Offener Brief

Ärzte fordern Forschung ohne Tierversuche

Die geplante Tierversuchsanlage an der neuen Augsburger Medizinfakultät erfährt Gegenwind. Von der Reaktion des Wissenschaftsministeriums auf eine Unterschriftensammlung zeigt sich der Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ enttäuscht.

Veröffentlicht:

Augsburg. In einem offenen Brief macht der Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ seinem Ärger über das bayerische Wissenschaftsministerium Luft. Das hatte in einem Schreiben an die Ärzte und Ärztinnen geäußert, dass die tierversuchsfreie Forschung noch nicht so weit sei, die Tierversuche zu ersetzen. Das Ministerium verwies auf große Wissenschaftsorganisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Fraunhofer-Gesellschaft, die diese Meinung teilten.

Der Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ (ÄgT) hatte zuvor mehr als 40.000 Unterschriften gesammelt, sich damit gegen den Bau eines Tierversuchslabors in Augsburg ausgesprochen und eine Umwidmung der für das Projekt bereitgestellten Gelder gefordert für „zeitgemäße, sinnvolle, menschenbasierte Forschung ohne Tierversuche“. Laut dem Verein sind 35 Millionen Euro für das Tierversuchslabor an der neuen Augsburger Medizinfakultät angedacht, die Fertigstellung sei bis 2030 geplant.

Kritik an „lapidaren Äußerungen“

Von einer „haltlosen Antwort“ und „lapidaren Äußerungen“ ist in dem offenen Brief des Vereins jetzt die Rede. Das Staatsministerium führt wohl unter anderem auch die Forschungsfreiheit an und die Sorge, dass es für die Studierenden am Medizincampus in Augsburg von Nachteil im akademischen Wettbewerb sein könne, wenn auf Tierversuche in der Forschung verzichtet werde.

ÄgT-Vorstandsmitglied Dr. Rosmarie Lautenbacher kritisierte, dass mit DFG und Fraunhofer-Gesellschaft Wissenschaftsorganisationen als Quelle herangezogen würden, die selbst zahllose Tierversuche durchführten. Sowohl von Wissenschaftlern als auch aus der Pharmaindustrie kämen klare Impulse gegen Tierversuche. Zudem sei nicht nur die Forschungsfreiheit, sondern auch der Tierschutz im Grundgesetz verankert. Es sei ein fatales Versäumnis, so Lautenbacher, dass die Fakultät nicht gezielt versucht habe, Forschende mit tierfreien Ansätzen zu gewinnen. (mic)

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Versteckte Zucker

Wie Fruktose den Nieren schadet

Lesetipps
Urinprobe für Harnsäuretests im Labor zur Feststellung von Anomalien im Urin.

© kittisak / stock.adobe.com

Treat-to-Target-Strategie

Gicht: Mit der Harnsäure sinkt auch das kardiovaskuläre Risiko