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Unterschätzter Infektionsweg

Fördert Sprechen eine Ansteckung mit SARS-CoV-2?

Beim Sprechen bilden sich viele kleine Aerosole, die bis zu acht Minuten in der Luft verbleiben können. Für das neue Coronavirus SARS-CoV-2 könnte dies ein bisher unterschätzter Infektionsweg sein.

Anne BäurleVon Anne Bäurle Veröffentlicht:
Mehrere tausend Aerosol-Tröpfchen entstehen schon beim normalen Sprechen.

Mehrere tausend Aerosol-Tröpfchen entstehen schon beim normalen Sprechen.

© Nick Freund / stock.adobe.com

Bethesda. Schon Speichelaerosole, die beim Sprechen entstehen, können einen Infektionsweg für SARS-CoV-2 darstellen. Wie Forscher um Dr. Valentyn Stadnytskyi vom National Institutes of Health in Bethesda festgestellt haben, bilden sich beim Sprechen pro Minute etwa tausend Aerosol-Tröpfchen, die einen Durchmessern von nur 4 μm haben und dadurch in geschlossenen Räumen im Mittel acht Minuten in der Luft verbleiben können (PNAS, online 13. Mai).

Für ihre Untersuchungen nutzen die Forscher eine Lasertechnik, die Größe der Aerosole und ihre Verweildauer in der Luft genau erfasste. Eine Versuchsperson wiederholte über einen Zeitraum von 25 Sekunden die Worte „Stay healthy“ – die Aussprache des „th“ produziert beim Sprechen eine hohe Zahl von Aerosolen.

Hohe Viruslast im Speichel

Insgesamt entstanden so beim Sprechen mehrere tausend Aerosole, von denen viele aufgrund ihrer Größe relativ schnell zu Boden fielen. Kleinere Aerosole allerdings schrumpften aufgrund von Dehydration recht schnell auf eine Größe von etwa 4 μm zusammen – und diese können bis zu acht Minuten in der Luft verbleiben. Die Forscher gehen davon aus, dass sich bei einem einminütigen Monolog wenigstens 1000 Aerosol-Tröpfchen dieser Größe bilden, die bis zu acht Minuten in der Luft verbleiben.

Es sei bekannt, dass im Speichel sowohl von symptomatischen SARS-CoV-2-Infizierten als auch asymptomatischen Infizierten eine hohe Viruslast festgestellt wurde. So hätten beispielsweise deutsche Wissenschaftler um Professor Christian Drosten bei Infizierten eine Viruslast von etwa 7 Millionen RNA-Kopien pro mL im Speichel nachgewiesen (Nature 2020; online 1. April).

Die Forscher sehen daher in den Speichelaerosolen, die beim Sprechen in geschlossenen Räumen – etwa in Restaurants – entstehen, durchaus einen relevanten Infektionsweg von SARS-CoV-2, der bisher noch unterschätzt werde.

„Fenster auf in Restaurants!“

Auch Professor Christian Drosten geht davon aus, dass über Aerosole bis zu 50 Prozent aller SARS-CoV-2-Infektionen stattfinden können („Corona Update“ vom 12. Mai). „Wenn die Leute in einem geschlossenen Raum wie Restaurants dicht an dicht sitzen, halte ich das für gefährlich“, so der Virologe.

Darauf müsse man sich einstellen, generell müssten aber nicht alle Restaurants geschlossen bleiben. „Der Außenbereich ist ein relativ sicherer Bereich, hier halte ich einen Sicherheitsabstand von zwei Metern für gar nicht nötig.“ In Innenbereichen gelte: „Fenster aufreißen!“ Auch mit Ventilatoren, die die Luft in Bewegung bringen und Aerosole in Richtung Außenbereich treiben, könnten Gastronomen arbeiten.

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