Corona-Winter

Unnötige Millionen-Ausgaben für Ungeimpfte

Eine Formulierung macht die Runde: Die „Pandemie der Ungeimpften“. Deren Folgekosten werden sich im Winter potenzieren, prognostizieren Gesundheitsökonomen. Hat sich die Bundesregierung vorschnell gegen eine Impfpflicht positioniert?

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Der Winter lässt nicht mehr lange auf sich warten – und die Pandemie ist noch nicht gegangen. Vor allem jüngere Ungeimpfte heizen das Infektionsgeschehen wieder an.

Der Winter lässt nicht mehr lange auf sich warten – und die Pandemie ist noch nicht gegangen. Vor allem jüngere Ungeimpfte heizen das Infektionsgeschehen wieder an.

© Frank Hoermann / SvenSimon / picture alliance

Kiel. Autoren des Kieler Instituts für Weltwirtschaft warnen angesichts der vergleichsweise niedrigen Corona-Impfquote in Deutschland vor drastisch steigenden stationären Versorgungskosten.

Kommenden Winter drohten wöchentliche Ausgaben in dreistelliger Millionenhöhe, die für Klinikbehandlungen ungeimpfter COVID-Patienten auszugeben wären. „Ausgaben“, so das Fazit der Autoren, „die vermeidbar wären, wenn die Impfquote höher läge“; laut Bundesgesundheitsministerium sind Stand 21. Oktober 66 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft.

Verschärfend komme hinzu, heißt es weiter, dass die Genesenenrate mit fünf Bevölkerungs-Prozent in Deutschland erheblich niedriger liege als in andern Ländern, in denen das Virus schlimmer gewütet hatte; dadurch wiege die niedrige Impfquote noch schwerer.

180 Millionen Euro die Woche bei Inzidenz 400

Die Berechnung des Instituts fußt auf bereits bekannten Zahlen der Monate August und September (31.-39 Kalenderwoche) sowie der Inzidenzprognose des RKI für den kommenden Winter: Danach betrug der Anteil Ungeimpfter in stationärer Behandlung im Mittel beider Monate knapp 85 Prozent.

Bei – laut AOK – durchschnittlichen Behandlungskosten je Fall von 10.200 Euro erreichten die wöchentlichen Gesamtausgaben in der fraglichen Zeit zunächst noch moderate 18 Millionen Euro (in Summe 160 Millionen).

Unter der Voraussetzung jedoch, dass sich im kommenden Winter die 7-Tage-Inzidenz-Erwartung des RKI (400 pro 100.000 Bundesbürger) bestätigt, dürften sich die wöchentlichen Ausgaben auf 180 Millionen Euro vervielfachen.

„Wir stehen vor dem ersten Winter, in dem das Infektionsgeschehen von der viel ansteckenderen Delta-Variante getrieben wird.

Sollte sich die Impfquote in Deutschland nicht rasch noch weiter steigern lassen, muss mit einer starken Belastung deutscher Krankenhäuser durch COVID-19 gerechnet werden“, so Lena Merkel, eine der Autorinnen des Reports. Eine Impfpflicht einzuführen, fordern die Kieler Gesundheitsökonomen allerdings nicht.

Jüngere sind teurer

Zudem wird mit einer eklatanten Steigerung der durchschnittlichen Kosten je Fall gerechnet, weil immer mehr Jüngere in die Intensivstationen eingeliefert würden. „Deren Überlebenschancen stehen besser als die älterer Patienten, was die Behandlungszeit verlängert.“ Fallkosten von in der Spitze um die 77.700 Euro, die laut AOK derzeit nur in zehn Prozent der Intensivbehandlungen anfallen, könnten sich dann häufen.

Kritik am Krisenmanagement der Bundesregierung üben die Studienautoren insbesondere, was jüngste Änderungen betrifft. So etwa sei es „ein Fehler, das Angebot kostenloser Schnelltests für Ungeimpfte auslaufen zu lassen“. Diese Testungen hätten in den vergangenen Monaten „signifikant zur Erfassung des Pandemieverlaufs beigetragen“.

Auch die Umstellung des Leitindikators der Pandemie, von der 7-Tage-Inzidenz auf die Hospitalisierungsrate, sei wegen der starken zeitlichen Verzögerung zwischen Krankheitsbeginn, Klinik-Einweisung und Daten-Meldung „unzureichend“. (cw)

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