Direkt zum Inhaltsbereich

Morbus Crohn

Weniger Darmkeime, die die Schleimhaut ernähren

Forscher haben einen Zusammenhang zwischen M. Crohn, Faecalibacterium prausnitzii und der Menge an Buttersäure im Stuhl entdeckt.

Veröffentlicht:

HERBORN. Bei Patienten mit Morbus Crohn sind Menge und Anteil schleimhauternährender Bakterien vermindert, teilt das Institut für Mikroökologie in Herborn mit.

Das Institut verweist auf eine polnische Studie, in der der Zusammenhang zwischen Morbus Crohn, Faecalibacterium prausnitzii und der Menge an Buttersäure im Stuhl untersucht wurde (Pol J Microbiol. 62(1): 91-95).

Faecalibacterium prausnitzii sei einer der wichtigsten Buttersäureproduzenten im menschlichen Darm und mache bei Gesunden mindestens 109 Zellen pro Gramm Stuhl und über 5 Prozent der bakteriellen Gesamtzellzahl aus, so das Institut in einer Mitteilung.

Die von der Darmflora gebildete Buttersäure und ihre Derivate stellten die Hauptenergiequelle des Darmepithels dar.

Studie mit 34 Morbus-Crohn-Patienten

An der Studie nahmen 34 Patienten mit Morbus Crohn teil. Die Aktivität der Erkrankung wurde mit Hilfe des Crohn Disease Activity Index (CDAI) ermittelt.

Die Teilnehmer wurden entsprechend in vier Gruppen aufgeteilt: Remission, schwache Aktivität, mittlere Aktivität und schwere Aktivität.

Ergebnis der Studie: Bei Crohn-Patienten waren die absoluten Zellzahlen von F. prausnitzii und der prozentuale Anteil an der bakteriellen Gesamtzellzahl stark vermindert.

Selbst bei Crohn-Patienten in Remission hätten die Zellzahlen von F. prausnitzii maximal 108 Zellen/g Stuhl betragen. Je stärker die Krankheitsaktivität, desto geringer waren die Zellzahlen von F. prausnitzii.

Auch die Anteile der kurzkettigen Fettsäuren im Stuhl hätten sich stark verändert, heißt es in der Mitteilung des Instituts. Die Konzentration der Essigsäure sei auf 70 Prozent der Gesamtmenge kurzkettiger Fettsäuren gestiegen, während die Anteile an Propionsäure und Buttersäure auf etwa 15 und 8 Prozent absanken.

Bei Gesunden liegt die Konzentration der Essigsäure relativ konstant bei etwa 60 Prozent, die der Propionsäure bei 20 bis 25 Prozent und die der Buttersäure bei 15 bis 20 Prozent.

Buttersäure stärkt die Tight junctions

Von allen kurzkettigen Fettsäuren habe die Buttersäure die größte Bedeutung für die Darmgesundheit. Sie wird vor allem von den Bakterien im Darm gebildet und macht die Hauptenergiequelle der Epithelzellen aus.

Darüber hinaus regulierten die Buttersäure und ihre Derivate die Proliferation und Differenzierung der Zellen und die Apoptose, so das Institut für Mikroökologie.

Die Buttersäure wirke anti-inflammatorisch und spiele eine Rolle bei der Aufrechterhaltung der Integrität der Darmbarriere, indem sie die Verbindungen zwischen den Zellen - die Tight junctions - stärkt.

Damit unterbinde die Buttersäure das Eindringen der Darmflora in das Epithel, eine der Schlüsselursachen der anhaltenden Entzündung bei Morbus Crohn.

Das Institut für Mikroökologie in Herborn bietet nach eigenen Angaben als erstes Labor in Deutschland den Nachweis von F. prausnitzii und Buttersäure im Stuhl an. Sinken Zellzahl und Konzentration, könnten Betroffene mit einer entsprechenden Diät entgegenwirken.

Nahrungsmittel, die reich an Stärke und Ballaststoffen sind, vermehren die Zellzahlen von F. prausnitzii und die Konzentration an produzierter Buttersäure. (eb)

Mehr Infos unter www.mikrooek.de

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Dissens in Bezug auf Wirksamkeit

Wem oder wogegen helfen Probiotika?

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

Logo Beyond Imaging

© Beyond

Beyond Imaging

KI-gestützte Prostata- und Kopf-MRT

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Diagnostic Results

© Diagnostic Results

Bioeksen

Molekulare PCR-Diagnostik am PoC

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Wie können Ärzte Einsamkeit erkennen und ansprechen, Professor Adli?

Lesetipps
Rote Beete Wurzel, rote Beete Würfel, rote Beete Scheiben und rote Beete Saft.

© Daniel Vincek / stock.adobe.com

Fallbericht

Eine fast fatale Gemüse-Überdosis

Ausgestreckte Hand gegenüber einer Impfspritze.

© anyaivanova / Getty Images / iStock

Überprüft

5 Mythen übers Impfen im Faktencheck

Lipoprotein(a)-Partikel

© Juan Gärtner / stock.adobe.com

Cholesterin

Intensive LDL-Senkung bei hohem Lp(a): Warum das schwierig werden kann