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NRW

Telemedizin für bessere Versorgung von Inhaftierten

Nordrhein-Westfalen will mittels Telemedizin die Versorgung seiner Gefangenen optimieren und zukunftssicher machen.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Die Tristesse in deutschen Gefängnissen schlägt den Insassen immer mehr auf das Gemüt. In NRW sollen hier tele-psychiatrische Angebote Abhilfe schaffen.

Die Tristesse in deutschen Gefängnissen schlägt den Insassen immer mehr auf das Gemüt. In NRW sollen hier tele-psychiatrische Angebote Abhilfe schaffen.

© Andreas Hilger / stock.adobe.com

Düsseldorf. Nordrhein-Westfalen erprobt in sieben Justizvollzugsanstalten (JVA) gemeinsam mit dem Unternehmen Videoclinic.de die telemedizinische Versorgung der Gefangenen.

Wenn sich das auf 18 Monate angelegte Pilotprojekt bewährt, soll die Telemedizin in allen 36 Anstalten des Bundeslandes Einzug halten. Gerade angesichts der COVID-19-Pandemie biete die Digitalisierung viele Vorteile, sagte Landesjustizminister Peter Biesenbach (CDU) vor Journalisten in Düsseldorf.

„Eine neue Ära der ärztlichen Versorgung“

„Das Projekt überbrückt mithilfe moderner Technik gefahrlos die Distanz zwischen Arzt und Patient und wird die Justiz in Nordrhein-Westfalen in eine neue Ära der ärztlichen Versorgung führen“, ist er überzeugt. Die Ergänzung der bisherigen medizinischen Versorgung sei notwendig, weil es zum einen schwierig sei, Ärzte für die Arbeit in den JVA zu gewinnen.

Zum anderen seien die Ärzte, die sich in diesem Bereich engagieren, jeweils nur einige Stunden vor Ort. „Wir wollen aber medizinische Versorgung rund um die Uhr“, so Biesenbach.

Nach seiner Einschätzung werden sowohl die Gefangenen als auch die Bediensteten in den JVA von der Telemedizin profitieren. Zudem sparten die Anstalten Zeit und Personalressourcen. Die Gefangenen hätten rund um die Uhr Zugang zu einer hochwertigen Versorgung.

Ein weiteres Plus: Videoclinic.de bietet auch Sprechstunden in JVA an, in denen die Stellen im medizinischen Dienst bislang nicht nachbesetzt werden konnten. „Die Telemedizin schließt diese Lücke.“

Tele-Psychiatrie im Fokus

Eine Verbesserung der Situation verspricht sich der Minister vor allem im Bereich der psychischen Erkrankungen. Die Zahl der betroffenen Insassen nehme zu, die stationären Kapazitäten für ihre Versorgung seien begrenzt. Deshalb werde die ambulante Versorgung wichtiger. „Hier setzt die Tele-Psychiatrie an.“

Der Hamburger Dienstleister Videoclinic.de hat sich in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt. „Unsere Ärzte sind innerhalb von 12 bis 13 Sekunden 24 Stunden am Tag 365 Tage im Jahr erreichbar“, sagte Geschäftsführer Dr. Peter Merschitz. Videoclinic.de arbeitet mit rund 60 Ärzten zusammen, von denen 50 Allgemeinmediziner sind. Von dem Ärzte-Team abgedeckt werden auch die Fachrichtungen Dermatologie, Radiologie, Suchtmedizin, Psychotherapie und Psychiatrie.

Tele-Dermatoskop und Tele-Stethoskop

Die Ärzte arbeiteten leitlinienorientiert und evidenzbasiert, betonte der ärztliche Leiter des Unternehmens Professor Martin Scherer. „Wir versuchen, das Delta zwischen der Präsenzkonsultation und der Telemedizin so klein wie möglich zu halten“, sagte der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin.

In den JVA kommen neben der Videokamera bei Bedarf Geräte wie das Tele-Dermatoskop und das Tele-Stethoskop zum Einsatz. Zudem seien viele Anstalten mit EKG, Pulsoximetern und weiterer Medizintechnik ausgestattet, sagte Scherer.

„Mit allen diesen Dingen, unterstützt durch die Anamneseerhebung, erhalten wir ein relativ gutes Bild, das ärztliches Handeln vor Ort nicht immer überflüssig macht, aber in vielen Fällen“, fasste Scherer die bisherigen Erfahrungen mit der Telemedizin zusammen.

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