Baden-Württemberg

Mehr Allgemeinärzte – ein Tropfen auf dem heißen Stein

Neue Ärztestatistik beleuchtet Trends und Probleme: Die Zahl der Facharztanerkennungen in der Allgemeinmedizin stabilisiert sich, doch 43 Prozent dieser Gruppe sind über 60 Jahre alt.

Von Florian Staeck Veröffentlicht: 03.07.2020, 14:23 Uhr
Mehr Allgemeinärzte – ein Tropfen auf dem heißen Stein

Die Nachfolgersuche wird für Hausärzte in Baden-Württemberg ein Dauerbrenner bleiben: Die Alterskohorten der ausscheidenden Ärzte sind viel größer als die des potenziellen Nachwuchses.

© Felix Pergande / stock.adobe.com

Stuttgart. Die Zahl der Facharztprüfungen in der Allgemeinmedizin ist in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr mit 234 im Vergleich zu 2018 fast konstant geblieben. Das geht aus der neuen Ärztestatistik der Landesärztekammer hervor.

2018 hatten 238 Allgemeinärzte ihre Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen, im Jahr zuvor waren es mit 198 deutlich weniger. Damals lag die Innere Medizin mit 217 Anerkennungen noch auf Platz 1.

Aus Sicht von Kammerpräsident Dr. Wolfgang Miller „geben die Zahlen Hoffnung“. Es verstetige sich ein Trend: „Der Beruf Hausarzt wird für junge Kolleginnen und Kollegen interessanter“, so Miller. Im Vorjahr erhielten 223 Ärzte die Facharztanerkennung für Innere Medizin, die Anästhesiologie folgte mit 188 Anerkennungen auf Platz 3.

Weniger niedergelassene Ärzte

Rückläufig ist laut Statistik die Zahl der niedergelassenen Ärzte im Südwesten. Sie hat von 15.416 (2017) und 15.314 (2018) auf zuletzt 15.104 abgenommen (siehe nachfolgende Grafik). Darunter waren 9602 Ärzte und 5502 Ärztinnen.

Anders verhält es sich, wenn die Zahl der insgesamt ambulant tätigen Ärzte betrachtet wird, also inklusive der Angestellten. Diese Gesamtzahl ist seit 2017 von 19.739 auf zuletzt 20.320 gestiegen. Damit waren rund 74 Prozent der Ärzte niedergelassen tätig, 26 Prozent arbeiteten angestellt.
Im Vorjahr waren insgesamt 69.199 Ärzte als Kammermitglieder im Südwesten registriert. Das waren 1247 oder rund 1,8 Prozent mehr als im Jahr 2018. Der Anteil der Ärztinnen wächst unterdessen weiter und belief sich im Vorjahr auf 46,6 Prozent (32.238 Ärztinnen). Zwei Jahre zuvor waren es noch 45,9 Prozent.

Anteil der Ärztinnen steigt weiter

Berücksichtigt man nur die aktuell berufstätigen Ärztinnen, dann verstärkt sich der Trend: Ende des Vorjahres waren 23.721 Ärztinnen berufstätig – drei Prozent mehr als 2018. In der Langzeitperspektive wird dies noch deutlicher: Ende 2009 standen 16.750 Ärztinnen aktiv im Berufsleben und damit rund 7000 weniger als aktuell.

Größte Gruppe innerhalb der Ärzteschaft sind die Klinikärzte (25.941) sowie die ambulant tätigen Ärzte (20.320). Rund 18.000 Kammermitglieder sind im Ruhestand oder üben keine ärztliche Tätigkeit mehr aus. Etwa 4900 Ärzte sind jenseits von Klinik und Praxis beschäftigt, 1363 von ihnen in Körperschaften und Behörden.

Durchschnittsalter bei 48 Jahren

Ein weiterer Trend bestätigt sich abermals: Die Ärzteschaft wird – wie auch die Gesamtbevölkerung – immer älter. Im Jahr 1991 war nur rund jeder vierte Arzt (26,1 Prozent) über 50 Jahre alt. Ende des Vorjahres lag dieser Anteil dann bei 48 Prozent.

Noch dramatischer ist diese Entwicklung bei Allgemeinärzten. Aus der Gruppe der insgesamt 5482 ambulant tätigen Allgemeinärzte waren gerade einmal 342 jünger als 40 Jahre – ein Anteil von 6,2 Prozent. Die über 60-Jährigen hingegen machen 43,2 Prozent aller Allgemeinärzte aus.

Kammer-Chef Dr. Wolfgang Miller fasste dies in die Worte: Der Hausärztemangel sei ein akutes Problem – „daran wird sich so schnell nichts ändern“.

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