Corona-Reaktion

Baden-Württemberg will großes Medizinrad drehen

Der Kooperationsverbund „Hochschulmedizin Baden-Württemberg“ und der „Innovationscampus Rhein-Neckar“ sollen dem Südwesten noch mehr internationale Strahlkraft verleihen. Corona gab den Impuls.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht:
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann wirbt für den Kooperationsverbund Hochschulmedizin.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann wirbt für den Kooperationsverbund Hochschulmedizin.

© Sebastian Gollnow / dpa / picture alliance (Archivfoto)

Stuttgart. Baden-Württemberg will seinen Gesundheitssektor noch stärker machen. Dazu sollen die starken Standorte der Hochschulmedizin im Ländle im Rahmen eines neuen Kooperationsverbundes noch mehr Potenziale heben können, wie Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Landeswissenschaftsministerin Theresia Bauer (beide Grüne) am Dienstag in Stuttgart bei der Vorstellung des Projektes betonten.

„Der neue strategische Kooperationsverbund Hochschulmedizin hilft uns in der Pandemie und darüber hinaus“, prophezeit Kretschmann. Und ergänzt: „Die Bündelung der Kräfte ist entscheidend, um den Gesundheitssektor des Landes noch stärker zu machen und krisenfest aufzustellen. Wir sind uns sicher: Das ist für die Versorgung im Land wichtig und zahlt sich auch wirtschaftlich aus.“

Zudem soll – als Vorbild dient das im Raum Stuttgart/Tübingen etablierte Cyber Valley der Künstlichen Intelligenz (KI) – in der Rhein-Neckar Region ein Innovationscampus im Bereich der Lebenswissenschaften von internationaler Strahlkraft entstehen. Der Ministerrat habe für beide im Rahmen eines Nachtragshaushaltes 100 Millionen Euro bereitgestellt, wovon jetzt eine erste Tranche in Höhe von knapp 60 Millionen Euro freigegeben worden sei.

Mehr Kooperation statt Konkurrenz im Fokus

Die Corona-Pandemie habe die überragende Bedeutung der Hochschulmedizin für die Krisenreaktion, die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung und die Entwicklung innovativer Ansätze im Land nochmals unter Beweis gestellt, wie Bauer resümierte. Nicht nur bei der Versorgung der Kranken, sondern auch bei der Vorbereitung und Umsetzung der Impfstrategie des Landes seien die Universi- tätskliniken maßgebend beteiligt.

Das Land greife nun, so die Wissenschaftsministerin weiter, zusammen mit den Universitätskliniken und Medizinischen Fakultäten die durch neue Herausforderungen erforderliche stärkere Bündelung der Kräfte auf: Insbesondere die Veränderungen durch Digitalisierung und die neuen Möglichkeiten durch KI und Systemmedizin könnten nur durch konsequente und verlässliche Zusammenarbeit zwischen den Universitätskliniken und das gemeinsame Management von großen interoperablen Datenbeständen optimal genutzt werden.

Die Konkurrenz der Standorte werde nun um ein stärkeres Element der Kooperation ergänzt und damit die langfristige strategische Zusammenarbeit sichergestellt, skizzierte Bauer. Auf dieser Basis schlössen sich demnach alle Medizinischen Fakultäten des Landes mit den Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm zu dem neuen Kooperationsverbund „Hochschulmedizin Baden-Württemberg“ zusammen.

Ende Februar solle ein Verein als ein gemeinsames Dach starten und eine Struktur für die Umsetzung gemeinsamer Vorhaben und die Weiterentwicklung der Hochschulmedizin in Versorgung, Forschung und Lehre sowohl in der Breite als auch für eine Spitzenmedizin in Baden-Württemberg schaffen.

80 Millionen Euro zusätzlich für Digitalisierungsschub

Für Bauer – am 14. März finden Landtagswahlen statt – steht der Kooperationsverbund offensichtlich für eine erfolgreiche grüne Politik und „ist auch das Ergebnis unserer jahrelangen konsequenten Förderung der Zusammenarbeit in der Hochschulmedizin.“ Erwünschter Nebeneffekt: Forschung und Krankenversorgung würden gestärkt sowie Arbeitsplätze und neue wirtschaftliche Chancen geschaffen.

Das Land beabsichtige zudem, so die Ministerin, mehr als 80 Millionen Euro für Maßnahmen der Digitalisierung, Prävention und Translation an den Medizinischen Fakultäten und Universitätsklinika bis einschließlich 2024 zur Verfügung zu stellen, wovon die erste Tranche nun mit Mitteln des Nachtragshaushaltes sichergestellt werde.

Innovationscampus Rhein-Neckar

Auf dem Innovationscampus Region Rhein-Neckar treffen sich exzellente Grundlagen- und angewandte Wissenschaft, außeruniversitäre Forschung und Wirtschaft mit dem gemeinsamen Ziel, neues Wissen zu generieren und in die Anwendung zu bringen – beispielsweise in neue Produkte, Medikamente oder Verfahren für die Prävention, Diagnostik oder Therapie von Erkrankungen.

Neben der Universitätsmedizin beteiligen sich auch außeruniversitäre Spitzenforschungseinrichtungen wie das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim, das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) und das Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung.

Der Innovationscampus stärkt die zahlreichen Akteure der Spitzenforschung vor Ort, die bereits ihre Kooperationsbereitschaft, unter anderem in Form der sogenannten Forschungsallianz, gezeigt haben. Das Land schafft damit einen weiteren internationalen Leuchtturm.

Die hohe Dichte an Start-Ups sowie kleineren und großen Unternehmen in den Bereichen Gesundheitswirtschaft, Medizintechnik, Pharma und IT in der Region Rhein-Neckar sind dabei wichtige Partner der wissenschaftlichen Einrichtungen bei der wirtschaftlichen Verwertung von Forschungsergebnissen.

Ein besonderer inhaltlicher Schwerpunkt der Förderung liegt dabei im Bereich der großen Volkskrankheiten wie Krebs, Infektionen, kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen sowie Lungenerkrankungen.

„Gesundheitsforschung in neuer Liga“

Mit dem Innovationscampus in der Rhein-Neckar-Region im Bereich der Lebenswissenschaften und der Gesundheitswirtschaft soll, wie es in Stuttgart hieß, der Hotspot im Rhein-Neckar-Raum gefördert werden, der internationale Strahlkraft besitzt. „Der neue Leuchtturm der Spitzenforschung soll in Forschung und Transfer die vorhandenen Potenziale in der Region noch besser nutzbar machen“, wie Kretschmann dessen Mission umriss.

Mit dem Start des insgesamt 40 Millionen Euro schweren Projekts Innovationscampus, von denen in einer ersten Tranche 18 Millionen Euro bewilligt worden seien, unterstütze das Land die systematische Zusammenarbeit über Institutionengrenzen hinweg in Forschungs- und Transferfragen. Damit werde auch das dynamische Gründerumfeld vor Ort noch weiter gestärkt, ebenso die Innovationsfähigkeit im Gesund- heitsbereich.

„Damit spielt das Land in der Gesundheitsforschung in einer neuen Liga“, frohlockte Wissenschaftsministerin Bauer. Mit dem Cyber Valley sei bereits unter Beweis gestellt worden, wie die Kombination aus exzellenter Wissenschaft und Nachwuchsförderung, aus Grundlagenforschung und Anwendungsbezug sowie dem Engagement von forschungs- und technologieaffinen Unternehmen und einem dynamischen Gründerumfeld durch regionale Verdichtung internationale Strahlkraft entfalten könne.

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