Schleswig-Holstein

Internist und drei Zahnärzte starten gemeinsame Impfaktion

Alleine dürfen Zahnärzte aktuell keine Impfungen gegen COVID anbieten. In Schleswig-Holstein haben sich deshalb ein Arzt und drei Zahnärzte zusammengetan. Die Nachfrage lässt noch zu wünschen übrig.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht:
Zahnarzt Dr. Lars Ossenkop (links) und Internist Hendrik Metzger bieten Impfungen mit Moderna ohne Termine an.

Zahnarzt Dr. Lars Ossenkop (links) und Internist Hendrik Metzger bieten Impfungen mit Moderna ohne Termine an.

© Dirk Schnack

Rieseby. Auf Bundesebene wird die Einbeziehung anderer Heilberufe in die Corona-Impfkampagne noch vorbereitet. Das alleinige Impfen durch Zahnärzte, Veterinäre oder Apotheker ist derzeit noch nicht möglich. Im Norden machen ein Arzt und drei befreundete Zahnärzte dagegen Nägel mit Köpfen: Sie impfen gemeinsam.

„Ich hätte überhaupt kein Problem damit, wenn mich ein Zahnarzt impft.“ So wie die wartende Frau vor der Praxis von Internist Hendrik Metzger in Rieseby denken viele Menschen im Norden: „Die können das.“ Das Gleiche denkt die Frau übrigens auch von Veterinären. Deutlich vorsichtiger wird sie dagegen, als sie auf Apotheker angesprochen wird.

Apotheker sind nicht dabei

Die allerdings sind am vergangenen Wochenende in der Praxis nördlich von Eckernförde nicht mit der von der Partie. Internist Metzger und die Zahnärzte Dr. Constantin Friebel (Nortorf), Dr. Lars Ossenkop (Elmshorn) und Dr. Friedrich Hey (Laboe) haben sich zusammengetan, um den Menschen in Schleswig-Holstein gemeinsam zu schnelleren Auffrischungsterminen zu verhelfen.

Ihr Plan: Vier gemeinsame Impftermine an verschiedenen Orten in Schleswig-Holstein, an denen sie Impfen ohne Termin anbieten. Zahnärzte dürfen das derzeit zwar nicht allein, in Kooperation mit Ärzten aber schon. Deshalb haben Metzger und Friebel, die sich aus Studientagen kennen, Hey und Ossenkop das Wochenende des dritten Advents geopfert, um erstmals gemeinsam zu impfen. Der Andrang war vorerst verhalten.
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„Enttäuschend“, bilanzierte Metzger das Ergebnis am Sonntagnachmittag: 240 Menschen waren an den beiden Tagen insgesamt gekommen. Die Zahnärzte konnten sich deshalb die Zeiten (Samstag und Sonntag jeweils von 8 bis 15 Uhr) teilen und das vorgesehene Personal musste nicht in der geplanten Stärke bleiben. Die Moderna-Impfdosen in Rieseby hätten für bis zu 2000 Impfungen ausgereicht. Nun wird Metzger viel Impfstoff an Impfstellen abgeben, damit nichts davon verfällt.

Entmutigen lassen wollen sich die vier von dem verhaltenen Auftakt nicht. Sie werden in Kiel, Nortorf und Kosel Impfangebote machen und hoffen, dann mehr Menschen zu erreichen. Metzger macht sich bereits Gedanken, wie sie außer über Social Media, Zeitungen, Aushängen und Praxis-Websites noch mehr Menschen erreichen können.

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Die Überlegung, dass die Menschen ihre Impfung möglicherweise nicht von Zahnärzten erhalten möchten, halten sie nicht für ausschlaggebend — weder Metzger noch Ossenkop halten das für relevant. „Wir Zahnärzte impfen täglich im sensiblen Mund-Rachenraum. Eine Coronaspritze in die Schulter ist da nicht unbedingt eine Herausforderung“, sagt Ossenkop. Er verweist außerdem darauf, dass Zahnärzte in ihren Praxen die nötige Infrastruktur vorhalten, mit den Hygienebestimmungen vertraut sind und auch bei Notfällen nicht hilflos wären. Die Ausdehnung auf andere Berufsgruppen hält er für sinnvoll, um die Lasten besser zu verteilen und um die Impfkampagne zu beschleunigen.

Patienten müssen nicht warten

Die Patienten in Metzgers Praxis machen sich um solche Fragen an den beiden Wochenendtagen keine Gedanken. Für sie ist wichtig: Sie können ohne Termin kommen, haben keine Wartezeit und sind besser geschützt. Einige von ihnen waren zunächst zu anderen Angeboten im Land aufgebrochen und haben die Alternative recherchiert, als sie an anderen Orten lange Wartezeiten erwarteten. Damit bestätigten sie Ossenkops Einstellung, dass Zahnärzte zur Entlastung beitragen können.

Wir Zahnärzte impfen täglich im sensiblen Mund- Rachenraum. Eine Coronaspritze in die Schulter ist da nicht unbedingt eine Herausforderung.

Dr. Lars Ossenkop, Zahnarzt aus Elmshorn

Am Ende der ersten gemeinsamen Impfaktion sind Arzt und Zahnärzte trotz des verhaltenen Andrangs doch froh, das Angebot geschaffen zu haben. „Die Menschen, die gekommen sind, waren superdankbar“, sagt Metzger.

Für Ossenkop ist der moderate Andrang ein Zeichen dafür, dass in der Region schon viele Menschen einen Boostertermin haben oder hatten: „Es ist ein Stück weit beruhigend, wenn die Bevölkerung gut versorgt ist.“

Tatsächlich endete am dritten Advent der „Booster-Marathon“ des Kreises Rendsburg-Eckernförde, zu dem auch Rieseby gehört. Über 11.000 Menschen ließen sich in diesem Rahmen innerhalb einer Woche in der Kreisstadt Rendsburg impfen. Ein solches Parallelangebot wird es nicht mehr geben, wenn Metzger und die drei Zahnärzte ihre nächsten Impfangebote starten.

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