Direkt zum Inhaltsbereich

Leukämie

Warum es zu Rückfällen kommt

Das Überleben und Wachstum bösartiger B-Zellen könnte von der Interaktion mit follikulären dendritischen Zellen abhängen, hat eine Studie ergeben.

Veröffentlicht:

BERLIN. Trotz Therapie kommt es bei chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) in der Regel zu Rückfällen. Womit das zusammenhängt, haben Forscher des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) entdeckt (Cancer Disvovery, online 24. September).

 In einem Mausmodell konnten sie zeigen, dass die Kommunikation zwischen den Tumorzellen und den follikulären dendritischen Zellen (FDZ) der Milz entscheidend für das Krebswachstum ist, meldet das MDC.

Die Forscher nahmen an, dass die Prozesse, die normalerweise die Einwanderung von B-Lymphozyten in den B-Zellfollikel steuern, auch die Grundlage für die Wanderung von Leukämiezellen in die lymphatischen Organe sind.

Innerhalb des B-Zellfollikels könnte dann das Überleben und Wachstum der bösartigen B-Zellen vom Kontakt mit den FDZ abhängen.

Die FDZ überleben eine Chemo- oder Strahlentherapie weitaus besser als die Leukämiezellen. Sie sorgen dann dafür, dass die Leukämiezellen innerhalb der B-Zellfollikel optimale Wachstumsbedingungen haben und sich vermehren.

Wie die Forscher zeigen konnten, sind das Chemokin CXCL13 und sein Rezeptor CXCR5 auf der Oberfläche der Leukämiezellen entscheidend dafür, dass die Leukämiezellen überhaupt erst in die Milz gelangen.

Mit Hilfe dieses "Homing"-Rezeptors würden die Krebszellen direkt über die Marginalzone der Milz in das Innere des Organs gelockt, wo die FDZ den Botenstoff CXCL13 freisetzen.

Aber anders als gesunde B-Zellen gelangen die Leukämiezellen ohne einen Umweg sofort in die stimulierende Stromazellnische der B-Zellfollikel.

Blockierten die Forscher den Chemokinrezeptor CXCR5 bei den Mäusen, konnten die Leukämiezellen nicht mehr in die Stromazellnische einwandern und wuchsen langsamer, heißt es in der Mitteilung.

Außerdem stellte sich heraus, dass der enge Kontakt der Leukämiezellen mit dem FDZ-Netzwerk die Krebszellen zur vermehrten Produktion des Signalstoffs Lymphotoxin anregt.

Das Lymphotoxin der Leukämiezellen binde an den Lymphotoxin-beta-Rezeptor auf den FDZ, die daraufhin das Chemokin CXCL13 verstärkt produziere. Damit entstehe eine Rückkopplungsschleife, weil der Botenstoff CXCL13 zur Rekrutierung von Leukämiezellen in den B-Zellfollikel führt.

FDZ stellten außerdem Wachstumsfaktoren bereit, die die Vermehrung der Leukämiezellen in der Stromazellnische fördern.

Hemmten die Wissenschaftler die Bindung des Lymphotoxins an den Lymphotoxin-beta-Rezeptor auf den FDZ mit einem immunologischen Wirkstoff, konnten sie die Wechselwirkung zwischen Leukämiezelle und FDZ durchbrechen und das Tumorwachstum verringern. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Langfristig überlegen: Kombinationen mit Daratumumab in der Erstlinie

© LASZLO / stock.adobe.com

Neu diagnostiziertes Multiples Myelom

Langfristig überlegen: Kombinationen mit Daratumumab in der Erstlinie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb.  1: Indikationsübergreifendens Therapie-Monitoring in den ersten Behandlungszyklen mit Ribociclib beim HR+/HER2- Brustkrebs

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Früher und metastasierter HR+/HER2- Brustkrebs

Einfach und konsistent: indikationsübergreifendes Therapie-Management mit Ribociclib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Schmerzen verhindern

Das sind die aktuellen medikamentösen Ansätze bei Endometriose

Digitale Helfer

KI im Alltags-Check: So urteilen zwei Kollegen

Lesetipps
Das Gerät kann als Spachtel, Otoskop, Thermometer oder Stethoskop eingesetzt werden. Auf dem Display wird von DIHVA Undine Tischmeyer angegeben, was untersucht werden soll.

© Julia Frisch

Techniker Krankenkasse unterstützt Projekt

Hausbesuche neu gedacht: Auch Laien können als DIHVA die Praxen entlasten