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RNA-Bestimmung im Blut

Wann die Tuberkulose-Therapie beenden? Ein Biomarker könnte helfen

Den richtigen Zeitpunkt zu finden, eine Tuberkulose-Behandlung zu beenden, ohne einen Rückfall zu riskieren, ist für Ärzte schwierig. Ein neu entdeckter Biomarker hilft eventuell bei der Exitstrategie.

Veröffentlicht:
Hat der Patient noch eine aktive Tuberkulose? Das ist bisher häufig schwer zu beurteilen.

Hat der Patient noch eine aktive Tuberkulose? Das ist bisher häufig schwer zu beurteilen.

© DZIF/scienceRelations

Borstel. Die Behandlung der Tuberkulose (TB) ist bekanntlich meist langwierig; die WHO empfiehlt bei den inzwischen häufigen resistenten Keimen pauschal eine Therapiedauer von mindestens 18 Monaten. Zuverlässige Biomarker für einen vorzeitigen Stopp gibt es bisher nicht.

Das könnte sich künftig allerdings ändern: Ein Team des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) am Forschungszentrum Borstel hat einen Biomarker identifiziert, der über die Aktivität von 22 Genen individuell anzeigt, wann eine Therapie abgesetzt werden kann (Eur Resp J 2021; online 11. Februar). In vielen Fällen könnte damit die Behandlung gefahrlos verkürzt werden, berichtet das Forschungszentrum.

RNA-Bestimmung im Blut

Der fehlende Nachweis des TB-Erregers im Sputum ist keine Gewähr für eine dauerhafte Heilung der Lungeninfektion, erinnert das Forschungszentrum. Patienten, bei denen die Standardtherapie anschlägt, können unter Umständen nach sechs Monaten austherapiert sein. Doch bei resistenten Fällen wird derzeit zu mehr als 18 Monate Behandlungsdauer geraten.

„Das ist eine sehr lange Zeit für die Betroffenen, die oft mehr als vier Antibiotika täglich einnehmen müssen und unter Nebenwirkungen leiden“, wird Studienleiter Professor Christoph Lange in der Mitteilung zitiert. Daher machten sich die Forscher auf die Suche nach einem Biomarker, der die Umsetzung einer individuellen Therapiedauer ermöglicht.

An fünf Patientenkohorten evaluiert

Gemeinsam mit internationalen Tuberkulosezentren haben sie anhand von fünf Patientenkohorten ein Modell für das Therapieende entwickelt, das auf einer RNA-Bestimmung im Blut beruht: Aus vielen Tausend Genen wurden 22 identifiziert, deren Aktivität mit dem Krankheitsverlauf korreliert. Bei den fünf untersuchten Kohorten handelte es sich in allen Fällen um Erwachsene, die an Lungentuberkulose erkrankt waren, zum Teil an nicht-resistenten, zum Teil an resistenten Formen.

„Die Produktion der RNA dieser 22 Gene im menschlichen Blut kann uns darüber Aufschluss geben, ob der Patient geheilt ist“, bringt es Erstautor Privatdozent Dr. Jan Heyckendorf auf den Punkt. „Es ist eine RNA-Signatur aus 22 Genen, die an zwei Kohorten identifiziert wurde und an weiteren drei Kohorten validiert wurde.“

„Die Individualisierung der Therapiedauer ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Präzisionsmedizin bei der Tuberkulose“, fasst Letztautor Lange zusammen. Sogar ohne Verlaufswerte könne man bei einem Patienten anhand dieser RNA-Bestimmung ein Ende der Therapie wagen.

Als nächsten Schritt planen die Forscher eine prospektive Studie. Dabei sollen Patienten in einem Studienarm die Therapie so lange erhalten, wie der Biomarker es vorschlägt. Patienten im anderen Studienarm erhalten die Therapie so lange, wie es das nationale Tuberkuloseprogramm empfiehlt. „Es ist hoffentlich möglich, dass bei Patienten mit multiresistenter TB im Schnitt circa ein Drittel der Therapie eingespart werden kann“, so Lange. (eb/bae)

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