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Unterschiedliche Risikogruppen

Wann mit dem Darmkrebsscreening begonnen werden soll

Veröffentlicht:

Ab welchem Alter sollten Männer regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge gehen? Diese Frage beantwortet ein Screeningmodell, das Informationen über die genetische Disposition der Patienten einbezieht.

Von Katharina Grzegorek

NEU-ISENBURG. Schon seit 2003 läuft die Darmkrebs-Studie DACHS des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Das Akronym steht für "Darmkrebs: Chancen der Verhütung durch Screening".

Fast 5000 Patienten und 5000 Kontrollpersonen nehmen bereits an der epidemiologischen Fall-Kontrollstudie teil. Jedes Jahr können neue Erkenntnisse über die Erkrankung gezogen werden und vor allem, wie sie verhindert werden kann.

Eindeutig belegt die Studie den hohen Nutzen der Vorsorge-Koloskopie: So konnte gezeigt werden, dass das Risiko, innerhalb von zehn Jahren nach einer Vorsorgekoloskopie an Darmkrebs zu erkranken, um etwa 90 Prozent niedriger ist als bei Personen die keine Vorsorge-Darmspiegelung in Anspruch genommen hatten (Gastroenterology 2013; online 9. September 2013).

Zudem seien nach aktuellen Auswertungen des Studienleiters Professor Hermann Brenner vom DKFZ die Überlebensraten bei Patienten, deren Darmkrebs durch eine Vorsorge-Koloskopie entdeckt wurde, sehr viel höher sind als die Überlebensraten von Patienten, deren Tumor erst aufgrund von Beschwerden diagnostiziert wurde.

"Die Studie unterstreicht das hohe Potenzial der Darmkrebsvorsorge für die Verhütung von Neuerkrankungen und tödlichen Verläufen von Darmkrebs", fasst Christa Maar, Vorstand der Felix Burda Stiftung, in einem Interview mit der "Ärzte Zeitung" zusammen. Die von ihr mitbegründete Stiftung setzt sich seit 2001 für die Darmkrebsprävention ein.

Screeningmodell, das genetische Disposition der Patienten einbezieht

Aus der DACHS-Studie werden auch Erkenntnisse gezogen, die das Darmkrebsscreening verbessern könnten. So entwickelten Forscher um Dr. Li Hsu vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle in einer zuletzt publizierten Studie ein Screeningmodell, das Informationen über die genetische Disposition der Patienten einbezieht (Gastroenterology 2015; online 12. Februar).

Dazu wertete sie Daten von 12.000 Teilnehmern aus sechs Studien - darunter auch DACHS - aus, die zwischen 1990 bis 2011 in den USA und Deutschland durchgeführt wurden.

Erfasst wurden Geschlecht, Alter, Familienanamnese, ein genetischer Risiko-Score (Zahl der Risiko-Allele auf den Genloci, die für ein erhöhtes Darmkrebsrisiko bekannt sind) sowie die Ergebnisse früherer Koloskopien.

Die Forscher fanden heraus, dass mit der Information über die genetische Disposition, das Risiko für Darmkrebs genauer beurteilt werden kann als mit der Familienanamnese alleine.

Männer mit hohem Risiko sollten ab 42 Jahren gescreent werden

Unter Einbeziehung des genetischen Risikoscores und der Familienanamnese errechneten sie das Alter, in dem mit einem Darmkrebsscreening begonnen werden sollte.

Bei Männern mit hohem Risiko (Darmkrebs in der Familienanamnese und ein genetischer Risikoscore von 90 Prozent) sollte im Alter von 42 Jahren mit dem Screening begonnen werden; Männer mit niedrigem Risiko (negative Familienanamnese und ein genetisches Risiko von zehn Prozent) mit 52 Jahren.

Bei Männern mit einer negativen Familienanamnese und einem hohen genetischen Risikoscore sollte die erste Vorsorge-Koloskopie mit 47 Jahren erfolgen. Ein ähnlicher Trend wurde bei Frauen beobachtet.

Die Autoren erhoffen sich, dass solche Modelle zukünftig für die Entwicklung von Screening- und Vorsorgestrategien genutzt werden können.

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