Schlafapnoe

Zungenschrittmacher mit Mehrfachnutzen

Die Implantation eines Zungenschrittmachers verbesserte bei Schlafapnoe-Patienten die Ergebnisse im Glukosetoleranztest und verminderte ihren hedonistischen Hunger.

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Ein Zungenschrittmacher wird implantiert: Die Option kommt für Schlafapnoe-Patienten infrage, bei denen eine CPAP-Beatmung erfolglos bleibt.

Ein Zungenschrittmacher wird implantiert: Die Option kommt für Schlafapnoe-Patienten infrage, bei denen eine CPAP-Beatmung erfolglos bleibt.

© Uwe Anspach / dpa

BERLIN / BONN. Ein Zungenschrittmacher, der durch elektrische Stimulierung des Zungennervs nachts die Atemwege freihält, verhilft Menschen mit obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom nicht nur zu einem erholsamen Schlaf.

Eine Studie hat ergeben, dass die Behandlung auch den Blutzucker bessert und langfristig vor einem Diabetes schützen könnte, wie die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) aus Anlass ihrer Jahresversammlung in Berlin berichtet.

Die Auswirkungen des Zungenschrittmachers auf den Zuckerstoffwechsel hat das Team um Privatdozent Dr. Armin Steffen vom Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein untersucht (wir berichteten kurz). Den Patienten wird in einer etwa zweistündigen Operation im Brustbereich ein kleiner Schrittmacher unter die Haut implantiert.

Die Chirurgen verbinden diesen über ein Kabel mit dem Nervus hypoglossus. „Nach einer Eingewöhnungsphase ist die Behandlung für den Patienten einfach“, erklärt Steffen in der Mitteilung der Gesellschaft. „Die Patienten schalten den Zungenschrittmacher abends vor dem Schlafengehen ein und morgens wieder aus.“

Mit Schlafendoskopie werden Bewegungen beim Schnarchen beobachtet

Zungenschrittmacher werden in Deutschland bereits seit fünf Jahren an einigen Universitätskliniken implantiert. Sie kommen laut Steffen nur infrage, wenn eine CPAP-Beatmung erfolglos bleibt.

Ob diese Patienten für einen Zungenschrittmacher infrage kommen, prüfen HNO-Ärzte mit einer Schlafendoskopie. Dabei beobachten die Ärzte die Bewegungen von Zunge und Rachen beim Schnarchen.

Seit 2014 haben in Deutschland mehrere hundert Patienten einen Zungenschrittmacher erhalten. Am Campus Lübeck hat Steffen 125 Implantationen durchgeführt. Zwanzig dieser Patienten hat er gemeinsam mit Kollegen nach der Operation über ein Jahr lang begleitet.

Dabei wurden nicht nur die Auswirkungen auf den Schlaf untersucht. Die Ärzte befragten die Patienten und führten nach zwölf Monaten einen oralen Glukosetoleranztest durch.

Schutz vor Typ-2-Diabetes?

Wie Steffen im „Journal of Sleep Research“ (2018; online 19. November 2018) berichtete, hatten sich die Werte im Glukosetoleranztest der Patienten nach der Implantation des Zungenschrittmachers gebessert. Die Insulinresistenz habe abgenommen.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Zungenschrittmacher die Patienten vor einem Typ-2-Diabetes schützen kann“, wird Steffen in der Mitteilung zur DGHNO-KHC-Jahresversammlung zitiert.

Die nächtliche Stimulierung der Zunge wirkte sich auch tagsüber auf das Essverhalten aus. Der hedonistische Hunger, der viele Menschen mit Schlafapnoe auch dann essen lässt, wenn ihr Körper keine Kalorien benötigt, war vermindert.

Steffen hofft, dass der Zungenschrittmacher den Patienten langfristig helfen könnte, ihre Gewichtsprobleme in den Griff zu bekommen. (eb)

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