Versorgung in ärmeren Vierteln

Hamburg setzt auf Stadtteil-Gesundheitszentren

In Hamburg wollen SPD und Grüne Ärzte für ärmere Stadtviertel in Stadtteil-Gesundheitszentren anstellen – sehr zum Missfallen der KV.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Die KV wird die Stadt bei den Zentrumsplänen nicht unterstützen: KV-Vorstand Walter Plassmann. (Archivbild)

Die KV wird die Stadt bei den Zentrumsplänen nicht unterstützen: KV-Vorstand Walter Plassmann. (Archivbild)

© Christian Charisius/dpa

Hamburg. Wie verbessert man die Gesundheitschancen von Menschen in Vierteln mit niedrigem Einkommen, geringem Bildungsgrad und hoher Arbeitslosigkeit? Nach Auffassung von SPD und Grünen in Hamburg am besten mit Kinder- und Hausärzten, die fest in „Interdisziplinären Stadtteil-Gesundheitszentren (ISGZ)“ integriert sind. Dort sollen Pädiater und Hausärzte entweder angestellt oder selbstständig arbeiten.

Diese noch aus der Amtszeit der früheren Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) stammende Idee findet sich im Koalitionsvertrag und die SPD hat sie nun in einem Antrag an die Bürgerschaft formuliert – zum Missfallen der KV in der Hansestadt.

Wir haben die Stadt wiederholt darauf hingewiesen, dass der institutionalisierte Einbezug von Haus- oder Kinderärzten in diesen Gesundheitszentren kontraproduktiv ist“, sagte KV-Chef Walter Plassmann. Er stellte klar, dass die KV – entgegen Medienberichten – die Stadt bei der Umsetzung solcher Zentrumspläne nicht unterstützen wird.

Bisher kaum Interessenten

Bislang konnten die von der Stadt favorisierten Zentren nicht realisiert werden, weil sich keine Haus- und Kinderärzte für die Zentren fanden. Die umliegenden Kollegen würden auch kaum mit ihnen kooperieren, weil sie eine Wettbewerbsverzerrung befürchten: Im ISGZ würden die Praxiskosten im Gegensatz zu den Praxen nämlich subventioniert.

Erfolgversprechend ist aus KV-Sicht dagegen das Modell des Billstedter Gesundheitskiosks, der von einem Netz der in der Umgebung praktizierenden Ärzte getragen wird – angestellte Ärzte im Kiosk selbst gibt es nicht. Nur ein solches Modell, stellte Plassmann klar, hätte Aussicht auf Erfolg.

100.000 Euro pro Jahr von der Sozialbehörde

Laut SPD-Antrag sollen dagegen „mindestens eine Haus- bzw. Kinderarztpraxis“ fester Bestandteil der ISGZ und Träger „geeignete Vereine oder gemeinnützige Körperschaften mit Sitz in Hamburg“ sein. Die Sozialbehörde soll diese Zentren jährlich mit 100.000 Euro fördern mit einer Dauer von bis zu drei Jahren.

Die SPD räumt ein, dass es schwer sei „niedergelassene Ärzte zu finden, die bereit sind, ihre Praxis in ein solches Zentrum zu integrieren und die eigene Praxis in einen engen Kontext von Gemeinwesen orientierter und sozialer Arbeit zu stellen“. Deswegen sollten nun „neue Wege beschritten werden“. Dies könnte nach ihrer Lesart zum Beispiel auch ein kommunales MVZ sein.

Allerdings weiß auch die SPD um die wichtige Rolle der KV in dieser Frage und ersucht den Senat deshalb darum, „dabei behilflich zu sein, dass in Zusammenarbeit mit der KV für frei werdende und per Sonderzulassung zu schaffende Arztsitze in ausgewählten Stadtteilen Ärzte gefunden werden, die angestellt werden oder sich niederlassen und ein lokales interdisziplinäres Stadtteilgesundheitszentrum gründen“. (di)

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