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HINTERGRUND

Was tun, wenn Reisende aus den Tropen Durchfall mitbringen?

Von Ursula Gräfen Veröffentlicht:

Bei den Krankheiten, die Reisende aus den Tropen zurückbringen, ist Durchfall die häufigste. Von 21 300 Reiserückkehrern aus tropischen und subtropischen Regionen, die das Münchner Tropeninstitut im Jahre 2000 in einer Studie nach Krankenheiten befragt hat, ist Diarrhoe am häufigsten genannt worden: 58 Prozent hatten nach der Reise Durchfall. Nur 20 Prozent hatten Fieber.

Durchfall kann bei Tropenrückkehrern bekanntlich durch verschiedene Erreger verursacht werden. Tips zum praktischen Vorgehen hat Professor Gerd-Dieter Burchard, Leiter der Klinischen Abteilung des Bernhard-Nocht-Instituts in Hamburg, auf dem Internisten-Kongreß in Wiesbaden gegeben.

Am häufigsten ist eine unkomplizierte wäßrige Diarrhoe bei Tropenrückkehrern. "Unkompliziert heißt: kein Fieber dabei, keine Blutauflage beim Stuhl dabei." Wenn der Durchfall weniger als drei Tage besteht, ist keine spezifische Stuhldiagnostik nötig, sagte Burchard.

Man könne abwarten oder den Patienten ein Antibiotikum geben, am besten Ciprofloxazin. Denn meist handelt es sich bei importierten Erregern um Bakterien, die selbstlimitierende Diarrhoen verursachen. 40 Prozent der Reisediarrhoen seien durch ETEC, also enterotoxigene E. coli, verursacht.

Dauert ein unkomplizierter wäßriger Durchfall länger als drei Tage, sei eine Basisdiagnostik angebracht. "Das würde sich beschränken auf eine bakteriologische Stuhluntersuchung auf Salmonellen, Shigellen und Campylobacter und auf eine Stuhluntersuchung auf Parasiten." Die Therapie sei dann klar. Burchard wies aber darauf hin, daß es bei Campylobacter in verschiedenen Ländern, etwa Thailand, zu Chinolonresistenzen gekommen ist.

16 Prozent der Patienten mit Malaria tropica haben Durchfall

Geht die Diarrhoe mit Fieber einher, muß immer auch eine Malariadiagnostik mit Dickem Tropfen gemacht werden. Denn nach einer US-Studie haben 16 Prozent der Patienten mit Malaria tropica Durchfall, mitunter sogar als Hauptsymptom.

"Jeder Durchfall mit Fieber nach Tropenaufenthalt ist bis zum Beweis des Gegenteils eine Malaria", machte der Tropenmediziner ganz deutlich auf der Veranstaltung, die von den Unternehmen GlaxoSmithKline, Chiron Behring und Sanofi Pasteur MSD unterstützt wurde. Außerdem ist bei Diarrhoe mit Fieber immer ein Blutbild nötig.

Durchfall mit blutigen Auflagerungen kann Symptom einer Shigellen-Ruhr oder einer Amöben-Ruhr sein. Erster differentialdiagnostischer Hinweis ist die Inkubationszeit. Liegt die Tropenreise schon länger zurück, wenn ein Patient blutigen Durchfall bekommt, spreche das eher für eine Amöben-Ruhr.

Bei der Amöben-Ruhr entwickelt sich die Symptomatik auch meistens langsamer als bei der Shigellen-Ruhr, die meist sehr stürmisch eintritt. Ein Drittel der Patienten mit Amöben-Ruhr haben auch Fieber. Amöben-Ruhr kann zu sehr schweren Komplikationen wie den lebensbedrohlichen Amöben-Leberabszeß führen.

Zur Basisdiagnostik ist hier auch eine Nativstuhluntersuchung auf Entamoeba histolytica sinnvoll. "Nativstuhl deshalb, weil sich die Amöben dann noch bewegen", erklärte Burchard. "Wenn Sie von Ihrem Labor den Befund bekommen Entamoeba histolytica/dispar, dann könnte der Patient auch eine Infektion mit dem apathogenen Keim Entamoeba dispar haben plus Shigellen-Ruhr. Dann muß man eine weitere Diagnostik machen lassen, eventuell PCR."

Ein weiterer Sonderfall ist die Diarrhoe mit Eosinophilie. Das trete aber nur gelegentlich auf, denn, so Burchard: "Würmer spielen in der Reisemedizin keine so große Rolle." Die Ausnahme ist der Zwergfadenwurm. Deshalb ist sinnvoll, bei Patienten mit Durchfall und Eosinophilie eine Spezialuntersuchung auf Zwergfadenwurm-Larven anzufordern, denn nur die und nicht etwa die Eier sind im Stuhl nachzuweisen.

Persistiert der Durchfall trotz negativer Erstdiagnostik rät Burchard, die gesamte Diagnostik zu wiederholen. Dann müsse man auch an seltene Erreger wie Coccidien denken.

Bei chronischer Diarrhoe, die länger als vier Wochen anhält, sind die Erreger häufig Giardia lamblia. Als Therapie ex juvantibus könne zwei Gramm Timidazol über drei Tage gegeben werden. Dann sollte aber ein Tropenmediziner zu Rate gezogen werden.



FAZIT

Die häufigste Krankheit, die Reisende aus tropischen und subtropischen Regionen mitbringen, ist die Reisediarrhoe. In den meisten Fällen handelt es sich um wäßrigen Durchfall ohne Fieber und Blut im Stuhl, der nur einige Tage anhält. Dann ist oft keine spezielle Stuhldiagnostik nötig. Haben die Patienten aber auch Fieber oder blutige Stühle, muß auf Salmonellen, Shigellen, Campylobacter und Parasiten untersucht werden. Bei Diarrhoe plus Fieber muß immer Malaria tropica ausgeschlossen werden.

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