Direkt zum Inhaltsbereich

Onkologie

Welche Darmkrebspatienten profitieren von ASS?

Acetylsalicylsäure entfaltet bei Darmkrebs offenbar eine gewisse Antitumorwirkung und kann vor allem das krankheitsspezifische Überleben verlängern. Entscheidend für den Effekt ist der Immun-Checkpoint-Status.

Von Dr. Dagmar Kraus Veröffentlicht:

BOSTON. Acetylsalicylsäure (ASS) aktiviert die T-Zell vermittelte Antitumorwirkung, indem es die Prostaglandin-E2-Produktion hemmt. Man vermutet daher eine gewisse synergistische Wirkung von ASS und der PD-1-Checkpoint-Hemmung.

Auf Basis dieser Annahme stellten US-amerikanische Onkologen die Hypothese auf, dass bei malignen Darmtumoren mit hoher PD-L1-(programmed cell death 1 ligand)-Expression ASS geringere Effekte zeigen müsste als bei Tumoren mit geringer PD-L1-Expression und infolge die PD-L1-Expression als Biomarker für das Ansprechen auf eine Therapie mit ASS fungieren könnte.

Ihre Hypothese überprüft haben die Wissenschaftler anhand von Patientendaten der Nurses´Health Study sowie der Health Professionals Follow-Up Study (Clin Oncol 2017; 35: 1836-1844).

Insgesamt 617 Patienten mit kolorektalem Karzinom erfüllten die Einschlusskriterien: Es war ausreichend Tumorgewebe verfügbar, um den PD-L1-Status zu erheben, und es lagen Angabe zur ASS-Einnahme nach der Krebsdiagnose sowie zum weiteren Erkrankungsverlauf vor.

Nach einem medianen Follow-up von 11,5 Jahren (7,8-15,5 Jahre) waren insgesamt 325 Patienten gestorben, 118 davon an Darmkrebs.

Für Patienten, die nach der Krebsdiagnose mindestens zweimal die Woche ASS eingenommen hatten, ergab sich tatsächlich ein Zusammenhang mit einem längeren darmkrebsfreien Überleben, aber nur dann, wenn der Tumor in geringem Maße PD-L1 exprimierte (p < 0,001). Bei ASS-Nutzern, deren Tumor einen hohen CD274-Expressionlevel aufwies, fand sich eine solche Assoziation hingegen nicht (p = 0,85).

80 Prozent geringeres Sterberisiko

Im Vergleich zu Darmkrebspatienten, die kein ASS eingenommen hatten, hatten ASS-Nutzer mit niedriger PD-L1-Expression ein um etwa 80 Prozent geringeres krankheitsspezifisches Sterberisiko (adj. HR 0,16; 95%-KI 0,06-0,41).

Für ASS-Nutzer mit hoher PD-L1-Expression zeigte sich hingegen kein Unterschied zu den Nichtnutzern (adj. HR 1,01; 95%-KI 0,61-1,67). Faktoren wie weitere genetische Variationen des Tumorgewebes, Expressionsgrad von PTGS2 und CDX2, tumorinfiltrierende Lymphozyten oder regelmäßige ASS-Einnahme bereits vor der Krebsdiagnose änderten an diesem Zusammenhang nichts.

Aufgrund der Tatsache, dass mit dem PD-L1-Expressionslevel der positive Effekt von ASS auf das krankheitsspezifische Überleben bei Darmkrebspatienten deutlich variierte, schlussfolgern die Studienautoren, dass eine Überexpression von PD-L1 die ASS-Wirkung abschwäche.

Der PD-L1-Expressionsstatus des Tumors könne damit als Biomarker herangezogen werden, so die Onkologen, um diejenigen Krebspatienten zu identifizieren, die von einer adjuvanten ASS-Therapie tatsächlich profitieren. Allerdings müssten, darüber sind sich die Studienautoren einig, die Ergebnisse zunächst validiert werden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

Logo VasioCore

© InMediq

inmediQ

VasioCore: Patientenspezifischer Cardiovascular Twin

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Cardisio

© Lilly

Lilly

Adipositassprechstunde systematisch umsetzen

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Strukturierter Ablauf der CAR-T-Zelltherapie, in sektorübergreifender Zusammenarbeit zwischen Zentrum und zuweisender Praxis

© Janssen-Cilag

CAR-T-Zelltherapie mit Cilta-cel

Frühzeitige Zuweisung und strukturierte Patientensteuerung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Holzklötze mit Symbolen für verschiedene Versicherungsarten, dahinter eine Person im weißen Hemd.

© REDPIXEL / stock.adobe.com

Cancer is Changing

Medizinischer Fortschritt: „Zwei von drei Krebspatientinnen leben heute länger als fünf Jahre nach der Diagnose“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BeOne Medicines Germany GmbH
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Early-onset-Diabetes

Jeder zweite junge Erwachsene erreicht Diabetesremission

Lesetipps
Hände hallten Tablette in linker Hand und Glas Wasser in rechter Hand

© IQ-Photography / Generated with AI / Stock.adobe.com

Medikamentöse Adipositastherapie

Faktenckeck orales Semaglutid: Was es kann und wo der Haken ist