Repigmentierung

Zellen vom Po helfen Vitiligo-Patienten

Mit der Transplantation von Zellen aus der Glutealregion lassen sich bei Vitiligo-Patienten langfristige Erfolge erzielen. Vor allem Menschen mit segmentaler Vitiligo helfen Ärzte einer Studie zufolge damit.

Von Peter Leiner Veröffentlicht: 24.06.2016, 05:40 Uhr
Patienten mit stabiler Vitiligo: Ärzte können Patienten mit Hauttransplantation vom eigenen Po helfen.

Patienten mit stabiler Vitiligo: Ärzte können Patienten mit Hauttransplantation vom eigenen Po helfen.

© nadine / fotolia.com

SINGAPUR. Patienten mit stabiler Vitiligo profitieren offenbar von der Transplantation körpereigener Zellen aus der Glutealregion zur Repigmentierung. Der Erfolg ist auch noch nach fünf Jahren erkennbar. Über ihre Erfahrungen an ihrer Einrichtung der Maximalversorgung haben Ärzte um Dr. Emily Yiping Gan am Mount Elizabeth Medical Center in Singapur berichtet (J Am Acad Dermatol 2016; online 12. Mai).

Sie erinnern daran, dass es bisher nur wenige Langzeitdaten zur Verpflanzung von nichtkultivierten autologen Zellen bei Vitiligo gab. Bei 177 Patienten mit stabiler Vitiligo hatten die Dermatologen zwischen 2006 und 2012 Transplantationen nichtkultivierter Zellen zur Repigmentierung vorgenommen. Dabei handelte es sich jeweils um ein Spalthauttransplantat.

Als stabil wurde die Erkrankung gewertet, wenn innerhalb des vergangenen Jahrs keine neuen Läsionen auftraten, es zu keiner Progression bestehender Läsionen gekommen war und kein Köbner-Phänomen nachweisbar war.

Transplantation hilft acht von zehn Patienten

Wie die Ärzte berichten, wurde durch die Behandlung bei 83 Prozent der Patienten, deren Befunde sich auswerten ließen, 60 Monate nach dem Eingriff ein gutes bis exzellentes Ergebnis erzielt.

Nach einem Jahr war der Therapieerfolg in der Gruppe der Patienten mit segmentaler Vitiligo bei 88 Prozent, nämlich 52 Patienten, so gut, in der Gruppe mit nichtsegmentaler Vitiligo nur bei 71 Prozent (n = 55). Dabei ließ sich der Erfolg eher mithilfe von Kollagen als Hyaluronsäure bei der Verarbeitung der Zellsuspension erzielen.

Weder die Lokalisation der Vitiligo noch eine Phototherapie nach der Zellverpflanzung beeinflussten den Therapieerfolg. Bei acht Prozent der Patienten kam es zu postinflammatorischen Veränderungen der Pigmentierung, fünf Prozent der Behandelten entwickelten hypertrophes Narbengewebe.

Implantierte Zellen nur ein Fünftel der behandelnden Stelle groß

Für die Repigmentierung auf Zellbasis wurde jeweils ultradünnes Gewebe aus der Gesäßregion, das flächenmäßig einem Fünftel der zu behandelnden Hautfläche entsprach, zerkleinert und bei 37 °C für 30 Minuten in einer 0,25-prozentigen Lösung mit Trypsin-EDTA (Trypsin-Ethylen-Diamin-Tetraessigsäure) inkubiert.

Danach wurde die Epidermis mechanisch von der Dermis getrennt. Die entstandene Zellsuspension wurde zentrifugiert, das Pellet in phosphatgepufferter Kochsalzlösung resuspendiert. Bis zum Jahr 2008 wurde schließlich Hyaluronsäure dazugegeben, um die Viskosität der Zellsuspension zu erhöhen. Danach verwendeten die Ärzte stattdessen Kollagen.

Das Hautareal, in dem die Repigmentierung mit der Zellsuspension vorgenommen werden sollte, wurde zuvor mit einem CO2-Laser zur epidermalen Ablation behandelt. Nach dem Eingriff wurde innerhalb des ersten Vierteljahres monatlich, dann ein Jahr lang alle drei Monate und danach jährlich kontrolliert.

60 Prozent der behandelten Hautareale befanden sich im Gesicht und am Hals, die übrigen am Körperstamm. Mit insgesamt 86 Prozent (n = 152) hatten die meisten Patienten den Fitzpatrick-Hauttyp IV. Sie waren durchschnittlich 34 Jahre alt. Fast 55 Prozent waren Frauen. 43,5 Prozent der Patienten hatten eine ausschließlich segmentale, 55,4 Prozent eine ausschließlich nicht segmentale Vitiligo.

Mehr zum Thema

Dermatoonkologie

Checkpointinhibitoren auch bei Basalzellkarzinom?

„ÄrzteTag“-Podcast

„Das atomare Wettrüsten hat längst wieder begonnen!“

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Wie viele Pillen sind geboten? Der Arzneireport der Barmer weist auf das ungelöste Problem der Polypharmazie hin.

Barmer prangert an

Arzneimitteltherapie oft „im Blindflug“

Viele Krankenpflegekräfte mussten während der Hochzeit der Pandemie unter erschwerten Bedingungen arbeiten.

Einmalzahlung

Corona-Bonus auch für Pflegekräfte in Kliniken

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden