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Risikofaktor

Wie Stress vor der Geburt dem Kind schadet

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MÜNCHEN. In Studien an Tieren und Menschen wurde bisher bereits belegt, dass Stress das Risiko des ungeborenen Kindes für psychiatrische Störungen, höhere Sensibilität gegenüber Stress, kognitive Defiziten sowie Verhaltenssaufälligkeiten erhöhen kann. Nun haben Forscher hierfür einen möglichen verantwortlichen molekularen Mechanismus identifiziert, wie das Max-Planck-Institut für Psychiatrie berichtet.

Stresshormone – Glukokortikoide – lösen eine Veränderung in einem wichtigen epigenetischen Prozess, der DNA-Methylierung, aus und führen so dazu, dass Gene auch über einen längeren Zeitraum anders abgelesen werden. Denn obwohl Stresshormone notwendig für die Gehirnentwicklung des Fötus sind, hat sich eine zu große Menge davon als schädlich erwiesen.

Die Wissenschaftler nutzten menschliche Gehirnzellen, um die Effekte von Glukokortikoiden während der fötalen Entwicklung zu beobachten (PNAS 2019; online 9. August).

Sie stellten fest, dass chronischer Stress während der Neurogenese zu einer langfristigen Veränderung der Gene durch epigenetische Mechanismen führt. Zusätzlich stellten sie fest, dass bei erneutem Stress diese epigenetischen Veränderungen zu einer erhöhten Sensibilität gegenüber nachfolgendem Stress führen.

Um diese Erkenntnisse vom Labor auf den Menschen übertragen zu können, wurden zusätzlich Nabelschnurblutzellen von Neugeborenen untersucht, die während der Schwangerschaft hohem Stress, wie Depression und Angststörungen der Mutter oder einer Glukokortikoid-Gabe ausgesetzt waren. Die Wissenschaftler beobachteten, dass die epigenetischen Veränderungen in den Neuronen und die, die in den Genen der gestressten Neugeborenen gefunden wurden, miteinander übereinstimmten.

Diese epigenetischen Markierungen können als „Erinnerungen der Zelle“ an vergangenen Stress gesehen werden, welche die Sensibilität des Individuums auf zukünftigen Stress beeinflussen könnten.

Stress vor der Geburt eines Kindes scheint nicht nur die Entwicklung der Nervenzellen zu verändern, sondern auch die Reaktion auf Stress im späteren Leben. Dieses Wissen gibt nicht nur Aufschluss über die möglichen Langzeiteffekte früher Umwelteinflüsse. (eb)

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