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Zwei Drittel aller Krebskranken für komplementäre Verfahren

BERLIN (sko). Krebspatienten, die selbst etwas für ihr Wohlbefinden tun möchten, wenden häufig Mistelpräparate zur Unterstützung des Immunsystems an. Allerdings ist diese Therapie umstritten, weil ihre Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist. Deshalb ist es wichtig, die Patienten kompetent zu beraten.

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Nach Angaben von Professor Reinhard Saller vom Universitätsspital Zürich wenden etwa zwei Drittel aller Krebspatienten komplementäre Verfahren an. Dabei entscheiden sich die meisten für eine Therapie mit Mistelextrakten, etwa Iscador®, wie Saller beim deutschen Krebskongreß in Berlin berichtet hat. Mistelextrakte enthalten verschiedene Substanzen, für die in vitro zytotoxische und immunmodulierende Wirkungen nachgewiesen wurden.

    Die Ärzte haben die Aufgabe, eine Therapie einzuschätzen.
   

Wird der Extrakt zwei bis dreimal wöchentlich subkutan injiziert, soll das die unerwünschten Wirkungen einer Krebstherapie lindern und die Lebensqualität steigern. "Eine Misteltherapie kann sowohl in der Akutphase, der Rehabilitation als auch in der chronischen Phase der Erkrankung angewendet werden", berichtete Professor Gerd Nagel von der Stiftung Patientenkompetenz in Männedorf.

Nagel wies bei der vom Unternehmen Weleda organisierten Pressekonferenz darauf hin, daß immer mehr Patienten für die eigene Therapie kompetent sind. Es kämen gehäuft Patienten, die sich nicht einfach nur in ihre Therapie einmischen wollten, sondern wirklich gut informiert seien und ihr Mitspracherecht einforderten.

"Und dieses Recht müssen wir ihnen einräumen", sagte Nagel. Dies kann sich mitunter allerdings schwierig gestalten: "Viele von uns haben nicht gelernt, mit Patienten zu reden, die Experten in eigener Sache sind", sagte Nagel. Deshalb sei es wichtig, daß Ärzte ihre Patienten kompetent beraten könnten. Denn, so betonte Nagel, es sei nach wie vor die Aufgabe der Ärzte, das Risiko einer Therapie einzuschätzen.

Die Frage, wann und ob eine Misteltherapie indiziert ist, läßt sich nicht immer eindeutig beantworten: "Die Entscheidung richtet sich in erster Linie nach dem Patienten und nicht nach der Krankheit", so Saller. Als eine Kontraindikation nannte er die akute Leukämie.

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