Kindstod

Weshalb Säuglinge im Schlaf sterben

Für Säuglinge ist es in den ersten drei Monaten besonders riskant, wenn sie mit anderen Personen in einem Bett schlafen. Etwas ältere Babys verheddern sich dagegen eher in Kissen und Leintüchern oder ersticken am Plüschtier.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Vorsicht, wenn Säuglinge mit im Elternbett schlafen: Das Risiko für plötzlichen Kindstod ist erhöht.

Vorsicht, wenn Säuglinge mit im Elternbett schlafen: Das Risiko für plötzlichen Kindstod ist erhöht.

© antjeegbert/fotolia.com

KANSAS CITY. Inzwischen sind viele Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod oder Ersticken während des Schlafes von Säuglingen bekannt, dazu zählen Bauchlage, Überwärmung, Zudecken des Kopfes. Aber auch andere Personen und Gegenstände im Bett wie Kissen, Decken, Tücher und Schlafpositionierer gelten als riskant.

In vielen Ländern konnte die Häufigkeit des plötzlichen Kindstodes deutlich reduziert werden, nachdem Schwangere und junge Eltern über solche Risikofaktoren informiert worden sind. Allerdings ist noch weitgehend unklar, ob diese Risikofaktoren altersabhängig sind und daher bei jüngeren Babys auf andere Dinge geachtet werden sollte als bei älteren.

Dies wollte ein Team um den Pädiater Dr. Jeffrey Colvin vom Children's Mercy Hospital in Kansas City nun herausfinden, in dem es Daten eines US-Registers zu Todesfällen bei Kindern genauer analysierte (Pediatrics 2014, online 14. Juli).

Die Forscher fanden in der Zeit von 2004 bis 2012 Einträge zu 8200 Kindern, die im ersten Lebensjahr während des Schlafes ums Leben gekommen waren. Berücksichtigt wurden nur Angaben, bei denen die Todesursachen etwas mit dem Schlaf zu tun hatten. Dazu zählten die Diagnosen plötzlicher Kindstod und Ersticken sowie Tod unklarer Ursache.

Drei Viertel nicht allein im Bett

Die Kinder wurden in zwei Gruppen unterteilt: in solche, die in den ersten drei Monaten starben, und solche mit einem späteren Tod. Etwa zwei Drittel der Kinder waren in den ersten drei Lebensmonaten gestorben.

Bei diesen Kindern war auffällig, dass sie besonders häufig zusammen mit einer anderen Person (oder einem Tier) die todbringende Nacht verbracht hatten. Dies war bei 74 Prozent der früh gestorbenen Babys der Fall, aber nur bei 59 Prozent der später gestorbenen.

Bei den jüngeren Opfern fand sich auch häufiger ein Erwachsener im Bett (52 vs 44 Prozent ), dagegen waren Objekte etwas seltener mit dabei (33,5 vs 39,4 Prozent). Hier wiederum waren Kissen bei beiden Altersgruppen ähnlich häufig vertreten, Leintücher wurden bei älteren Toten jedoch etwas öfter gefunden (27 vs 23,5 Prozent) und Stofftiere wurden in den Berichten bei den älteren Kindern doppelt so häufig angegeben wie bei den jüngeren (2,4 vs 1,2 Prozent).

Die Eltern hatten etwa 40 Prozent aller Kinder vor dem Schlaf in Rückenlage gebettet, die jüngeren Opfer waren etwas häufiger als die älteren in Seiten- oder Bauchlage in den Schlaf geschickt worden. Gefunden wurden die toten Kinder am häufigsten in Bauchlage (38 Prozent), dieser Anteil war bei den älteren Kindern mit 42 versus 37 Prozent noch deutlich höher als bei den jüngeren.

Eltern müssen die Gefahren kennen

Bei den älteren Kindern ging dem Tod auch häufiger ein Wechsel der Schlafposition voraus als bei den jüngeren - fast immer waren die Kinder dabei vom Rücken oder von der Seite auf den Bauch gerollt.

Dieses Verhalten - einen Wechsel von der Rücken- in die Bauchlage - gelingt den Kindern meist erst ab dem vierten Monat. Die Studienautoren vermuten, dass sie sich dabei in Leintüchern verheddern können oder mit dem Gesicht auf Plüschtieren zu liegen kommen und ersticken.

Im Gegensatz dazu wird jüngeren Kindern das Unvermögen, sich zu drehen, im Bett mit anderen Personen zum Verhängnis. Kinder im Alter von weniger als drei Monaten können aus eigner Kraft auch kaum den Kopf heben, wenn sich eine andere Person im Schlaf an oder über sie rollt, berichten die Studienautoren.

Von daher sei es plausibel, wenn solche Kinder ein höheres Risiko tragen, im Bett der Eltern zu ersticken. Eltern sollten daher auf diese Gefahr besonders bei jüngeren Säuglingen aufmerksam gemacht werden, raten die Pädiater.

Bei Älteren sei darauf zu achten, dass sich keine Objekte im Schlafbereich der Kleinen befinden, an denen sie ersticken können, wenn sie von der Rücken- in die Bauchlage wechseln.

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