Länger infektiös als angenommen?

COVID-19-Patienten können lange nach Genesung noch Virus freisetzen

Bei COVID-19-Patienten, die als geheilt gelten, lässt sich mitunter noch Wochen später Virus-RNA im Nasopharynx- oder Analabstrich nachweisen.

Von Dr. Beate Schumacher Veröffentlicht: 22.05.2020, 17:03 Uhr
Im Nasen-Rachen-Abstrich eines Patienten konnte SARS-CoV-2 selbst 24 Tage nach offizieller Genesung noch nachgewiesen werden.

Im Nasen-Rachen-Abstrich eines Patienten konnte SARS-CoV-2 selbst 24 Tage nach offizieller Genesung noch nachgewiesen werden.

© Marijan Murat / dpa

Changsha. Chinesische Ärzte bestätigen Hinweise auf eine Persistenz von SARS-CoV-2 bei Patienten, die als genesen gelten. Auslöser für die Studie waren zwei COVID-19-Patienten, die nach ihrer Entlassung aus einem Krankenhaus in Loudi wegen COVID-19-Symptomen wieder aufgenommen und per RT-PCR abermals positiv auf das Virus getestet wurden.

Die Ärzte untersuchten daraufhin 58 weitere als gesund entlassene Patienten auf Virus-RNA im Nasopharynx- und Analabstrich – und wurden bei acht Patienten fündig. Bei einem der Patienten lag die offizielle Genesung da schon 24 Tage zurück (JAMA Network Open 2020; online 22. Mai).

Zweimal negativer PCR-Test

Alle Patienten waren zunächst aus dem Krankenhaus entlassen worden, weil sie keine Symptome oder radiologischen Befunde mehr hatten und zweimal PCR-negativ getestet worden waren. Dass die Genesenen sich zu Hause erneut angesteckt haben, wie dies bei früheren Fällen anfänglich vermutet worden war, schließen die Ärzte aus, da die Patienten sich zunächst weiter isolieren sollten und es lokal nur sehr wenige COVID-19-Fälle gab.

Von insgesamt zehn der 60 nachuntersuchten Patienten mit positiver PCR hatten fünf einen positiven Nasopharynx- und sechs einen positiven Analabstrich, bei einem Patienten war das Virus in beiden Abstrichen nachweisbar.

Acht Patienten waren zur Zeit des erneuten Virusnachweises symptomfrei, zwei Patienten im Alter über 70 und mit erheblicher Komorbidität hatten Husten. Einer der beiden mit Virusnachweis im Nasenrachenraum und im Gastrointestinaltrakt könnte nach den Ergebnissen der PCR ab Krankheitsausbruch 56 Tage lang das Virus freigesetzt haben.

Konsequenzen für Entlassmanagement?

Ein anderer positiv getesteter Patient hatte nach seiner Genesung Plasma gespendet. Weil die mit der Plasmaspende befassten Ärzte und Pflegenden dabei keine ausreichende Schutzkleidung getragen hatten, wurden sie nachträglich in Quarantäne geschickt, sie blieben aber alle PCR-negativ. Die Studienautoren um Jinru Wu von der Universität in Changsha plädieren aufgrund der Befunde jedoch dafür, diese Praxis zu ändern und zukünftig auch vor der Abnahme von Rekonvaleszentenplasma die übliche Schutzkleidung anzulegen.

Ob die Ergebnisse darüber hinaus Konsequenzen für das Management von als gesund entlassenen COVID-19-Patienten haben, können die Ärzte noch nicht beantworten. Hierzu sind Studien nötig, die nicht nur größer sind, sondern vor allem auch untersuchen, ob die nachgewiesenen Viren noch infektiös sind. In Stuhlproben sind den Ärzten um Wu zufolge bisher keine infektiösen Viren nachgewiesen worden.

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Kommentare
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Dr. Thomas Georg Schätzler

Abgestorbenes SARS-CoV-2 Virusmaterial ist PCR-positiv

Dazu gibt es eine wesentlich genauere und nachvollziehbarere Publikation bei
https://www.cdc.go.kr/board/board.es?mid=a30402000000&bid=0030&act=view&list_no=367267&nPage=1

Mit der Zusammenfassung:
"Epidemiological investigation and contact investigation have been completed for 285 (63.8%) of the total 447 re-positive cases (as of 15 May).
? 59.6% were tested as a screening measure, and 37.5% were tested because of symptom onset. Of the 284 cases for which symptoms were investigated, 126 (44.7%) were symptomatic.
? From the 285 re-positive cases, a total of 790 contacts were identified (351=family; 439=others). From the monitoring of contacts, as of now, no case has been found that was newly confirmed from exposure during re-positive period alone."
Im Endergebnis haben die Wissenschaftler des Korean Centers for Disease Control and Prevention (KCDC) mit ihrem Bericht belegt, dass bereits genesene COVID-19-Patienten, die erneut positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurden, nicht mehr ansteckend waren.

„Für Fälle, die bereits aus der Isolation entlassen wurden, sind keine zusätzlichen Tests mehr erforderlich“, heißt es in dem Untersuchungsbericht der KCDC. Erneut positive Fälle sollen dennoch weiterhin gemeldet und ihre Kontakte ermittelt werden, um die Erkrankung weiter erforschen und nachvollziehen zu können. Das KCDC schlägt vor, die Terminologie zu ändern. Statt „re-positive“ soll es künftig „PCR re-detected after discharge from isolation“ heißen.

Das reflektiert die Besonderheiten der PCR-Tests: Eine extrem empfindliche, hoch-sensitive Methodik, der die Spezifität der Unterscheidung zwischen komplett infektiösem und intaktem Virusmaterial gegenüber Virusbruchstücken und abgestorbenem Virusmaterial abgeht.

Nicht zuletzt deshalb ist die forensische Medizin und Kriminologie so weit fortgeschrittenen.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Ulli Berns

Podcast Christian Drosten, Folge 31 vom 14.04.2020,
"So eine PCR kann ja nur eine gewisse Probe, ein gewisses Probenvolumen auf Virus
untersuchen. Da gibt es statistische Verteilungsphänomene, die dazu führen, dass das Virus im Prinzip schon die ganze Zeit da ist, aber der Test kann das nicht immer erfassen. Das müssen Sie sich einfach so vorstellen, : Sie haben ein Planschbecken voller Wasser und da drin schwimmen Goldfische. Und die sind ohne Zweifel da. Aber jetzt nehmen Sie mit einem Eimer eine Probe aus diesem Planschbecken, und zwar mit verbundenen Augen. Und dann kann es sein, dass Sie in Ihrem Eimer mal einen Goldfisch drin haben und mal nicht. Dennoch würde man nicht in Abrede stellen, dass da Goldfische drin sind in dem Planschbecken.
Es sind viele Goldfische drin und immer, wenn ich einen Eimer Probe rausnehme, sind da Goldfische in dem Eimer, und da sage ich: Aha, in diesem Planschbecken sind Goldfische. Wenn ich aber immer weniger Fische habe, das ist also am Ende der Krankheit, da ist immer weniger Virus im Sputum zum Beispiel oder in Abstrichproben vor allem, dann kommt es immer auch mal vor: Ich nehme so einen Eimer aus dem Planschbecken raus und da ist mal nur Wasser drin und keine Goldfische. Das kann durchaus auch mal zweimal hintereinander vorkommen, wenn ich jeden Tag so eine Probe daraus nehme. Dann sage ich: Hier war die PCR zweimal hintereinander negativ. Der Patient ist also jetzt geheilt und wird entlassen. Und wenn ich dann aber zu Hause weiterteste, zum Beispiel im Rahmen von Nachkontrollstudien und sagt, wir wollen den Haushaltskontext überprüfen, dann nehme ich wieder eine Probe raus. Dann kann es sein, dass doch wieder plötzlich das Virus nachweisbar ist. Also bildlich gesprochen: Ich nehme dann noch mal einen Eimer Wasser und dann ist wieder ein Goldfisch da drin. So ist es einfach. Das ist meine Erklärung für dieses Phänomen, gerade weil das nur so kurze Zeit nach der Krankenhausentlassung auftritt. Wenn man weiter testet, findet man immer auch mal wieder ein positives Ergebnis."


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