Corona-Studie in Bayern

RKI: 2,6-mal so viele SARS-CoV-2-Infizierte in Bad Feilnbach wie vermutet

Das RKI hat erste Ergebnisse seiner Corona-Studie im bayerischen Bad Feilnbach vorgelegt. Die Gemeinde galt im Frühjahr noch als Corona-Hotspot. Sechs Prozent der Bevölkerung haben dort laut RKI eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht.

Von Birgit Fenzel Veröffentlicht:
SARS-CoV-2-Antikörper

Antikörper konnten nur bei 60 Prozent der Erwachsenen mit positivem SARS-CoV-2-Test nachgewiesen werden.

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Bad Feilnbach. Wie weit ist das neue Coronavirus in Deutschland tatsächlich verbreitet? Wie viele Menschen haben bereits eine Infektion durchgemacht und sind jetzt zumindest für eine gewisse Zeit immun?

Antworten auf diese Fragen sollen groß angelegte Studien des Robert Koch-Instituts (RKI) in verschiedenen Gemeinden bringen, die sich aufgrund eines markanten Infektionsgeschehens zu den Corona-Hotspots entwickelt hatten.

Ein positives Ergebnis, dass jetzt vom RKI für Bad Feilnbach präsentiert wurde: Im Verlauf der Studie wurde in der kleinen Gemeinde im Landkreis Rosenheim, die im Frühling als Corona-Hotspot bundesweit in die Schlagzeilen geraten war, keine akuten Infektionen mit SARS-CoV-2 festgestellt.

Insgesamt wurden bei sechs Prozent der Studienteilnehmer IgG-Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Die Zahl derjenigen, die eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht hatten, lag damit 2,6-mal so hoch, als bisher für Bad Feilnbach bekannt war.

SARS-CoV-2-Dunkelziffern variieren lokal

Im baden-württembergischen Kupferzell, wo das RKI das erste „Corona-Monitoring lokal“ durchgeführt hatte, lag die Dunkelziffer bei 3,9. Hier wurde bei 7,7 Prozent der Studienteilnehmer Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Grund für die unterschiedliche Dunkelziffer könnte der spätere Studienstart in Bad Feilnbach sein: Möglicherweise hatte bei einigen Infizierten die Antikörperzahl bereits wieder abgenommen.

Das Geschlecht spielte den Ergebnissen aus Bad Feilnbach zufolge offenbar keine Rolle, da der Unterschied der männlichen und weiblichen Seropositiven mit 6,1 zu 6,0 Prozent verschwindend gering ausfiel.

86 Prozent haben wenigstens ein COVID-19-Symptom

Überraschend war für die Forscher die Tatsache, dass die Infektion nur bei 14 Prozent der Seropositiven ohne jegliches Symptom verlief. Die Forscher hatten acht unterschiedliche Symptome abgefragt, darunter Fieber über 38°C, Atemnot, Halsschmerzen und Verlust von Geruchs- oder Geschmackssinn. Die große Mehrheit der Seropositiven berichtete demnach mindestens von einem Symptom. „Symptombezogene Testungen sind also sinnvoll“, betonte Studienleiterin Dr. Claudia Santos-Hövener vom RKI.

Aufschlussreich sei auch, was die Studie über die Bildung von Antikörpern aussagt: Bei fast 40 Prozent der Erwachsenen mit positiven Test konnten laut Eigenantworten im Fragebogen keine Antikörper nachgewiesen werden. „Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass keine Immunisierung besteht“, betonen die Forscher. Santos-Hövener gab zudem zu Bedenken, dass sich dieses Ergebnis auf die Selbstangaben von nur 42 Personen beziehe.

Für die Studie hatte ein Team des RKI in Bad Feilnbach vom 23. Juni bis zum 4. Juli bei rund 2100 Erwachsenen einen Rachenabstrich und eine Blutentnahme für serologische Untersuchungen vorgenommen. Zusätzlich wurde eine Befragung durchgeführt, bei der es unter anderem um klinische Symptome, Vorerkrankungen und Gesundheitsverhalten ging. (Mitarbeit bae)

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