Kommentar zu Budesonid

Wirksame Verbesserung klinischer Zöliakie-Symptome

Die Einnahme oralen Budesonids für Patienten mit Zöliakie könnte bei akuter Glutenexposition ein praktisches „Notfall-Medikament“ sein, findet die Gastroenterologin Dr. Constanze Waggershauser.

Von Constanze Waggershauser Veröffentlicht:
Gastkommentatorin Dr. Constanze Waggershauser

Gastkommentatorin Dr. Constanze Waggershauser

© Waggesrhauser

Es handelt sich um eine sehr kleine, retrospektive Studie am überwiegenden Patientenkollektiv, nämlich Frauen. Beeindruckend ist die gute Wirksamkeit von Budesonid bei allen Teilnehmerinnen, auch bei wiederholter Einnahme.

Budesonid bindet an den Transkriptionsfaktor NfκB, verhindert die Transkription pro-inflammatorischer Gene und steigert anti-inflammatorische Gene in der Darmmukosa. Zusätzlich inhibiert Budesonid die Aktivierung von Mastzellen, T-Helferzellen und eosinophiler Granulozyten. Der topische Effekt bei hohem First-Pass durch die Leber erklärt die bessere Wirkung auf gastrointestinale Symptome im Vergleich zu extraintestinalen Manifestationen, aber auch die gute Verträglichkeit des Medikaments.

Nach Prüfung in größeren, verblindeten Patientenkollektiven ist Budesonid gut als „Notfall“Medikament vorstellbar. Es stellt möglicherweise eine, die einzige Behandlungsmöglichkeit der akuten Glutenexposition bei Zöliakie dar. Sicher soll es aber nicht dauerhaft eingesetzt werden, um eine Diät bewusst nicht einhalten zu müssen, oder zu wollen.

Anbieten würde sich eine Testung von Budesonid auch bei Patienten, die zwar eine klinische Besserung unter einer glutenfreien Diät zeigen, aber keine histologische Heilung nach ein bis zwei Jahren. In Studien sind das circa die Hälfte der Zöliakiepatienten, die aber schlecht nachverfolgt werden, da sie unserer Kontrolle entgehen. Diese Kohorte erlebt leider die Folgen der Zöliakie, wie zum Beispiel eine Osteoporose und die Entwicklung von Lymphomen im Dünndarm (Aliment Pharmacol Ther 2014;39:488-95).

Schreiben Sie der Autorin: med@springer.com

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