Studie bei Senioren

Zwei Faktoren sagen Thrombose-Rezidive vorher

Bei älteren Patienten mit venösen Thromboembolien kommt es häufig zu Rezidivereignissen. Um die Gefährdung einzuschätzen, scheinen viele "klassische" Risikofaktoren ungeeignet zu sein.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Lokalisation und Typ des Erstereignisses zeigen bei Älteren das VTE-Rezidivrisiko an.

Lokalisation und Typ des Erstereignisses zeigen bei Älteren das VTE-Rezidivrisiko an.

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

BERN. Laut einer Studie an der Universität Bern taugen nur zwei Faktoren zur Vorhersage von Rezidiven einer venösen Thromboembolie (VTE) bei Patienten ab 65 Jahre, nämlich Lokalisation und Typ des Erstereignisses. Sowohl proximale tiefe Beinvenenthrombosen als auch VTE ohne erkennbare Ursache gingen in der prospektiven Studie mit einer erhöhten Rezidivrate einher.

An der Untersuchung beteiligten sich insgesamt 991 Patienten, die im medianen Alter von 75 Jahren eine VTE erlitten hatten – 69 Prozent eine Lungenembolie (LE), 23 Prozent eine proximale und 8 Prozent eine isolierte distale tiefe Venenthrombose (Am J Med 2018; online 4. Januar).

 Entsprechend der Lokalisation wurde median für elf, sechs oder drei Monate antikoaguliert – praktisch ausschließlich mit Vitamin-K-Anatgonisten; die mediane Dauer der Behandlung betrug bei Thrombosen mit beziehungsweise ohne Risikofaktoren sechs beziehungsweise zwölf Monate.

Drei-Jahres-Inzidenz von 14,8 Prozent

Während des Follow-up von median 30 Monaten kam es bei 122 Patienten zu einem symptomatischen Rezidiv (davon 82 LE), entsprechend einer Drei-Jahres-Inzidenz von 14,8 Prozent. Patienten mit einer LE als Indexereignis waren stärker gefährdet als Patienten mit Beinvenenthrombose, eine (weitere) LE zu erleiden.

Zwei Risikofaktoren für VTE-Rezidive

  • 2,4-fach erhöht war das VTE-Rezidivrisiko bei Patienten, die im medianen Alter von 75 Jahren eine proximale Thrombose erlitten hatten.
  • 1,7-fach erhöht war das VTE-Rezidivrisiko bei Patienten mit einer ätiologisch ungeklärten venösen Thromboembolie.

25 Rezidivthrombosen (20,5 Prozent) verliefen tödlich. Das höchste Mortalitätsrisiko hatten Patienten, die initial eine LE (23 Prozent) oder eine krebsassoziierte VTE durchgemacht hatten (29 Prozent).

Die einzigen Patientencharakteristika, bei denen sich unabhängig von anderen Einflüssen eine erhöhte VTE-Wahrscheinlichkeit nachweisen ließ, waren proximale sowie ätiologisch ungeklärte Thrombosen; die betroffenen Patienten hatten ein auf das 2,4- bzw. 1,7-Fache erhöhtes Rezidivrisiko. Allerdings war nur bei den idiopathischen Thrombosen das Rezidivrisiko auch nach Abschluss der Antikoagulation noch erhöht.

Bei anderen Faktoren, die in der Literatur mit einer höheren Rezidivrate in Verbindung gebracht werden, etwa männliches Geschlecht, Adipositas oder VTE bei Krebs, war dies nicht der Fall. Den Studienautoren zufolge könnte dies teilweise mit einem Überlebens-Bias zusammenhängen, eine krebsassoziierte Thrombose also deswegen nicht mit einer höheren Rezidivrate verknüpft gewesen sein, weil die Patienten vorher an der Krebserkrankung gestorben sind.

Für die Risikostratifizierung von älteren Menschen mit akuter Venenthrombose seien "früher beschriebene klinische Prädiktoren für Rezidivthrombosen möglicherweise nicht besonders hilfreich", lautet die Schlussfolgerung der Studienautoren um Sandro Lauber.

Mehr zum Thema
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Tendenz weiter nach oben: Mit bis zu 400.000 Infektionen durch Omikron pro Tag rechnen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und RKI-Präsident Lothar Wieler (l.).

© Wolfgang Kumm / dpa

Neue Testverordnung

PCR-Tests: Details zur Priorisierung kommen nächste Woche

Für Frauen gelten andere Impfregeln als für Männer, etwa beim Schutz gegen sexuell übertragbare Krankheiten. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Djomas / stock.adobe.com

Neue STIKO-Empfehlungen

Welchen Impfschutz junge Frauen brauchen

Erst lokale Modellprojekte zur Grippeimpfung, jetzt bundesweit mit COVID-Vakzinen am Start: Die Apotheker haben erfolgreich einen Fuß in die ambulante Versorgung gesetzt.

© David Inderlied/picture alliance

Impfkampagne

Apotheker ready für die Corona-Impfung to go