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HINTERGRUND

Zu viele Hürden für den Krebsforscher-Nachwuchs

Angela MisslbeckVon Angela Misslbeck Veröffentlicht:

Der Onkologie fehlt zunehmend Nachwuchs für die Forschung. Als Hauptursachen dieses Problems gelten schwierige Arbeitsbedingungen, die mangelnde Berücksichtigung der Forschung in der Weiterbildung und fehlende Perspektiven.

"Es wird immer schwieriger, für die Onkologie interessierten und qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen. Viele gute Köpfe gehen lieber in die Praxis als an der Klinik zu bleiben", sagte Professor Rolf Sauer von der Uniklinik Erlangen bei einer Veranstaltung während des Deutschen Krebskongresses.

Die Pathologin Dr. Ines Gütgemann, die einige Jahre in den USA gearbeitet hat, sieht als Ursache für diese Entwicklung mehrere Faktoren. Sie kritisiert vor allem die "mangelnde monetäre Attraktivität der Forschung im Vergleich zur Klinik" und fehlende Kinderbetreuungsangebote.

Ein großes Problem ist aus ihrer Sicht aber auch, dass die Weiterbildung in Deutschland wenig strukturiert und dadurch sehr lang sei und Forschung am Feierabend stattfinden müsse. Einen Lösungsansatz sieht Gütgemann darin, dass die Weiterbildung qualitativ verbessert und verkürzt wird. Dabei müsse Forschung offiziell in der Facharztausbildung verankert werden, forderte Sauer. "Dann kann man diesen Bereich auch prüfen", so der Erlanger Onkologe.

Weitere Hürden für den Forschungsnachwuchs sehen die Experten in den Arbeitsbedingungen. Der Regensburger Chirurg Professor Hans Jürgen Schlitt bemängelte, dass die klinischen Stellenpläne keinen Freiraum für Forschung ließen. Für "essentiell" hält er deshalb eine neue Infrastruktur, die es erlaubt, Kliniker für die Forschung freizustellen.

Andere Akzente setzt der Vorstandsvorsitzende des Klinikums Ulm Professor Reinhard Marre. Als "besonders wichtig" betrachtet er soziale Anreizsysteme, und dabei vor allem die Gewähr zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Er weist aber auch darauf hin, dass eine gelungene Nachwuchsförderung von den Führungsstrukturen einer Klinik abhängt. "Über exzellente Führungskräfte bekommt man exzellenten Nachwuchs. Dabei geht es nicht nur um fachliche Exzellenz, sondern auch um Strategiepotenzial, Teamfähigkeit und Managementqualitäten", sagte Marre.

Eine Lösung für die Nachwuchsprobleme in der Onkologie bieten möglicherweise die neuen Strukturen der Comprehensive Cancer Center (CCC), von denen es bereits vier in Deutschland gibt. Diese Auffassung vertritt der Dresdner Strahlentherapeut Professor Michael Baumann. "Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist attraktiv", so Baumann. An CCCs ist die Verbindung von Lehre, Forschung und Krankenversorgung seinen Angaben zufolge gewährleistet, Lehre und Ausbildung sind modular aufgebaut, es gibt klare Regelungen für Rotationen und feststehende Forschungsbudgets. Theoretisch würden CCCs sowohl wissenschaftlich als auch klinisch optimale Bedingungen bieten, meint Baumann. In der Praxis müssen sich die neuen Strukturen aus seiner Sicht noch bewähren.

Die Krebsforscher sind sich einig, dass Forschungsförderungs- und Eliteprogramme einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchsgewinnung leisten. "Dabei brauchen die Programme der Deutschen Krebshilfe nicht hinter einer Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zurückstehen", meint die junge Berliner Onkologin Dr. Claudia Baldus. Sie hat mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe nach einem Forschungsaufenthalt im Ausland eine eigene onkologische Forschungsgruppe an der Charité Berlin aufgebaut. Besonderes Lob äußert Baldus für den guten Austausch mit renommierten Forschern, die kompetente Vor-Ort-Begutachtung des Projekts und die großzügige Finanzausstattung des Programms.

Ein Problem halten alle Krebsforscher für ungelöst: Was passiert mit dem 40- bis 48-jährigen Forscher, der für die Uni attraktiv ist, aber keinen Lehrstuhl innehat? "Das ist eines der gravierendsten Probleme, das wir im Moment haben", so Baumann.

Wie Forschung in der Onkologie gefördert wird

Die Deutsche Krebshilfe e.V. bietet mehrere Nachwuchsförderprogramme in der Onkologie. Das Mildred-Scheel-Stipendium ermöglicht jungen Krebsforschern einen Forschungsaufenthalt im Ausland für längstens zwei Jahre. 480 Stipendiaten wurden mit diesem Programm seit 1977 gefördert. Seit 2001 besteht zudem das Max-Eder-Nachwuchsgruppenprogramm. Es unterstützt Forscher beim Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe. Mehr als 13 Millionen Euro sind in dieses Programm bereits geflossen. Zudem bietet die Deutsche Krebshilfe wissenschaftlichen Onkologen eine Stiftungsprofessur an, wenn der Arbeitgeber für den Anschluss eine unbefristete Anstellung zusagt.

Weitere Informationen: http://www.krebshilfe.de/foerderprogramme.html

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