Telemedizin

Pflegeheime in Niedersachsen setzen auf digitalen Arztbesuch

Niedersachsen will seine Pflegeheime flächendeckend mit Tablets für die Videosprechstunde ausstatten. Interessierte Hausärzte sollen individuell angesprochen werden.

Von Christian Beneker Veröffentlicht: 30.04.2020, 16:46 Uhr
Kontakt zum Hausarzt via Videosprechstunde: Niedersachsens Pflegeheime werden mit Tablets ausgestattet.

Kontakt zum Hausarzt via Videosprechstunde: Niedersachsens Pflegeheime werden mit Tablets ausgestattet.

© M.Dörr & M.Frommherz / stock.adobe.com

Hannover. Ab dem 1. Mai sollen alle Pflegeheimbewohner in Niedersachsen die Möglichkeit erhalten, zu ihren Hausärzten per Videosprechstunde Kontakt aufzunehmen. Dazu werde das Land die 1400 Pflegeheime in Niedersachsen mit Tablet-Computern ausstatten, teilt Niedersachsens Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann (SPD) mit.

Darüber hinaus können die Tablets auch für die persönlichen Kontakte der Heimbewohner mit ihren Familienangehörigen genutzt werden, zum Beispiel via Skype. Das Projekt sehe zudem vor, die Einrichtung geeigneter Räume oder Desinfektionsmöglichketen für die Videosprechstunde in den Heimen mitzufinanzieren.

Die Pflegeheime erhalten auf Antrag mit der entsprechenden Software konfigurierte Tablets. „Die Pflegeheime sind begeistert“, sagt Ulrike Serbent, Sprecherin der AOK Niedersachsen. „Von den 1400 Heimen im Land haben bereits 1000 ihr Interessen angemeldet.“

Der Vertrag werde mit allen niedersächsischen Pflegeverbänden geschlossen. Damit könne erstmals eine flächendeckende technische Infrastruktur mit den Pflegebedürftigen in Niedersachsen aufgebaut werden, so die AOK Niedersachsen.

Bis zu 700 Euro für Ärzte

Alle Kassen des Landes sind beteiligt. Die AOK sammelt die Anträge der Heime und sorgt für die zentrale Abrechnung mit dem Vertragspartner vitaphone GmbH. Die beteiligten Hausärzte erhalten die Software für die Projektlaufzeit bis Ende September 2020 von vitaphone kostenlos.

„Niedergelassene Ärzte, die eine Videosprechstunde durchführen, erhalten im Rahmen der von den Krankenkassen gezahlten Vergütung für die ggf. erforderliche Erweiterung der Praxis-IT ebenfalls bis zu 700 Euro Technik- und Anschubfinanzierung pro Quartal“, so die AOK. „Die Vergütung der eigentlichen Videosprechstunde erfolgt nach den Regularien des EBM“, so die AOK Niedersachsen.

Das Projekt soll maximal 370.000 Euro kosten. Davon zahlt die Pflegeversicherung 40 Prozent. Die übrigen 60 Prozent will das Land Niedersachsen aus dem „Sondervermögen für den Ausbau von hochleistungsfähigen Datenübertragungsnetzen und für Digitalisierungsmaßnahmen“ beisteuern.

„Wir sehen, dass das Coronavirus insbesondere für die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen eine große Gefahr darstellt“, begründet Gesundheitsministerin Reimann das Projekt.

„Mit der Videosprechstunde ermöglichen wir, dass die Pflegebedürftigen in dieser schwierigen Zeit weiter in direktem Kontakt mit ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt bleiben können, ohne durch deren Besuch einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt zu sein.“ In Niedersachsen waren 87 Prozent derer, die an der Infektion sterben, hochaltrige Patienten.

Hausärzteverband nicht mit im Boot

Interessierte Hausärzte sollen individuell angesprochen werden. „Praktisch wird die Arztansprache nun anhand der Rückmeldungen aus den teilnehmenden Pflegeheimen zu den Ärzten durch den GM Prävention durchgeführt, so die AOK.

Zuvor war der Versuch gescheitert, den Hausärzteverband Niedersachsen mit ins Boot zu holen. Weder die AOK Niedersachsen noch der Hausärzteverband des Landes wollte dazu Stellung nehmen.

Die Videosprechstunde ist auch ein Baustein der Konzertierten Aktion Pflege Niedersachsen (KAP.Ni), die die Gesundheitsministerin 2019 zusammen mit den Akteuren aus der Pflege gestartet hat. Die KAP.Ni setzt neben der Verbesserung der Bezahlung und der Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte unter anderem auch auf den Einsatz digitaler Technik, um Prozesse und Arbeitsabläufe in Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten zu verbessern.

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