COVID-19

Neue Corona-Studien: Erfolgreiche Infektionskontrolle an Unis in Taiwan

Zu COVID-19 werden jeden Tag zig Arbeiten publiziert. Manche mit fraglicher Qualität oder unklarer klinischer Relevanz. Andere wieder mit wichtigen Erkenntnissen. Eine Auswahl jüngster Studienergebnisse.

Von Denis Nößler und Wolfgang Geissel und Anne Bäurle Veröffentlicht: 01.07.2020, 13:10 Uhr
Neue Corona-Studien: Erfolgreiche Infektionskontrolle an Unis in Taiwan

In Taiwan wurden Hochschulen nie geschlossen, trotzdem hat es dort nur sieben bestätigte Infektionen gegeben (Symbolbild).

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Update vom 3. Juli

Das erfolgreiche Management von Corona-Risiken an Universitäten in Taiwan haben Ärzte um Professor Shao-Yi Cheng von der National Taiwan University vorgestellt (Ann Intern Med 2020; online 2. Juni). Wegen des regen Reiseverkehrs zwischen Taiwan und China hatte es bereits im Januar erste Kontrollmaßnahmen gegeben, die immer weiter verfeinert wurden. Bis zum 18. Juni waren in dem Land nach Angaben der Ärzte insgesamt nur 446 bestätigte Erkrankungen und sieben Todesfälle registriert worden, in den 67 Tagen bis zu dem Stichtag sogar überhaupt kein Fall mehr. Die Hochschulen des Landes wurden nie geschlossen. Ein besonderes Risiko war der rege akademische Austausch zwischen China und Taiwan: Fast jeder Vierte der 1,2 Millionen Auslandsstudenten an den Colleges und Universitäten des Landes kommt aus der Volksrepublik. Das Bildungsministerium von Taiwan hatte daher bereits am 26. Februar eine Präventions-Leitlinie für Hochschulen herausgegeben, die vor allem auch auf Maßnahmen in den Wohnheimen mit bis zu vier Studenten pro Zimmer abzielten. Damit ließ sich die Infektionsrate bis Mitte Juni auf nur sieben Corona-Fälle an sechs Hochschulen begrenzen.

Update vom 2. Juli

COVID-19-Patienten mit mildem oder asymptomatischen Verlauf, bei denen keine Antikörper nachzuweisen sind, könnten durch eine T-Zell-Antwort dennoch vor einer zweiten Infektion mit SARS-CoV-2 geschützt sein. Forscher vermuten daher, dass mehr Menschen gegen SARS-CoV-2 immun sein könnten, als es Antikörper-Tests derzeit vermuten lassen. Die Daten wurden bisher nicht publiziert und sind auf dem Pre-Print Server bioRxiv veröffentlicht. An der Studie nahmen über 200 Probanden teil, unter ihnen Menschen mit und ohne Exposition mit einem COVID-19-Erkrankten, sowie Patienten, die akut an COVID-19 erkrankt waren oder die Infektion bereits überstanden hatten. Eine T-Zell-Antwort mit SARS-CoV-2-spezifischen CD4+- und CD8+-T-Zellen stellten die Wissenschaftler sowohl bei Antikörper-positiven als auch bei Antikörper-negativen Studienteilnehmern mit milden oder asymptomatischen Verlauf fest (bioRxiv, online 29. Juni).

Eine Behandlung mit Colchicin hat in der randomisierten Studie GRECCO-19 die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten einen schweren COVID-19-Verlauf entwickeln, signifikant verringert. Angesichts der absoluten Zahlen ist allerdings Zurückhaltung angebracht. Letztlich waren es nämlich nur sieben Patienten in der Kontrollgruppe und ein Patient im Therapiearm, deren Zustand sich im Studienverlauf derart verschlechterte, dass sie mit Sauerstoff versorgt oder künstlich beatmet werden mussten oder an der Infektion verstarben (JAMA Netw Open; 2020;3(6):e2013136). (vsc)

Update vom 1. Juli

Ermutigende klinische Daten zum Impfstoffkandidaten BNT162b1 haben Pfizer und BioNTech vorgestellt. Nach ersten vorläufigen Ergebnissen aus einer Phase-1/2-Studie mit 45 Probanden in den USA ist die mRNA-Vakzine immunogen. Je 12 Probanden waren dabei binnen drei Wochen zweimal je 10 oder 30 μg Impfstoff injiziert worden. Die Titer der induzierten Antikörper hätten dabei gleichauf oder oberhalb von Werten in Rekonvaleszenz-Seren gelegen, teilten die Unternehmen mit. Unerwünschte Wirkungen seien milde bis moderate lokale und systemische Reaktionen gewesen. BNT162b1 kodiert für ein optimiertes Antigen der Rezeptor-Bindungs-Domäne von SARS-CoV-2 (einem Teil des Spike-Proteins). Er ist der am weitesten fortgeschrittene von vier klinischen Impfstoffkandidaten der Unternehmen (MedRxiv 2020; online 1. Juli).

Die Kombination Lopinavir/Ritonavir zeigt wohl keine Wirkung, teilt die Universität Oxford mit. Entsprechende Daten der RECOVERY-Studie, die unter dem Dach der WHO durchgeführt wird, sind derzeit aber noch nicht publiziert. In der Studie wurden 1596 COVID-19-Patienten mit der HIV-Arznei Lopinavir/Ritonavir behandelt, 3376 erhielten die Standardtherapie. 4 Prozent der Patienten mussten beatmet werden, 70 Prozent benötigten eine Sauerstoffgabe über eine Maske, 26 Prozent benötigten keine der beiden Therapien. Im Bezug auf den primären Endpunkt der Studie (Mortalität innerhalb von 28 Tagen nach Therapiebeginn) ergab sich mit Lopinavir/Ritonavir kein positiver Effekt, berichtet die Universität. Zudem konnte die Kombination das Fortschreiten von COVID-19 nicht verhindern. Auch zu Hydroxychloroquin, das ebenfalls von der WHO als Therapieoption bei COVID-19 geprüft wird, gebe es bisher keine positiven Daten zur Wirkdsamkeit, erinnert die Universität. „Weder Hydroxychloroquin noch Lopinavir/Ritonavir scheinen die Überlebensrate bei COVID-19 zu verbessern“, wird Studienleiter Professor Peter Horby von der Universität Oxford zitiert. Allerdings wird in Großbritannien der „COPCOV Trial“ zur Prävention mit Chloroquin und Hydroxychloroquin weitergeführt. 40.000 Probanden in medizinischen Berufen nehmen teil, wie nationale Medien berichtet (Universität Oxford, online 29. Juni, BBC-Meldung vom 30. Juni).

Update vom 30. Juni

Für Chirurgen besteht bei einer Bauch-Op wohl kein erhöhtes Infektionsrisiko. Mit diesem Thema haben sich französische Wissenschaftler in einer kleinen Fallserie mit sieben COVID-19-Patienten beschäftigt. Bei keinem der COVID-19-Patienten, bei dem die Ärzte vor und nach dem Abdominaleingriff Peritonealflüssigkeit entnommen hatten, war in der PCR SARS-CoV-2 nachzuweisen. Das Virus schien demnach weder über die Darmwand noch etwa auf systemischem Weg über die Lunge in die Bauchhöhle gelangt zu sein. Den Ärzten zufolge scheint damit die Ansteckungsgefahr für Chirurgen bei bauchchirurgischen Eingriffen geringer als befürchtet. Das gelte möglicherweise auch für die Gefahr einer Infektion über intraabdominell gebildete Aerosole. Vor allem Laparoskopien werden diesbezüglich als riskant erachtet, da das Aufblasen des Bauchraums mit Kohlendioxid theoretisch die Bildung virushaltiger Aerosole begünstigt (Surgery 2020; online 5. Juni). (eo)

Wirkt sich Vitamin-D-Mangel bei COVID-19 ungünstig auf den Verlauf aus? Das berichtet zumindest ein Ernährungsmediziner der Universität Hohenheim, der 30 Studien ausgewertet und ein Vitamin-D-Defizit als möglichen Indikator für den Schweregrad und die Mortalität bei COVID-19 identifiziert haben will. Wichtig zu erwähnen ist aber auch: Die Studie wurde von der Society of Nutrition and Food Science (SNFS) finanziell unterstützt und ist im NFS Journal, der wissenschaftlichen Zeitschrift der Fachgesellschaft, erschienen. Die SNFS hat zudem die Publikationskosten übernommen. Als Fazit zieht Studienautor Professor Hans-Konrad Biesalski auch nicht die Tatsache, dass Vitamin D als Medikament infrage kommt. Auch auf gut Glück Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, empfiehlt er nicht. „Im Zweifelsfall ist das zu wenig, um einen wirklich schlechten Vitamin-D-Status kurzfristig zu verbessern“, berichtet er in einer Mitteilung der Universität Hohenheim. Biesalski rät aber dazu, gerade bei älteren COVID-19-Patienten und solchen mit Vorerkrankungen den Vitamin-D-Spiegel im Auge zu behalten und ein mögliches Defizit zu behandeln (NFS Journal 2020; 20:10-21).

Update vom 29. Juni

Bei HIV-Patienten hängt das Risiko für eine schwere COVID-19 auch von der Art der antiretroviralen Therapie (ART) ab, berichten Forscher vom spanischen Gesundheitsministerium. Sie haben bei den 77.590 HIV-positiven Menschen mit antiviraler Therapie (ART) in Spanien die Raten von PCR-bestätigter COVID-19 und schwerem Verlauf analysiert. Von Anfang Februar bis Mitte April waren unter den HIV-Infizierten insgesamt 236 an COVID-19 erkrankt; 151 von ihnen wurden stationär behandelt und 15 davon auf der Intensivstation; 20 sind gestorben. Dies entspricht einer Rate von 17,8 Fällen von COVID-19 mit stationärer Therapie pro 10.000 HIV-Patienten (bereinigt von Störfaktoren). Bezogen jeweils auf 10.000 HIV-Patienten waren es bei ART mit:

  • Tenofovir Alafenamid (TAF) plus Emtricitabin (FTC) 20,3 Fälle,
  • bei Tenofovir Disoproxil Fumarat (TDF) plus FTC 10,5 Fälle,
  • bei Abacavir (ABC) plus Lamivudin (3TC) 23,4 Fälle,
  • und bei anderen Regimen 20 Fälle.

Kein Patient mit TDF/FTC kam auf die Intensivstation oder ist gestorben (Ann Int Med 2020; online 26. Juni).

Update vom 26. Juni

Die Sensitivität von Antikörpertests nach einer COVID-19 hängt vom Zeitpunkt des Tests ab, hat eine Analyse von Cochrane-Forschern bestätigt. Danach sind in der ersten Woche nach Beginn der Symptome die Titer noch zu niedrig für ein Ergebnis, 8 bis 14 Tage danach werden 70 Prozent der Betroffenen korrekt identifiziert und nach 15 bis 35 Tagen liegt die Trefferquote über 90 Prozent. Für längere Zeiträume gebe es noch zu wenig Studiendaten, so die Forscher. Nur 1 bis 2 Prozent der Tests sind nach der Analyse falsch positiv. Die Cochrane-Autoren geben ein Beispiel: Wenn 200 von 1000 Personen tatsächlich COVID-19 hatten, würden 193 Personen positiv getestet, aber 10 (5 Prozent) wären falsch positiv, und 807 Personen negativ getestet, aber 17 (2 Prozent) wären falsch negativ. Je häufiger COVID-19 in einer Population vorkommt, desto mehr falsch-negative und weniger falsch-positive Ergebnisse sind zu erwarten (Cochrane Database Sys Rev 2020; 6: CD013652).

Bei Kindern und Jugendlichen verläuft COVID-19 in der Regel mild und Komplikationen und Todesfälle sind sehr selten. Das bestätigt die Analyse des Krankheitsverlaufs von 582 betroffenen 3- bis 18-Jährigen aus 25 europäischen Ländern. Alle Patienten waren im April positiv getestet und ärztlich behandelt worden, 62 Prozent davon stationär und 8 Prozent auf der Intensivstation. Es gab vier Todesfälle, zwei Betroffene hatten Grunderkrankungen und alle waren älter als 10 Jahre. Bei den Symptomen dominierte Fieber (65 Prozent), gefolgt von oberen Atemwegsinfektionen (54 Prozent) und Pneumonie (25 Prozent) sowie gastrointestinale Symptom (22 Prozent). Etwa jedes sechste Kind (16 Prozent) hatte überhaupt keine Symptome und war als Kontaktperson getestet worden (Lancet Child Adolesc Health 2020; online 25. Juni).

Update vom 25. Juni

Fast jeder Zweite in Ischgl hat Antikörper. In einer großen Studie im Tiroler Skiort Ischgl haben Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck eine SARS-CoV-2-Antikörper-Prävalenz von 42,4 Prozent ermittelt. Für die Untersuchung vom 21. bis 27. April konnten die Virologen und Epidemiologen 1473 Probanden rekrutieren. Das sind den Angaben der Uni von Donnerstag zufolge 79 Prozent der Bevölkerung Ischgls. Die Seroprävalenz liege damit etwa sechs Mal höher als die Prävalenz durch PCR-Nachweise. Bei Kindern liege die Rate sogar zehn Mal höher. Ischgl galt zu Beginn der Pandemie als einer der großen Hotspots in Europa und wird mit zahlreichen frühen Clustern in Deutschland in Verbindung gebracht.

Absolut drei Prozent weniger Todesfälle unter Dexamethason. Die Autoren der britischen RECOVERY-Studie haben jetzt zentrale Ergebnisse ihrer Untersuchung von Dexamethason bei COVID-19 publiziert. In dem noch unbegutachteten Preprint bestätigen sie in weiten Teilen ihre Ergebnisse, die sie vergangene Woche per Pressemitteilung veröffentlicht hatten. Danach war die 28-Tages-Mortalität im Dexamethason-Arm für alle Patienten signifikant niedriger als unter Standardtherapie (21,6 vs. 24,6 Prozent). Die absolute Risikoreduktion beträgt damit drei Prozent, die relative Reduktion 17 Prozent (altersadjustiertes Verhältnis 0,83; 95% CI 0,74–0,92; p<0,001). Am deutlichsten war die relative Risikoreduktion bei mechanisch beatmeten Patienten (RR 0,65). Bei Patienten mit nicht-invasiver Sauerstoffgabe lag das Verhältnis des Sterberisikos bei 0,80 zugunsten von Dexamethason. Die Unterschiede waren signifikant (medRxiv 2020.06.22.20137273).

Höhere Morbidität könnte COVID-19 auf der Südhalbkugel begünstigen. Obwohl die Bevölkerungen in Ländern der Südhalbkugel jünger sind als in Ländern Europas, grassiert die Corona-Pandemie dort teils schlimmer. Demografen aus Rostock wollen dafür die höhere Rate von Vorerkrankungen vor allem bei jungen Erwachsenen als möglichen Grund ausgemacht haben. So ist etwa die Prävalenz kardiovaskulärer Erkrankungen, von Nierenleiden sowie COPD selbst bei Jüngeren in Brasilien deutlich höher als etwa in Italien. Brasilien zählt bis dato rund 1,9 Millionen SARS-CoV-2-Infektionen (PNAS 2020; 117 (25): 13881–13883).

Forscher verlangen Rücknahme von Masken-Studie. Die Arbeit texanischer Autoren (PNAS 2020; online 11. Juni) basiere auf „leicht falsifizierbaren Behauptungen und methodischer Konstruktionsfehler“, kritisieren Wissenschaftler an die Herausgeber der „Proceedings of the National Acamady of Sciences“ (PNAS). In der Arbeit hatten die Forscher behauptet, Gesichtsschutz sei wirksamer als physische Distanzierung. Für ihre Berechnungen, so die Kritik, sollen sie aber viele andere Effekte nicht berücksichtigt haben.

Update vom 23. Juni

In einer Kohorte mit 632 ambulant versorgten COVID-19-Patienten trat die virologische Remission (zweifach negativer PCR-Test) im Mittel erst nach 20,1 Tagen (± 7,7 Tage) ein. Alle Patienten in dieser Kohorte in Südkorea waren entweder asymptomatisch oder hatten nur milde Verläufe. Sie wurden in sogenannten „Community Treatment Centers“ (CTC) isoliert. Diese Zentren wurden zu Beginn der Pandemie errichtet, um die Krankenhäuser zu entlasten und für klinisch schwere Fälle freizuhalten. Beinahe jeder fünfte Patient musste vier Wochen lang in Isolation bleiben. Die Periode bis zum negativen PCR-Nachweis war den Autoren zufolge bei symptomatischen Patienten länger als bei asymptomatischen. Bei solchen mit nur milder Symptomatik war SARS-CoV-2 im Mittel 11,7 Tage (± 8,2 Tage) nach Symptombeginn nicht mehr nachweisbar. Nur drei Prozent der Patienten mussten während ihrer Isolation in ein Krankenhaus eingewiesen werden (Emerg Infect Dis 2020; online 22. Juni).

Die Virionen des SARS-Coronavirus-2 könnten mehr als einen halben Tag in Aerosol intakt und somit infektiös bleiben. Darauf deutet ein sehr kleines Experiment von US-Forschern, die die Aerosoleffizienz des neuen Coronavirus mit der von SARS und MERS verglichen haben. In ihren Versuchen war der sogenannte „Spray Factor“ gemessen als Plaque-bildende Einheiten je Liter (PFU/L) für SARS-CoV-2 höher als bei den anderen beiden Coronaviren. In einem Versuch soll das Virus auch noch 16 Stunden gewesen sein, soll jedenfalls der Anteil der Virusgenomkopien über diese Zeit nicht deutlich abgenommen haben (Emerg Infect Dis 2020; online 22. Juni).

Der N-Terminus des Spike-Proteins aus dem Coronavirus SARS-CoV-2 könnte womöglich ein therapeutischer Angriffspunkt gegen COVID-19 sein. Mit dem Protein bindet das Virus an den ACE2-Rezeptor der Wirtszelle. Forscher aus China haben nun aus Rekonvaleszentensera monoklonale Antikörper isoliert, von denen drei neutralisierend gegen SARS-CoV-2 wirken. Bei einem – 4A8 – zeigte sich ein hohes neutralisierendes Potenzial. 4A8 bindet den Autoren zufolge allerdings nicht an das gesamte Spikeprotein (die rezeptorbindende Domäne des), sondern nur an dessen N-terminale Region (Science 2020; eabc6952).

Update vom 19. Juni

Bei älteren Kindern lassen sich häufiger Antikörper gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 nachweisen als bei jüngeren – das ist das Zwischenfazit einer Studie des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Bei 36 von 2436 getesteten Kindern seien Antikörper im Blut gefunden worden, sagte die Pädiaterin und Direktorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKE, Professor Ania C. Muntau, am Freitag zu der vorläufigen Auswertung der Studie C19.CHILD. Bei Kindern in der Altersgruppe von 0 bis 9 Jahren ergab sich den Angaben zufolge bei einem Prozent ein positiver Antikörper-Nachweis, in der Altersgruppe der Zehn- bis 18-Jährigen waren es zwei Prozent. Der Unterschied sei statistisch signifikant.

Ein internationales Forscherteam hat Antikörper gegen das SARS-Virus aus dem Jahr 2003 identifiziert, die SARS-CoV-2 neutralisieren können sollen. Der Patient war 2003 mit dem damaligen SARS-CoV infiziert. Aus seinem Serum haben sie Antikörper von B-Gedächtniszellen isoliert. Einer – S309 – soll den Angaben zufolge an das Spikeprotein von SARS-CoV-2 binden und so eine potente neutralisierende Wirkung haben. Den Autoren zufolge könnten Antikörpercocktails mit S309 die neutralisierende Wirkung verbessern (Nature 2020; online 18. Juni).

In einer kleinen Fallserie am Lurie Children’s Hospital in Chicago zeigten 18 Neugeborene im Alter von bis zu 90 Tagen trotz positiven RT-RCR-Tests auf SARS-CoV-2 keine respiratorischen Symptome. Die Hälfte der Kinder (neun) wurde stationär zu Beobachtung aufgenommen, keines brauchte intensivmedizinische Betreuung oder eine Beatmung. Die meisten hatten Fieber (acht) und gastrointestinale Symptome (sechs). Nur vier Kinder hatten Husten oder eine Tachypnoe. Die Autoren bezeichneten die Patienten als „gesund“. Die Ct-Werte (cycle threshold) bei der PCR-Diagnostik waren bei den meisten Kindern relativ niedrig (3–6,58), was den Autoren zufolge für hohe Viruslasten spricht (J Ped 2020; online 17. Juni).

Update vom 18. Juni

SARS-CoV-2-Infizierte mit inapparentem Verlauf könnten eine schwächere Immunantwort auf die Virusinfektion haben. Darauf deuten Ergebnisse einer kleinen Fallserie von 37 Personen in Wanzhou in China. Bei ihnen wurden die Viren deutlich länger nachweisbar als bei symptomatischen Patienten (19 vs. 14 Tage). Auch waren bei ihnen während der akuten Infektionsphase die IgG-Spiegel deutlich niedriger (medianes Signal/Cut-off-Verhältnis 3,4 vs. 20,5). In der frühen Rekonvaleszenzphase wurden 40 Prozent der inapparent Infizierten seronegativ, während es unter den Patienten mit klinischen Symptomen nur 12,9 Prozent waren. Auch sanken die Spiegel neutralisierender Antikörper bei mehr asymptomatisch als bei symptomatisch Infizierten binnen acht Wochen ab (81,1 vs. 62,2 Prozent) (Nat Med 2020; online 18. Juni).

Der Alter als unabhängiger Risikofaktor bei SARS-CoV-2-Infektionen könnte sich auch auf die Gefahr einer Ansteckung im Haushalt auswirken. In einem statistischen Transmissionsmodell aus der frühen Pandemiephase Anfang des Jahres im chinesischen Guangzhou haben Modellierer ein erhöhtes Risiko für Infektionen bei Menschen ab 60 ermittelt. Die sekundäre Attackrate in Familienhaushalten errechneten die Epidemiologen dort mit im Mittel 17,1 Prozent. In einer siebenköpfigen Familie würde ein Infizierter somit rechnerisch eine weitere Person infizieren. Das Risiko steigt jedoch mit dem Alter: Für Unter-20-Jährigen lag die Rate bei 5,2 Prozent, für 20- bis 59-Jährige bei 14,8 Prozent und für Personen ab 60 bei 18,4 Prozent (The Lancet 2020; online 17. Juni).

Die Behandlung mit dem Tyrosinkinasehemmer Ruxolitinib hat unmittelbar den Zustand einer 65-Jährigen mit akutem Lungenversagen (ARDS) durch COVID-19 deutlich gebessert, berichten Mediziner vom Uniklinkum Marburg. Weil das Mittel Enzyme im Körper hemmt, die an einer überschießenden Entzündungsreaktionen beteiligt sind, haben die Ärzte es versuchsweise gegen den für schwere COVID-19 typischen Zytokinsturm eingesetzt. In Folge stabilisierten sich das klinische Bild sowie die Atmung und die Herzfunktion der Patientin. Ab dem zehnten Tag konnte sie schrittweise vom Beatmungsgerät entwöhnt werden. Nach Erfolgen bei weiteren Patienten soll Ruxolitinib jetzt gegen Lungenversagen bei COVID-19 in einer klinischen Studie geprüft werden (Leukemia 2020; online 17. Juni).

Eine internationale Forschergruppe hat die kompletten Genome von etwa 1600 COVID-19 Patienten mit Lungenversagen aus Spanien und Italien sowie von 2300 Kontrollpersonen unter die Lupe genommen. Gesucht wurden Assoziationen bestimmter Gene mit dem schweren Erkrankungsverlauf. 8,5 Millionen Genvarianten wurden dazu analysiert. Ein schwerer Verlauf trat dabei besonders häufig im Zusammenhang mit einem bestimmten Gen-Cluster auf (3p21.31). Daraus ermittelten die Forscher ein höheres Risiko für Träger der Blutgruppe A und ein geringeres für Träger der Gruppe 0.Bereits frühere Studien (siehe unten) hatten einen solchen Zusammenhang von schwerem Erkrankungsverlauf mit Genen aus dem ABO-Blutgruppensystem ergeben. Solche Assoziationen könnten vielleicht in Risiko-Scores Verwendung finden (NEJM 2020; online 17. Juni).

Die Weltgesundheitsorganisation hat den Studienarm mit Hydroxychloroquin in der SOLIDARITY-Studie gestoppt. Es würden keine neuen Probanden aufgenommen, bei bereits aufgenommenen Patienten könne die HCQ-Gabe in Absprache mit den Studienärzten gestoppt werden. Hintergrund ist den Angaben von Donnerstagabend zufolge neue Evidenz unter anderem aus dieser Studie aber auch aus RECOVERY und einem Cochrane-Review. Danach gebe es gegenüber der Standardtherapie bislang keine Hinweise auf einen Überlebensvorteil. In weiteren SOLIDARITY-Armen werden außerdem Remdesivir, Lopinavir/Ritonavir und Interferon-β1a untersucht. Derweil hat das „American College of Physicians“ Ärzte aufgefordert, Chloroquin oder HCQ weder zur Prophylaxe noch zur Therapie einzusetzen. Die Gabe könne höchstens im Rahmen klinischer Studien erwogen werden. Die Autoren hatten sechs neue Beobachtungsstudien ausgewertet, in denen HCQ und Chloroquin alleine oder Kombination bei COVID-19 untersucht wurden. Danach gebe es bislang keine Anhaltspunkte für einen Nutzen des Malariamedikaments bei COVID-19, jedoch bekannte potenziell schädliche Wirkungen (Ann Int Med 2020; online 17. Juni).

Update vom 17. Juni

In einem mathematischen Modell der britischen „CMMID COVID-19“-Arbeitsgruppe reduzierten Massentest der Bevölkerung die Reproduktionsrate weniger als eine Kombination aus Selbstisolierung und Kontaktnachverfolgung (Tracing). Würden wöchentlich fünf Prozent der Bevölkerung (in Großbritannien wären das 3,3 Millionen Menschen) getestet, würde nach diesem Modell die effektive Reproduktionsrate Reff nur um zwei Prozent sinken (von 2,6 auf 2,5). Durch die Kombination von Selbstisolierung Infizierter mit Quarantäne des gesamten Haushalts und einer manuellen Nachverfolgung aller Kontaktpersonen ließe sich Reff hingegen um 64 Prozent auf 0,94 senken. Die Verwendung einer Tracing-App, wie sie seit Dienstag auch in Deutschland verwendet wird, war in dem Modell hingegen weniger effektiv als die manuelle Nachverfolgung etwa durch Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern. Würden 53 Prozent aller Briten eine solche App verwenden, würde dies in Kombination mit den anderen Maßnahmen Reff „nur“ um 47 Prozent auf 1,4 senken, die Inzidenz mithin weiter zunehmen. In Großbritannien ist eine solche App bislang nicht verfügbar. Die Forscher gaben an, dass ihr Modell zwar plausible aber optimistische Annahmen enthalte (The Lancet 2020; online 16. Juni).

In einer kleinen Studie aus Vietnam konnte SARS-CoV-2 mittels Next Generation Sequencing (NGS) detektiert werden. Bei acht erwachsenen Patienten mit PCR-bestätigter SARS-CoV-2-Infektion, darunter zwei asymptomatische Patienten, fanden die Forscher SARS-CoV-2-Gensequenzen. Die Abdeckung des detektierten Genoms schwankte jedoch erheblich zwischen drei und 87 Prozent. Die Forscher vermuten, Metagenomics könnte in Zukunft bei Pandemien ein wichtiges diagnostisches Werkzeug werden. Denn in ihrem Versuch konnten sie gleichzeitig auch auf andere Pathogene untersuchen: Nur bei einem der acht Patienten fanden die Forscher Erbgut von Rhinoviren. (J Inf 2020; online 17. Juni).

Die Einführung der Maskenpflicht in den 15 US-Bundesstaaten und dem District of Columbia (DC) soll den Anstieg der COVID-19-Fallzahlen um bis zu zwei Prozentpunkte gesenkt haben. Das wollen Gesundheitsökonomen aus Iowa in einem Modell ermittelt haben. Die Bundesstaaten hatten entsprechende Auflagen zwischen dem 8. April und 15. Mai erlassen. Der Berechnung zufolge könnte dadurch der Anstieg der Fallzahlen schrittweise reduziert worden sein – von -0,9 Prozentpunkten in den ersten fünf Tagen auf -2 Prozentpunkte ab dem 21. Tag nach Einführung der Maskenpflicht (Health Affairs 2020; online 16. Juni).

Update vom 16. Juni

In der britischen RECOVERY-Studie konnte die Steroidgabe (6 mg/d i.v. oder p.o.) laut Angaben der Studienleiter vom Dienstag das Sterberisiko senken. Bei beatmeten COVID-19-Patienten lag es unter dem Steroid ein Drittel niedriger als unter der Standardtherapie (RR 0,65; 95% CI 0,48–0,88). Bei Patienten mit O2-Gabe war das Risiko unter Dexamethason um ein Fünftel reduziert (RR 0,88; 95% CI 0,67–0,96). Bei Patienten ohne Atemunterstützung war das Risiko hingegen nominell, aber nicht signifikant erhöht (RR 1,22; 95% CI 0,86–1,75). In der RECOVERY-Studie mit mittlerweile über 11.500 Patienten aus 175 NHS-Kliniken in Großbritannien waren 2104 randomisiert in den Dexamethason-Arm aufgenommen worden. Die Steroidgabe war mit zehn Tagen angesetzt. Im Vergleichsarm mit der Standardtherapie wurden randomisiert 4321 Patienten aufgenommen. Unter Standardtherapie war die 28-Tages-Sterblichkeit bei beatmeten Patienten mit 41 Prozent am höchsten. Unter O2-Gabe betrug sie 25 Prozent, bei Patienten ohne Atemunterstützung 13 Prozent. Nach dieser ersten Auswertung geben die Autoren die Number Needed to Treat (NNT), um unter Dexamethason einen Todesfall zu verhindern, mit 8 (für die beatmeten Patienten) und mit 25 für alle COVID-19-Patienten mit Sauerstoffgabe an.

In einem altersbasierten Transmissionsmodell von Forschern der britischen „CMMID COVID-19“-Arbeitsgruppe sind Personen unter 20 nur halb so empfänglich für eine SARS-CoV-2-Infektion wie solche ab 20. Klinische Symptome entwickelte nach einer Infektion bei den Zehn- bis 19-Jährigen nur jeder Fünfte (21 Prozent), während es bei den Über-70-Jährigen 69 Prozent waren. Basierend auf ihrem Modell mit Daten aus sechs Ländern war die Zahl stationärer COVID-19-Fälle bezogen auf die Einwohnergröße höher in Städten mit älterer Bevölkerung (Nat Med 2020; online 16. Juni).

22 Prozent der Weltbevölkerung bzw. 1,7 Milliarden Menschen könnte mindestens eine Erkrankung haben, die ihr Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf erhöht. Das wollen Forscher der britischen „CMMID COVID-19“-Arbeitsgruppe errechnet haben. 4,5 Prozent der Weltbevölkerung würden dieser Berechnung zufolge infolge einer Infektion mutmaßlich hospitalisiert werden müssen. Für Europäer sehen die Forscher deutlich höhere Risiken als für Menschen in Afrika (The Lancet 2020; online 15. Juni).

Rurale Regionen außerhalb der großen Ballungszentren könnten in den USA am stärksten von einer Ausbreitung der Pandemie betroffen sein. Das zeigt ein SEIR-Modell (Suszeptible, Exponierte, Infektiöse, Recovered) von Forschern von der Princeton University in New Jersey. Für ihre Simulation haben die Forscher eine Prävalenz von 20 Prozent angenommen. Derzeit liegt sie nach den bestätigten Fallzahlen bei 6,4 Promille. In Studien schätzen Forscher wegen der asymptomatischen und undetektierten Fälle jedoch, dass die Prävalenz um den Faktor vier bis acht höher liegen könnte zwischen (Nat Med 2020; online 16. Juni).

Das Antidepressivum Fluoxetin hat in einem Laborversuch Würzburger Forscher die Replikation von SARS-CoV-2 reduziert. In Verozellen, die mit Virusisolaten von COVID-19-Patienten infiziert worden waren, hemmte die Gabe einer therapeutischen Dosis des SSRI (0,8 μg) die Replikation signifikant. Die mittlere effektive Dosis (EC50) gaben die Forscher mit 2,5 ng/ml an. Da in dem Versuch Paroxetin oder Escitalopram keine Wirkung zeigten, vermuten die Forscher einen direkten Effekt auf das Virus. Im Immunofluoreszenztest mit Patientenantiserum fanden die Wissenschaftler nach eigenen Angaben einen Effekt auf die Genregulation (bioRxiv 2020.06.14.150490).

Update vom 15. Juni

Auf dem in Japan festliegenden Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ hatten von den 712 Corona-Infizierten (positiver PCR-Test) 410 keine Symptome, die Meisten von ihnen blieben symptomlos. Die Analyse bei 90 Betroffenen an der „Fujita Health University“ in Aichi (Japan) ergab: Bis zur zweimal mit PCR bestätigten Virusfreiheit dauerte es bei 48 Prozent acht Tage und bei 90 Prozent 15 Tage. Je älter die Betroffenen waren, desto länger blieben sie Virusträger: Ab dem Alter von 36 Jahren verlängerte sich die Dauer bis zum Alter von 68 Jahren im Schnitt um 4,4 Tage (NEJM 2020, online 12. Juni).

Viele Corona-Patienten haben neurologische Symptome wie Kopfweh, Bewusstseinsstörungen und Anosmie. Die Hirn-Autopsie von 18 Gestorbenen am „Brigham and Women’s Hospital“ in Boston (USA) ergab akute hypoxische Hirnschäden im Cerebrum und Cerebellum mit Neuronenverlust im cerebralen Cortex, Hippocampus und im Stratum purkinjense. Thrombi oder Vaskulitis wurden nicht gefunden. Foci perivaskulärer Lymphozyten fanden sich bei zwei Gestorbenen und leptomeningeale Inflammation bei einem. Die Riechkolben waren pathologisch unauffällig. Geringe Mengen von Virus-RNA im Hirn wurden bei fünf Gestorbenen belegt (NEJM 2020; online 12. Juni).

Die Menge des verkauften Toilettenpapiers hat sich zu Beginn der Coronakrise zum Teil versiebenfacht, berichten Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Menschen mit starken Bedrohungsängsten sowie einem hohen Maß an Emotionalität und Gewissenhaftigkeit haben dabei eher Klopapier gehamstert als Menschen mit anderen Persönlichkeitsstrukturen, so die Forscher. Sie haben dazu Mitte März 1029 Erwachsene aus 35 Ländern einen Persönlichkeitstest machen lassen (Brief HEXACO Inventory). Weitere Ergebnisse: Ältere Menschen horteten mehr Toilettenpapier als jüngere Menschen und Amerikaner mehr als Europäer (PLOS ONE 2020, online 12. Juni).

Serologische Tests auf SARS-CoV-2-Antikörper könnten einer neuen Übersicht zufolge eine deutlich geringere Sensitivität haben als bei manchen Tests angegeben. Eine europäische Autorengruppe hat in einem Zufallseffektmodell eine Sensitivität für IgM von 82 Prozent und für IgG von 85 Prozent ermittelt. Die Spezifität war schätzen die Autoren auf 98 (IgM) und 99 Prozent (IgG). Bei einer Kohorte mit einer SARS-CoV-Prävalenz unter 6 Prozent läge der PPV somit nur bei 88 Prozent oder darunter (Euro Surveill. 2020;25(23):pii=2000980).

Update vom 12. Juni

Alleine der Schutz des Gesichts in der Öffentlichkeit soll schon maßgeblich zur Eindämmung der Pandemie beigetragen haben. Das wollen US-Forscher jedenfalls mit Blick auf die Ausbrüche in Wuhan, Italien und New York City ermittelt haben. In ihrer Trendanalyse anhand der Verläufe in diesen „Epizentren“ und dem Beginn diverser Interventionen sollen allein durch den Gesichtsschutz Tausende Neuinfektionen verhindert worden sein. Die Autoren sprechen von über 78.000 weniger Neuinfektionen zwischen Anfang April und Anfang Mai in Italien. In New York City sollen so über 66.000 Infektionen verhindert worden sein. Andere Maßnahmen, etwas die physische Distanzierung (social distancing) soll in den USA für sich genommen nur „insuffizient“ gewesen sein (PNAS 2020; online 11. Juni).

In einer Querschnittsstudie an vier Krankenhäusern in Wuhan schützte eine umfassende Ausrüstung Krankenhauspersonal vor SARS-CoV-2-Infektionen. Für die Mitarbeiter in Intensiv- und Normalstationen standen Masken, Schutzanzüge, Isolierkittel, Handschuhe, Augenschutz und Kopfbedeckung zur Verfügung. Die 430 Studienteilnehmer hatten Kontakt zu COVID-19-Patienten und waren aerosol-produzierenden Prozeduren ausgesetzt. Nach ihrem Einsatz hatte keiner einen positiven Nachweis auf SARS-CoV-2-Antikörper (IgM oder IgG) (BMJ 2020; 369: m2195).

Nur 34 Prozent aller Autoren wissenschaftlicher Arbeiten zu COVID-19 sind einer Analyse europäischer Forscher*innen zufolge Frauen. 29 Prozent aller Erstautoren waren weiblich. Bei den Letztautoren war der Anteil mit 26 Prozent noch niedriger (BMJ Glob Health. 2020;5(7):e002922).

Update vom 10. Juni

Bei weniger als einem Prozent von 914 Blutspendern in Hamburg haben Transfusionsmediziner SARS-CoV-2-Antikörper gefunden. Für die Untersuchung wurden Blutspenden aus April, Mai und Juni untersucht, wie das Uniklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) am Dienstag mitteilte.

Update vom 9. Juni

In einer Fallserie von 58 in Krankenhäusern in England behandelten Kindern mit COVID-19 fanden Forscher Unterschiede zu anderen pädiatrischen inflammatorischen Syndromen. Verglichen mit der Klassifikation früherer Kawasaki-Fälle waren die Kinder mit im Mittel neun Jahren älter. Auch fielen stärker erhöhte Entzündungsmarker auf, wie etwa CRP. Auffällig war der geringe Anteil positiver PCR-Tests: Nur 26 Prozent der Kinder hatten einen positiven Virusnachweis, was für späte Erkrankungsstadien sprechen könnte. Bei 87 Prozent lagen hingegen SARS-CoV-2-IgG-Nachweise vor; bei 78 Prozent wurde eine Infektion anamnestisch ermittelt (JAMA 2020; online 8. Juni).

In einer kontrollierten Studie mit zwölf Tieren zeigten nur die Tiere in der Placebo-Gruppe klinische Symptome von COVID-19. Die Tiere unter Remdesivir hatten im CT auch weniger Infiltrate und die Virustiter in der bronchoalveolären Lavage waren niedriger. Die Tiere wurden binnen zwölf Stunden nach Inokulation mit SARS-CoV-2 behandelt (Nature 2020; online 9. Juni). Derweil hat Gilead die bedingte Zulassung für Remdesivir in der EU beantragt.

Das schätzen zumindest Forscher aus Großbritannien, die die Auswirkungen der Lockdown-Maßnahmen auf die Pandemie modelliert haben. Untersucht haben sie elf Länder in Europa, darunter Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. Sie schätzen die Wirkungen der Maßnahmen als „groß“ ein, um die effektive Reproduktionszahl Rt auf unter 1 gesenkt zu haben (Nature 2020; online 8. Juni).

Ökonomen und Statistiker haben in einem ökonometrischen Modell errechnet, dass die Kombination verschiedener Lockdown-Maßnahmen Millionen zusätzlicher Coronafälle verhindert haben könnte. Für ihr Rechenmodell haben sie Daten und Maßnahmen in China, Südkorea, Italien, Iran, Frankreich und den USA betrachtet. Nach ihren Kalkulationen sollen durch das „Paket“ aller Maßnahmen in den sechs Ländern 62 Millionen zusätzliche bestätigte Fälle verhindert worden sein und 531 Millionen insgesamt mit dem Coronavirus Infizierte (Nature 2020; online 8. Juni).

Das wollen deutsche Ökonomen in einer vergleichenden Fallstudie herausgefunden haben. Darin haben sie Jena, wo sehr früh eine Maskenpflicht eingeführt wurde, mit anderen Regionen verglichen. Ihrer Berechnung zufolge könnten Masken binnen zehn Tagen zu zwischen 2,3 und 13 Prozent weniger Neuinfektionen geführt haben, als wenn keine Maskenpflicht eingeführt wäre (IZA DP No. 13319).

Der Coronaausbruch im Norden Kaliforniens könnte auf mehrere Einschleppungen zurückgehen. Forscher fanden bei der Analyse der Proben von 36 Patienten SARS-CoV-2-Stämme aus Europa, New York, China und dem US-Bundesstaat Washington (Science 2020; online 8. Juni).

Updates von Ende Mai und Anfang Juni

40 bis 45 Prozent aller SARS-CoV-2-Infektionen könnten asymptomatisch verlaufen. Zu diesem Ergebnis kommen Autoren eines unsystematischen, narrativen Reviews. Dafür haben sie die Daten verschiedener Kohorten in der Coronavirus-Pandemie untersucht. (Ann Int Med 2020; online 3. Juni).

Das teilten die Forscher der britischen Studie mit. Bei bislang 1542 Patienten war die 28-Tages-Mortalität bislang mit 1,11 nominell aber nicht signifikant höher. Neue Patienten würden nicht aufgenommen.

In einer Genanalyse von über 800 europäischen Coronapatienten fanden Forscher ein um 1,45-fach erhöhtes Risiko für eine Ateminsuffizienz bei Trägern der Blutgruppe A. Bei der Blutgruppe 0 war die Odds Ratio bei 0,65 (medRxiv 2020.05.31.20114991).

Forscher aus Harvard wollen ermittelt haben, dass das Coronavirus schon im Herbst 2019 in Wuhan aufgetreten sein könnte. Das leiten sie aus Auswertungen von Suchmaschinenabfragen und Satellitenbildern von Krankenhausparkplätzen ab.

In einer New Yorker Fallserie mit 1000 COVID-19-Patienten entwickelten 78 Prozent der Patienten auf der Intensivstation ein akutes Nierenversagen. 35,2 Prozent mussten an der Dialyse behandelt werden (BMJ 2020; 369: m1996).

In einer Untersuchung mittels Methoden der reversen Genetik fanden Wissenschaftler die höchste Infektiosität bei nasalen Epithelzellen. An diesen Zellen war der für das Coronavirus wichtige ACE2-Rezeptor am stärksten exprimiert. Der Gradient der Infektiosität war absteigend von proximalen zu distalen Epithelzellen. Dies könnte bestätigen, dass Infektionen mit SARS-CoV-2 ihren Ursprung mehr in den oberen als in den unteren Atemwegen nehmen. Zudem könnte die Nasenschleimhaut eine wichtigere Eintrittspforte spielen als die des Rachens. (Cell 2020; online 26. Mai).

In einer Kohortenanalyse mit Daten von Engländern aus der britischen „UK Biobank“-Studie war physische Inaktivität mit einem relativen Risiko von 1,32 für eine COVID-19-Erkrankung assoziiert. Adipositas ging mit einem relativen Risiko von 2,05 und Rauchen mit einem relativen Risiko von 1,42 einher. Bei Alkoholkonsum war das relative Risiko von 1,12 nicht signifikant erhöht (CI: 0,93–1,35). Die Lebensstilfaktoren werden in der „UK Biobank“-Studie mittels Fragebögen erhoben (Brain Behav Immun 2020; May 23. S0889-1591(20)30996-X).

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