Direkt zum Inhaltsbereich

Wieder Sehen nach 55 Jahren Blindheit

Als Kind traf ihn ein Stein am Auge, es erblindete. Als 63-jährigen brachten ihn starke Beschwerden in eine New Yorker Klinik. Die Ärzte fanden eine Serie von Schäden - und beseitigten sie in einer Serie von Operationen.

Veröffentlicht:
Netzhautablösung: bei dem vorgestellten Patienten war eine solche Ablatio durch einen Steinwurf passiert.

Netzhautablösung: bei dem vorgestellten Patienten war eine solche Ablatio durch einen Steinwurf passiert.

© Prof. Dr. H. Busse, Universitätsklinikum Münster

NEW YORK (ars). Der Behandlungserfolg grenzt an ein Wunder, wenn auch ein reichlich verspätetes: US-Ärzte gaben einem Mann, der einseitig völlig blind war, das Augenlicht zurück.

Akute Beschwerden lieferten den Anstoß: Mit Schmerzen und starker Rötung der Augen stellte sich der 63-Jährige am New York Eye and Ear Infirmary vor.

Wie die Ophthalmologin Dr. Olusola Olawoye und ihre Kollegen bei der Untersuchung feststellten, hatte sich die vordere Kammer des rechten Auges mit Blut gefüllt, auch im Glaskörper gab es Einblutungen, die Hornhaut wies starke Schäden auf, der Augeninnendruck war durch ein sekundäres Glaukom deutlich erhöht: auf 60 mmHg.

Auf dem rechten Auge vollständig erblindet

Der Patient war auf dem rechten Auge vollständig blind. Er berichtete, mit acht Jahren sei er dort von einem Stein getroffen worden. Durch das Trauma löste sich die Netzhaut ab, sie mit Laser wieder anzuheften war damals noch nicht möglich.

Mehr noch: Mit 25 Jahren wurde ihm aus kosmetischen Gründen die Linse entfernt, so dass er von da an selbst Licht kaum wahrnehmen konnte. Weiterhin war er an Diabetes und KHK erkrankt.

Zu therapeutischem Nihilismus ließen sich die Ophthalmologen trotzdem nicht verleiten: Um die Schmerzen zu lindern, senkten sie zunächst den Augeninnendruck durch einen Einschnitt in die vordere Augenkammer (Parazentese), dann auch durch Tropfen mit mehreren Antiglaukomatosa.

Das Blut in der vorderen Glaskammer wuschen sie aus, wobei sie allerdings ausgedehnte Gefäßneubildungen in Netz- und Regenbogenhaut fanden. Gegen die Neovaskularisation verordneten sie Bevacizumab, und tatsächlich bildeten sich die pathologischen Gefäße durch zweimalige intravitreale Applikation restlos zurück. Der Antikörper blockiert den Wachstumsfaktor VEGF.

Netzhaut-Operation folgte

Danach war der Patient immerhin schon wieder imstande, Licht zu erkennen. Doch die Ärzte entdeckten außerdem, dass die Netzhaut weder Nekrosen noch Zysten aufwies, und schlugen ihm deshalb eine weitere Operation vor: Sie entfernten den Glaskörper und ersetzten ihn durch Silikonöl, beseitigten pathologische Membranen, saugten subretinales Blut ab und fixierten die Netzhaut mit Laser.

Anschließend war der Patient fähig, die Zahl von Fingern im Abstand von fünf Metern zu bestimmen. Der Visus blieb stabil, der intraokulare Druck hatte sich normalisiert: auf 10 bis 12 mmHg.

Nach Angaben der Augenärzte ist es der erste Bericht über eine erfolgreiche Retinopexie nach einem derart langen Zeitraum der Ablation (Journal of Medical Case Reports 2011; 5: 221).

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Tipps für den Strandbesuch

Nicht mit Kontaktlinsen zum Schwimmen!

Daten aus den USA

Riesenzellarteriitis ohne Sehstörung wird oft erst spät erkannt

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

© Springer Medizin Verlag

Rheumatoide Arthritis – auch auf die Lunge achten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: medac GmbH, Wedel
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Auswahl an gesunden pflanzlichen Lebensmitteln: Superfoods, verschiedene Obstsorten und Beeren, Nüsse und Samen.

© alicja neumiler / stock.adobe.com

Gepoolte Studien-Analyse

Vegetarische Ernährung und Krebsrisiko: Nicht immer ist pflanzlich besser!