemeldet.

In dem letzten offiziellen WHO-Update vom Dienstag werden noch 122 mögliche Fälle oder Verdachtsfälle und 80 Todesopfer genannt. Bei nur 13 Gestorbenen und elf Erkrankten liegt bislang allerdings eine mittels PCR nachgewiesene Ebolavirus-Erkrankung vor. Rund 20 erkrankte Menschen würden derzeit isoliert, schätzungsweise weitere 400 Kontaktpersonen zudem medizinisch überwacht.

Zwei weitere mögliche Todesfälle von Familienangehörigen, die in Guinea gestorben sind und aus Sierre Leone stammen, würden derzeit dort untersucht.

Die WHO redet derweil nicht mehr von hämorrhagischem Ebolafieber, sondern von der Ebola-Viruskrankheit - in Anlehnung an die ICD-10-Klassifikation (A98.4). Danach gelten im Rahmen eines Ausbruchs jene Patienten als Verdachtsfälle, wenn sie Fieber haben und entweder Blutungen, Konjunktivitiden, Purpura, blutigen Stuhl oder blutiges Erbrechen aufweisen.

Als sogenannte "mögliche Fälle" gelten Personen mit Fieber, und die Kontakt zu erkrankten oder gestorbenen Ebolafieber-Patienten hatten. Außerdem müssen bei ihnen mindestens drei Symptome nachgewiesen werden: Kopfschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Diarrhö, Müdigkeit, Bauchschmerzen, generalisierte Muskelschmerzen, Schluck- oder Atembeschwerden. Auch unerklärliche Todesfälle fallen in die Falldefinition.

Obwohl die WHO auch weiterhin keine offiziellen Reisewarnungen ausspricht, erinnert sie Ärzte in anderen Ländern erstmals an die Reiseanamnese bei fiebrigen Patienten aus der Region Westafrika. Bei entsprechenden Symptomen eines hämorrhagischen Fiebers sollten Ärzte zumindest die Möglichkeit einer Ebola-Viruskrankheit mit in Betracht ziehen, rät die Organisation.

Ein solcher Fall hätte in Deutschland etwa zur Konsequenz, dass bei einem entsprechenden Verdacht zunächst an den Eigenschutz der Ärzte und Pflegekräfte, sowie die Isolierung des Patienten zu denken ist. Außerdem muss differenzialdiagnostisch eine Malariaerkrankung ausgeschlossen werden.

Saudi-Arabien hat derweil angekündigt, keine Visa für Pilgerreisende aus Liberia und Guinea auszustellen. Ende Juni beginnt die Umra, die kleine Pilgerfahrt gläubiger Muslime. Die eigentliche Hadsch beginnt erst Ende September. (nös)

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