Offener Brief an Gesundheitssenatorin

Berliner Kinder- und Jugendärzte: „Sind am Ende unserer Kräfte!“

Keine Unterstützung, keine Boni, stattdessen Knüppel zwischen die Beine: Berlins Kinder- und Jugendärzte sehen sich von der Politik stiefmütterlich behandelt.

Veröffentlicht:
„Nennenswerter Anteil“ von Kinderärztesitzen, die von „Klinikkonzernen in unserer Stadt aufgekauft wurden“: Auszug aus dem Offenen Brief der Berliner Kinder- und Jugendärzte.

„Nennenswerter Anteil“ von Kinderärztesitzen, die von „Klinikkonzernen in unserer Stadt aufgekauft wurden“: Auszug aus dem Offenen Brief der Berliner Kinder- und Jugendärzte.

© ArTo / stock.adobe.com

Berlin. Kinder- und Jugendärzte in Berlin haben der Politik fehlende Unterstützung vorgeworfen. „Die niedergelassen tätigen Kolleginnen und Kollegen sind mit ihren Kräften am Ende. Es fehlt an Wertschätzung und es mangelt an struktureller Unterstützung“, heißt es in einem Schreiben des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) an Berlins Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne).

Gezeichnet ist der Brief vom BVKJ-Landesvorsitzenden Dr. Reinhard Bartezky und seinen beiden Stellvertretern.

Auf Kritik der Pädiater stößt unter anderem, dass bislang sämtliche Sonderboni zur Bewältigung der Coronakrise an den Medizinischen Fachangestellten (MFA) in den Praxen vorbeigegangen seien. Das sei unverständlich, da MFA die ambulante Versorgung häufig aufrechterhalten hätten.

„Klinikkonzerne bedienen sich bequem in Praxen“

Bescheidene Lohnanpassungen der Praxisangestellten fänden zudem keine Berücksichtigung in der Kalkulation der Arztpraxen, monieren die Pädiater. „Stattdessen bedienen sich Berliner Klinikkonzerne bequem in Praxen, indem sie ausgebildete und gut fortgebildete MFAs abwerben und in Klinikpositionen arbeiten lassen an Stellen, an denen sie bis zu vierstellige Eurobeträge an Personalkosten einsparen können.“

Gote sitze in einigen dieser Unternehmen im Aufsichtsrat, heißt es in dem Schreiben von Bartezky weiter. Daher richte man an die Senatorin den Appell: „Stoppen Sie die Zerstörung des Berufs der Medizinischen Fachangestellten und stoppen Sie die Entwertung der Arbeitsbedingungen in den Kinder- und Jugendärztinnenpraxen!“

Kritik an geplantem Aus der Neupatientenregel

Verschärft werde die Lage der Praxen mit der geplanten „Rückabwicklung“ der Neupatientenregelung im Terminservice- und Versorgungsgesetz. Die „Zwangsverpflichtung zu einer nicht funktionierenden Telematik-Infrastruktur“ belaste die Praxen der Kinder- und Jugendärzte ebenfalls. Dabei sperrten sich die Ärzte nicht gegen die TI. „Die meisten von uns sind technikaffin und bereit, Geld für sinnvolle neue Technologie in die Hand zu nehmen.“

Der Anschluss zu dieser „missratenen Technologie“ erfolge jedoch nur aufgrund massiver finanzieller Gängelungen durch den Gesetzgeber. Eine elektronische Krankschreibung zum Beispiel habe keinen Wert für die Vertragsarztpraxis, „wenn sich dadurch der Prozess der Krankschreibung extrem verlängert und das alte System des Ausdruckens zusätzlich gepflegt werden muss“. Dasselbe gelte für das elektronische Rezept, für das weiterhin einheitliche Vorgaben fehlten.

Sein Fett weg bekommt auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Lauterbach sei „verbohrt in eigene Thesen“ und „unfähig“, die reale Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu reflektieren, heißt es in dem Brief. Vergangene Woche hatte es in Berlin Praxisschließungen der Pädiater gegeben. (hom)

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

© KVNO

Schnell und sicher

Hybrid-DRG Plus: Ambulante Operationen per Mausklick abrechnen

Anzeige | Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Rett-Syndrom: früh diagnostizieren, Betroffene bestmöglich fördern und Familien entlasten

© Olia / Generated with AI / stock.adobe.com

Neurologische Entwicklungsstörung

Rett-Syndrom: früh diagnostizieren, Betroffene bestmöglich fördern und Familien entlasten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps