Brustentzündung

Zurückhaltung bei Biopsien ist ratsam

Viele Mastitiden sind gutartig. Eine invasive Diagnostik kann dann mehr schaden als nutzen.

Veröffentlicht: 06.08.2014, 10:28 Uhr

BERLIN. Eine klassische Form der Brustentzündung ist ein Morbus Mondor, eine oberflächliche Thrombophlebitis mit bis zu 30 cm langen derben, teils sehr schmerzhaften subkutanen Strängen, die auch die Submammärfalte überschreiten können.

Dr. Volker F. Duda vom Uniklinikum Marburg/Gießen betonte beim Senologie-Kongress in Berlin: Das lässt sich im wahrsten Sinne des Wortes digital diagnostizieren - mit den Fingern. "Wer das einmal getastet hat, kennt das!" Dann kann man abwarten: "Das dauert mit Therapie 14 Tage und ohne Therapie zwei Wochen".

Bedeutsamer ist die Unterscheidung von periduktalem Kalk und den Kalkablagerungen im Zusammenhang mit einem Mamma-Ca. Der jetzt als "Plasmazellmastitis" bezeichnete häufige und benigne Mammografiebefund könne insbesondere in frühen Stadien manchmal schwer einzuordnen sein, so Duda.

Es bleibe nichts anders übrig, als alle Kalkablagerungen systematisch zu analysieren. Schließlich könne natürlich auch ein benigner perivaskulärer Kalk neben einer Tumorerkrankung existieren. Scheint dies nicht der Fall, genügt eine Kontrolle der Brust in normalen Abständen.

Therapie der Wahl ist eine Antibiose

Eine unnötige Biopsie zur histologischen Klärung kann bei granulomatösen Mastitiden zu einer regelrechten Exazerbation führen und sollte deshalb nicht regelhaft angewendet werden.

Die Entzündung entsteht durch retiniertes Sekret, das aus einem beschädigten Ductus ins Stroma gelangt und dort zunächst periduktale Veränderungen im Sinne einer Plasmazellmastitis verursacht, dann aber über Mikroabszesse Granulationsgewebe bildet. Zur Therapie empfiehlt Duda Kortison; Operationen sind wie Biopsien wegen der Exazerbationsgefahr zu vermeiden.

Auch Dr. Carmen Röhm vom Brustzentrum Tübingen empfiehlt eine große Zurückhaltung vor invasiven Maßnahmen bei Mastitiden außerhalb des Wochenbetts (Mastitis non puerperalis).

Die Therapie der Wahl ist eine Antibiose, sie bevorzugt Levofloxacin aufgrund seiner hohen Bioverfügbarkeit und guten Weichteilgängigkeit bei wenig gastrointestinalen Nebenwirkungen. Nach Abheilung der Entzündung sollte aber ein Malignom ausgeschlossen werden, betonte sie.

Inflammatorische Karzinome sind zwar extrem selten, haben aber eine sehr schlechte Prognose, erinnerte Duda. Auch hier besserten sich die Symptome unter Antibiose manchmal kurzfristig. Deshalb sollte nicht zu lange abgewartet werden, ob sich der Befund vollständig zurückbildet, bevor eine weitere Klärung erfolgt.

Wenn wegen des weiterbestehenden Verdachts auf ein Karzinom biopsiert werden muss, empfiehlt Röhm nicht mehr als drei Stanzen aus dem Hauptbefund zu entnehmen und dabei zur Prophylaxe einer Exazerbation der Mastitis für eine antibiotische Abdeckung zu sorgen. Handelt es sich um ein inflammatorisches Karzinom, zeigen sich trotz des klinisch typisch erscheinenden entzündlichen Befunds unter dem Mikroskop keine Entzündungszeichen. (fk)

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