Vertreterversammlung

Hamburgs KV-Chef Plassmann hört zum Jahresende auf

Nach der Pandemie soll eine neue Zeit für die KV in der Hansestadt anbrechen. Die soll durch die nächste Generation gestaltet werden, meint der langjährige Vorstandsvorsitzende der KV Hamburg.

Von Dirk SchnackDirk Schnack Veröffentlicht:
Seit 1999 arbeitet Walter Plassmann für die Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, jetzt soll Schluss sein.

Seit 1999 arbeitet Walter Plassmann für die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg, jetzt soll Schluss sein.

© Christian Charisius/dpa

Hamburg. Die KV Hamburg muss sich auf die Suche nach einem neuen Vorstand machen: Der langjährige Vorstandschef Walter Plassmann will nach diesem Jahr aufhören. Am Donnerstagabend bat Plassmann die Vertreterversammlung um Auflösung seines Dienstvertrages zu Anfang 2022.

Plassmann versicherte, dass sein Rückzug weder politische noch gesundheitliche Gründe hat. Er bot an, in jedem Fall bis zur Übernahme durch eine Nachfolge im Amt zu bleiben. Die Vertreter entsprachen dem Wunsch des Juristen, nun soll eine Ausschreibung „zügig“ auf den Weg gebracht werden.

Plassmann begründete seine Bitte damit, dass nach der Pandemie eine neue Zeit für die KV Hamburg anbrechen werde. Diese solle besser durch die nächste Generation gestaltet werden. Für diese Zeit sieht Plassmann die KV in der Hansestadt „hervorragend aufgestellt“. Er verwies darauf, dass die Körperschaft in die gesundheitliche Versorgung der Hamburger Bürger eingebunden sei „wie noch nie“. Diese Stellung gelte es zu festigen und auszubauen.

„Revitalisierung“ der Selbstverwaltung

Als Zukunftsthemen, die aus seiner Sicht angepackt werden sollten, nannte der KV-Chef beispielhaft die „Revitalisierung“ der Selbstverwaltung. Sie müsse attraktiv gemacht werden für jüngere Ärzte und Psychotherapeuten, die häufig sehr bewusst in Angestelltenverhältnissen arbeiten würden und ein anderes Verständnis von dem Verhältnis von Beruf und Privatleben hätten als die ältere Generation.

Plassmann ist seit fast 40 Jahren im Gesundheitswesen tätig. In der KV Hamburg, für die er seit 1999 arbeitet, steht er für personelle Kontinuität in der Spitze. 2005 rückte Plassmann in den Vorstand auf, seit 2013 ist er Vorstandsvorsitzender des hauptamtlichen zweiköpfigen Gremiums, mit wechselnden Partnern. Seit 2017 ist dort Bankkauffrau Caroline Roos Stellvertreterin.

Als noch amtierender KV-Chef zeigte sich Plassmann in der Vertreterversammlung gewohnt angriffslustig gegenüber der Politik, wenn diese die aus seiner Sicht nicht passenden Rahmenbedingungen setzt. Er beobachtet zwar eine ungebrochene Impfbereitschaft bei Ärzten und in der breiten Bevölkerung die Motivation, sich impfen zu lassen, doch bei der Impfkampagne hakt es aus seiner Sicht an vielen Ecken und Enden. Folgende Punkte griff er auf:

  • Unkalkulierbarkeit: Donnerstags werden die Praxen informiert, was sie am Dienstag an Impfstoff erhalten. Folge: Ein extrem hoher Aufwand für das Praxismanagement. „Das ist unmöglich für Sie, das zu organisieren“, sagte Plassmann in Richtung Praxisinhaber.
  • Honorarhöhe: Die vereinbarten 20 Euro reichen nach Ansicht Plassmanns nicht aus. Die Höhe sei als Mischkalkulation vereinbart worden, weil man davon ausgegangen war, dass der Aufwand für die Vektorimpfstoffe gering sei. Tatsächlich müsse aber zu diesen Impfstoffen intensiv aufgeklärt werden. Folge aus Sicht Plassmanns: „Die Kalkulation stimmt nicht mehr.“ Die Vertreterversammlung folgte ihm und forderte in einer Resolution eine Erhöhung, die durch eine gesondert zu ermöglichende Abrechnung der Beratungsleistung in Höhe von zehn Euro erzielt werden soll. Von der KBV erwarten die Hamburger, diese Forderung in der Neufassung der Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums durchzusetzen.
  • Politische Entscheidungen: Ihnen bescheinigte Plassmann eine „hohe Votalität“. Nur ein Beispiel, das den KV-Chef ärgerte: Die Ausdehnung der impfenden und der zu impfenden Gruppen, obwohl die Impfstoffmenge weder für die derzeit impfenden Praxen, noch für die bislang vorrangig zu Impfenden ausreicht. Plassmann nannte etwa die Einbeziehung der Betriebsärzte, die nach seinen Angaben 23 Impfdosen pro Arzt erhalten – für große Unternehmen nicht ausreichend. Überhaupt kein sachlicher Hintergrund“, so Plassmann zu dieser Entscheidung.

Finger weg vom Hausärzte-Kontigent!

Kein Verständnis bringt er außerdem dafür auf, dass der Impfstoff für die mehr 100.000 Jugendlichen, die in Hamburg von den Pädiatern geimpft werden könnten, vom Kontingent der Hausärzte abgezogen werden soll. Bislang leisten die Hausärzte in der Hansestadt die Hauptarbeit bei den Impfungen, sie nehmen rund Dreiviertel der Impfungen in den Praxen vor. Es folgen Internisten und HNO-Ärzte. Damit die Impfkampagne in Hamburg nicht an Fahrt verliert, forderte die Vertreterversammlung, die Praxen in den nächsten Wochen zusätzlich mit dem Janssen-COVID-Impfstoff zu versorgen.
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