Auswertung zu COVID-19

Bericht belegt Erfolg von Corona-Maßnahmen in Schleswig-Holstein

Ein Kompetenzzentrum legt seine Auswertung über die Corona-Pandemie im Norden im ersten Halbjahr 2020 vor. Auch andere Infektionen nahmen durch Einschränkungen ab.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht: 18.08.2020, 12:43 Uhr
Abstand halten – wie hier an der Priwallfähre in Travemünde – hilft. Das zeigt auch eine aktuelle Auswertung zur Corona-Pandemie in Schleswig-Holstein.

Abstand halten – wie hier an der Priwallfähre in Travemünde – hilft. Das zeigt auch eine aktuelle Auswertung zur Corona-Pandemie in Schleswig-Holstein.

© Christian Charisius/dpa

Kiel. Gut 3000 Menschen, bei denen SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde und 137 Menschen, bei denen das Virus ursächlich für den Tod war: Zahlen aus der ersten infektionsepidemiologischen Auswertung zu COVID-19 in Schleswig-Holstein. Vorgelegt wurden die Daten vom Kompetenzzentrum für das Meldewesen übertragbarer Krankheiten in Kiel, das dafür die Daten der Gesundheitsämter im Land ausgewertet hat.

Bundesland nur wenig betroffen

Das Zahlenwerk macht deutlich, dass Schleswig-Holstein und seine rund 2,8 Millionen Einwohner im Vergleich zu anderen Bundesländern von der Corona-Pandemie bislang wenig betroffen ist. Von den insgesamt 3161 Schleswig-Holsteinern, bei denen SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde, mussten 507 (16 Prozent) stationär behandelt werden. Von 153 Verstorbenen (4,8 Prozent) wird bei 137 das Virus als Todesursache beschrieben.

Der Bericht zeigt auch, dass die im März verordneten einschränkenden Maßnahmen die Ausbreitung des Virus schnell abbremsen konnten. Die in der 13. und 14. Kalenderwoche auf Maximum befindlichen Infektionszahlen gingen in den Folgewochen rapide herunter und befanden sich zehn Wochen später wieder auf sehr niedrigem Niveau. „Diese effektiven einschränkenden Maßnahmen wurden somit erfolgreich in das Repertoire der Instrumente der Infektionskontrolle eingeführt, auch wenn damit erhebliche Nachteile verbunden sind“, heißt es in dem Bericht.

Kielerin bereits Mitte Januar krank

Er listet auch die ersten sieben Infektionsfälle im Land auf. Deutlich wird, dass die Expositionsorte in dieser Phase vorwiegend im Ausland lagen. Interessant ist der Fall einer 55-jährigen Kielerin, die sich auf einer Kreuzfahrt in Südafrika infizierte und deren Fall erst im April gemeldet wurde. Das Kompetenzzentrum geht davon aus, dass die Erkrankung bei ihr bereits am 17. Januar und damit deutlich früher als bislang angenommen begann. Sie war damit die erste Schleswig-Holsteinerin, die erkrankte. Für weitere Frühfälle im Februar gibt das Kompetenzzentrum zwei Mal Italien, je einmal Ägypten und Österreich als Expositionsort an. Zwei Schleswig-Holsteiner haben sich in dieser frühen Phase in Nordrhein-Westfalen infiziert.

Die wichtigsten Daten:

  • Jeder Mensch kann unabhängig vom Alter betroffen sein. In Schleswig-Holstein waren Säuglinge genauso wie Menschen im Alter von über 100 Jahren unter den positiv Getesteten. 80 von den 3161 waren jünger als 15 Jahre, 803 älter als 65.
  • Die Hospitalisierungsrate steigt ab dem 45. Lebensjahr kontinuierlich an. Von 507 im Krankenhaus behandelten Menschen waren nur sieben jünger als 15 Jahre, davon zwei unter zwei Jahre. 332 von den 507 Betroffenen waren älter als 65 Jahre.
  • Bei den Ausbrüchen im Norden wurden 145 Häufungen registriert, die mindestens drei Personen umfassten. Der größte Ausbruch in einem Schlachthof umfasste 139 Personen. Die meisten Ausbruchsmeldungen kamen aus Haushalten (167 Ausbrüche mit 429 Fällen), gefolgt von Alten- und Pflegeheimen (23 Ausbrüche mit 235 Fällen). 13 Ausbrüche mit 62 Fällen wurden aus Krankenhäusern gemeldet, außerdem acht Ausbrüche mit 26 Fällen aus Praxen und ambulanten Einrichtungen. Zehn Ausbrüche waren kreisübergreifend.
  • Ein Effekt auf die Gesamtmortalität war in Schleswig-Holstein nur in der 16. Kalenderwoche feststellbar, allerdings noch einmal schwächer als in Deutschland. Diese Auffälligkeit löste sich dann im Rahmen der einschränkenden Maßnahmen der weiteren Wochen auf. „Somit wird deutlich, dass die beträchtliche COVID-Letalität sich in Schleswig-Holstein noch nicht wesentlich auf die Gesamtmortalität auswirkte und ein breiter, unerkannter Eintrag in die Allgemeinbevölkerung weitestgehend ausgeschlossen werden kann“, heißt es im Bericht.
  • 58 Verstorbene litten unter Herz-Erkrankungen, 33 unter Nervensystem-Erkrankungen. Weitere schwere Erkrankungen der Betroffenen, bei denen das Virus todesursächlich war, waren Diabetes, Nieren-Erkrankungen (jeweils 18 Mal), Krebs (17), Lungenerkrankungen (15) und Immunschwäche (11).
  • Das Virus wurde bei 497 Menschen (rund 16 Prozent) festgestellt, die keine Symptome aufwiesen. Unter den 14 beschriebenen Symptomen wird Husten (1477) Mal) am häufigsten genannt. Zu den weiteren Symptomen zählten u.a. Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen, Dyspnoe, Durchfall, Geschmacks- und Geruchsveränderungen.
  • Die einschränkenden Maßnahmen konnten nicht nur die Corona-Pandemie in Schleswig-Holstein schnell ausbremsen, sondern zeigten auch Auswirkungen auf andere Infektionskrankheiten. Die saisonale Influenza etwa kam rasch zum Erliegen: Mit 4050 gemeldeten Fällen erreichte diese 77 Prozent des Vorjahresniveaus. Auch fast alle anderen Infektionskrankheiten blieben unter dem Niveau des Vorjahres.
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