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Pneumokokken

Weniger Antibiotika-Verordnungen dank Impfung

Seit Aufnahme der Pneumokokken-Impfung in den Impfkalender werden bei Kindern in den Niederlanden deutlich weniger Antibiotika verordnet - das spricht für die Immunisierung.

Wolfgang GeisselVon Wolfgang Geissel Veröffentlicht:
Ohrenschmerzen: Pneumokokken gehören zu den häufigsten Erregern von Otitis media.

Ohrenschmerzen: Pneumokokken gehören zu den häufigsten Erregern von Otitis media.

© athomass / fotolia.com

GRONINGEN. In Europa und Nordamerika bekommen Kinder die meisten Antibiotika bei Atemwegsinfektionen und Otitis media verordnet. Pneumokokken gehören dabei zu den häufigsten Erregern dieser Infektionen.

Die Keime wurden in den USA zum Beispiel bei 44 Prozent von stationär behandelten Kindern mit unteren Atemwegsinfektionen wie Pneumonien isoliert.

Nehmen durch die Impfung von Säuglingen die zirkulierenden Pneumokokken ab, dann müsste sich dies auch in abnehmenden Antibiotika-Verordnungen bei Kindern widerspiegeln, meinen Forscher um Dr. Giedre Gefenaite von der Universität Groningen.

Ein- bis Neunjährige untersucht

Sie haben daher die Antibiotikaverschreibungen für Ein- bis Neunjährige in den den Niederlanden zwischen 2002 und 2013 analysiert (Euro Surveill. 2014; 19 (44): pii=20948). Ausgewertet wurden Daten der IABD.nl-Datenbank.

Darin werden die von niedergelassenen Apotheken abgegebenen Arzneimittel erfasst. Für die Studie wurden Antibiotika berücksichtigt, die vor allem bei respiratorischen Erkrankungen verordnet werden.

Verglichen wurden dabei die Verordnungszahlen vor und nach Einführung der Konjugatimpfung. Als Vorimpfära wurde die Zeit zwischen 2002 bis März 2007 definiert.

Als Impfära galt die Zeit von April 2007 bis April 2011: Der 7-valente Pneumokokken-Impfstoff (PCV7) war 2006 eingeführt worden.

Zudem wurden Antibiotika-Verordnungen zwischen März 2012 und Dezember 2013 untersucht: In dieser Zeit wurden zusätzliche Effekte des 2011 eingeführten 10-valenten Impfstoffs (PCV10) analysiert.

Ergebnis: Im Vergleich zur Vorimpfära sank bei den Kindern in allen Altersgruppen der jährliche Antibiotikaverbrauch bei Atemwegsinfektionen.

So ging der Verbrauch bei den Dreijährigen nach Einführung von PCV7 um knapp fünf Prozent zurück, bei den Vierjährigen sogar um neun Prozent. In den anderen Altersgruppen war dieser Rückgang nicht signifikant.

Nach Einführung von PCV10 ging der Antibiotikaverbrauch im Vergleich zur Vorimpfära weiter zurück, und zwar um 13 Prozent bei den Zweijährigen, um knapp 17 Prozent bei den Vierjährigen und um 22 Prozent bei den Sechsjährigen.

In Deutschland seit 2006 Impf-Empfehlung

Die starken Rückgänge werden allerdings nicht allein PCV10 zugeschrieben. Mit diesem Impfstoff waren nämlich bei Studienende nur die Ein- bis Zweijährigen geschützt.

Vielmehr würden die Reduktionen bei Antibiotika vor allem auch durch die Herdenimmunität der mehrjährigen Impfungen mit PCV7 erklärt.

In Deutschland wird ebenfalls seit 2006 allen Säuglingen im Alter ab zwei Monaten die Pneumokokken-Impfung empfohlen.

Nach Einführung hat sich die Zahl der invasiven Pneumokokken-Erkrankungen wie Sepsis bei Kindern unter zwei Jahren mehr als halbiert. Durch die Abnahme der Erreger gibt es in allen Altersgruppen Schutzeffekte.

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