Immunreaktion

Wunden heilen besser durch Salz

Zu viel Salz im Essen begünstigt bekanntlich Bluthochdruck, Herz-Kreislauf- und Autoimmunerkrankungen. Doch Salz regt auch das Immunsystem in der Haut zur Abwehr gegen Infektionen an, wie sich jetzt herausgestellt hat.

Veröffentlicht:
Salz – zumindest teilweise rehabilitiert: Es hilft bei der Abwehr von Hautinfektionen.

Salz – zumindest teilweise rehabilitiert: Es hilft bei der Abwehr von Hautinfektionen.

© Jiri Hera / iStock / Thinkstock

BERLIN-BUCH. Ein zu hoher Konsum von Salz gilt als ungesund. Salz kann sich jedoch auch positiv auswirken.

Es aktiviert die Makrophagen des Immunsystems, die bei Mäusen bakterielle Infektionen der Haut bekämpfen, wie ein Forscherteam um Dr. Jonathan Jantsch nun nachgewiesen hat.

 Auch bei Patienten sammelt sich Salz verstärkt um Entzündungsherde der Haut (Cell Metabolism 2015; 21,3: 493-501).

Bekannt war bereits, dass die Haut Salz speichert, wenn man zu viel davon isst, wird in einer Mitteilung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin-Buch erläutert.

Fraglich war aber, welche Rolle dieser Salzspeicher spielt. Vor einigen Jahren stellte sich dann heraus, dass Natriumchlorid die Makrophagen beeinflusst.

Dann wurde entdeckt, dass Salz die Zahl jener aggressiven Immunzellen (Th17-Zellen) erhöht, die Autoimmunerkrankungen triggern.

Simulierter Marsflug ergab Hinweise

Die jetzige Publikation war unter anderem von einer früher veröffentlichten Studie (Cell Metabolism 2013; 17,1: 125-131) zur Simulation eines Flugs zum Mars angeregt worden.

Dabei hatten Wissenschaftler den Salzhaushalt von jungen Männern in einem simulierten Marsflug über 500 Tage lang untersucht und festgestellt, dass sich Salz in der Haut nach einem bestimmten Rhythmus einlagert.

Jetzt ergaben Aufnahmen mit Hilfe von Magnet-Resonanz-Imaging (MRI) bei Patienten mit einer bakteriellen Hautinfektion, dass erhebliche Mengen an Salz in der Haut gespeichert waren.

Bei der Behandlung der Infektion mit Antibiotika ging die Salzmenge zurück. Mit einem Spektroskop wurden die Salzkonzentrationen in der Haut gemessen.

Auch bei Mäusen mit einer bakteriellen Hautinfektion war um die Wunde herum ungewöhnlich viel Salz gespeichert. Die Forscher vermuteten daher, dass dieser Salzspeicher dazu dienen könnte, sich gegen Keime von außen besser zu wehren.

Zur genaueren Untersuchung kultivierten sie die Makrophagen, die sich um die Wunde der Mäuse gesammelt hatten, in einer Nährlösung mit derselben Salzkonzentration wie die der Wunde sowie in einer Nährlösung ohne Salz.

Zellen in den Petrischalen mit sehr hoher Salzkonzentration schütten weit mehr bakterizide Substanzen aus als die Fresszellen in der salzfreien Nährlösung.

Test mit Escherichia und Leishmania

Wurden die Zellen mit den Bakterien Escherichia coli (E. coli) und Leishmania major (L. Major) infiziert, war nach 24 Stunden mehr als die Hälfte der Escherichia coli in den Schalen mit hoher Salzkonzentration zerstört, Leishmania Major hatte sich ebenfalls verringert, wie in der Mitteilung berichtet wird.

Anschließend fütterten die Forscher zwei Wochen lang eine Gruppe von Mäusen mit stark gesalzenem Futter, eine andere Gruppe mit salzarmem Futter.

Dann infizierten sie bei den Mäusen aus beiden Gruppen eine Fußsohle mit L. Major. Nach 20 Tagen waren die Wunden bei den Mäusen, mit salzhaltigem Futter besser geheilt als bei Mäusen mit salzarmem Futter, und auch die Bakterienzahl hatte sich verringert.

Das Fazit der Wissenschaftler lautet: Eine hypertone Mikro-Umgebung könnte der Haut als Barriere gegen eine bakterielle Infektion dienen.

Warnung vor zu viel Salz bleibt

Die Untersuchungen an Patienten und an Mäusen legen nahe, dass hoher Salzkonsum die Fresszellen des Immunsystems aktiviert. Die Forscher warnen aber davor, jetzt zu viel Salz zu essen.

"Die Risiken überwiegen den Nutzen", werden sie in der Mitteilung zitiert. Inwieweit salzhaltige Umschläge eine geeignete Therapie für Wunden sein können, müssen weitere Forschungen zeigen. (eb)

Mehr zum Thema

Betroffene in „Kolonien“

Lepra-Kranke in Japan weiterhin stigmatisiert

Lungen- und Basalzellkarzinom

Bald zwei neue Indikationen für Cemiplimab?

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Hochdosiertes Vitamin C als wichtige Behandlungsoption

III. internationaler Vitamin-C-Kongress

Hochdosiertes Vitamin C als wichtige Behandlungsoption

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Das sagt die Wissenschaft: Vitamin C und COVID-19

SARS-CoV-2 und COVID-19

Das sagt die Wissenschaft: Vitamin C und COVID-19

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Nachmittags: das schnelle Telegramm. Am Morgen: Ihr individuell zusammengestellter Themenmix.

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Annalena Baerbock wurde im Rahmen des Parteitages von Bündnis 90/Die Grünen mit großer Mehrheit als Kanzlerkandidatin bestätigt.

Bundestagswahl 2021

So sehen die Grünen die Gesundheitsversorgung der Zukunft