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Wenn der Rücken zur Sprungschanze wird

Bis zu sechs Prozent der Bevölkerung weisen nach Abschluss der Wachstumsphase einen Spalt im Gelenkfortsatz eines Wirbels auf. Diese Spondylolyse bleibt oft asymptomatisch, kann aber auch zum Wirbelgleiten führen.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Patient mit deutlich sichtbarer Stufe im Bereich der unteren LWS, das Profil erinnert an eine Sprungschanze.

Patient mit deutlich sichtbarer Stufe im Bereich der unteren LWS, das Profil erinnert an eine Sprungschanze.

© PD Schuh / Dr. Hönle, Neumarkt

NEUMARKT. Das Sprungschanzenphänomen an der unteren Lendenwirbelsäule ist eine Spielart des Wirbelgleitens (Spondylolisthesis). Beschwerden können, müssen dabei aber nicht vorhanden sein.

So stellte sich ein 47 Jahre alter Mann mit seit Jahren bekannter Spondylolisthesis bei Privatdozent Alexander Schuh vom Klinikum Neumarkt und seinen Kollegen zur Verlaufskontrolle vor. Beschwerden hatte er nicht (MMW 2011, 3: 5).

Im Wirbelsäulenprofil zeigt sich eine Sprungschanze

Und das, obwohl eine deutliche Stufe im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule zu sehen war, sodass das Wirbelsäulenprofil an eine Sprungschanze erinnert. Die Röntgenaufnahme bestätigte das nahezu vollständige Abgleiten des Lendenwirbelkörpers 5 vom Sakrum, eine Spondyloptose.

Die Stufenbildung beim Sprungschanzenphänomen entsteht, weil der Dornfortsatz des betroffenen Wirbels nicht dem Wirbelkörper nach ventral gefolgt ist. Daher ist eine Stufe zwischen diesem und dem nächsthöheren Dornfortsatz zu tasten.

Röntgen bestätigt das nahezu vollständige Abgleiten des LWK 5 vom Sakrum.

Röntgen bestätigt das nahezu vollständige Abgleiten des LWK 5 vom Sakrum.

© PD Schuh / Dr. Hönle, Neumarkt

In der Regel lassen sich Patienten mit Spondylolyse und Spondylolisthesis gut konservativ behandeln. Schuh und seine Kollegen empfehlen, vorübergehend die körperliche Aktivität einzuschränken und eine entlordosierende Krankengymnastik zu verordnen.

Diese beinhaltet Kräftigungsübungen für die Rücken- und Bauchmuskulatur. Hinzu kommen Analgetika und Antiphlogistika sowie gegebenenfalls Muskelrelaxanzien.

Teilweise sind Mieder oder Korsette sowie stationäre Rehabilitationsmaßnahmen erforderlich. Erst wenn diese therapeutischen Maßnahmen nicht erfolgreich sind oder wenn bei den Patienten neurologische Symptome wie die Claudicatio spinalis, also Schmerzen bei zu engem Spinalkanal an der LWS, eine Hüftlendenstrecksteife oder Nervenwurzelreizungen auftreten, besteht die Indikation zur dorsoventralen Reposition und Fusion der betroffenen Wirbelkörper.

Auch Spaltbildungen an den Bogenwurzeln sind möglich

Etwa fünf bis sechs Prozent der Bevölkerung weisen nach Abschluss der Wachstumsphase eine Spondylolyse auf.

Zu 80 Prozent ist der Wirbelbogen des LWK 5 betroffen, zu 15 Prozent LWK 4, seltener die Halswirbelsäule. Meist ist die Interartikularportion des Wirbelbogens auf beiden Seiten unterbrochen, gelegentlich gibt es auch Spaltbildungen an den Bogenwurzeln (Matzen: Kinderorthopädie; Urban & Fischer 2007). Nicht immer setzt ein Gleiten ein, selbst wenn, bleibt es meist asymptomatisch.

Wiederholte forcierte Reklinationen, also Streckungen der Wirbelsäule nach dorsal, prädisponieren für ein Wirbelgleiten. Dies erfolgt zum Beispiel bei Sportarten wie Kunstturnen, Gewichtheben, Balletttanz oder auch Speerwerfen. Klinisch auffällig ist dabei das Hohlkreuz, die Patienten haben ein schiebendes Gangbild mit leicht angewinkelten Hüft- und Kniegelenken.

Veränderungen an den Wirbelkörpern

Spondylolyse: Seitliche Wirbelbogenspalte durch einen Spalt im Gelenkfortsatz; kann zur Spondylolisthese führen.

Spondylolisthese: Ventralverschiebung des Wirbelkörpers, Abgleiten eines Wirbelkörpers vom nächsten Wirbel nach vorne bei Spondylolyse; findet meist zwischen dem 12. und 17. Lebensjahr statt und ist nach Abschluss des Wachstums konstant.

Spondyloptose: schwerste Form der Spondylolisthese mit meist völligem Abgleiten des 5. Lendenwirbels vom Kreuzbein

(Quelle: Springer Lexikon Medizin). (eb)

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