Schleswig-Holstein

Warum Pflegebedürftige derzeit nicht zu Hause geimpft werden (können)

Die mobilen Corona-Impfteams sollten auch Pflegebedürftige besuchen, die in alternativen Pflegeformen oder zu Hause versorgt werden, wird in Schleswig-Holstein gefordert. Die Hoffnung ruht auf den Hausärzten.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Ein Einsatzfahrzeug der Johanniter Unfallhilfe wird für den Impfeinsatz beladen. Bislang fahren die 15 mobilen Impfteams in Schleswig-Holstein aber nur stationäre Pflegeheime an.

Ein Einsatzfahrzeug der Johanniter Unfallhilfe wird für den Impfeinsatz beladen. Bislang fahren die 15 mobilen Impfteams in Schleswig-Holstein aber nur stationäre Pflegeheime an.

© Markus Scholz/picture alliance/dpa

Kiel. Bundesweit sind derzeit mobile Teams unterwegs, um die Bewohner in Pflegeheimen zu impfen. Ziel ist der Schutz vulnerabler Gruppen. Wenn die aber nicht in stationären Einrichtungen leben, erhalten sie wegen des bislang nur begrenzt verfügbaren Impfstoffs nur schwer einen Impftermin – und wissen oft nicht, wie sie den Weg in ein Impfzentrum bewältigen sollen.

Im Norden werden deshalb jetzt Forderungen laut, auch für alternative Pflegeformen mobile Impfteams aufzustellen.

Bislang werden nur stationäre Einrichtungen angefahren

„Die Regelung des Landes zu den mobilen Impfteams berücksichtigt nur die stationären Pflegeeinrichtungen und nicht die über 80-Jährigen, die beispielsweise in einem Servicehaus in einer eigenen Wohnung mit ambulanter Pflege leben“, sagte der AWO-Vorstandsvorsitzende in Schleswig-Holstein, Michael Selck. Er kritisierte, für diese Gruppe sei „einfach nicht mitgedacht worden“.

Für viele Menschen aus dieser Gruppe sei es wegen teils schwerer Pflegebedürftigkeit nicht möglich, sich eigenständig um einen Impftermin zu kümmern. Auch der Gang in eines der landesweit 29 Impfzentren könne ihnen nicht zugemutet werden.

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Selck forderte deshalb dringende Nachbesserungen und ein unkompliziertes Verfahren. Er schlug vor, weitere mobile Impfteams aufzustellen. Allein in den ambulanten Einrichtungen der AWO sind rund 2500 Menschen betroffen. Ähnliche Forderungen kommen auch von Angehörigen der mehr als 60.000 Demenzkranken in Schleswig-Holstein, die den Weg in ein Impfzentrum mit den Betroffenen scheuen.

In Schleswig-Holstein gibt es landesweit 15 mobile Teams, die bis zum Vormittag des 7. Januar 9406 Menschen in 127 stationären Pflegeheimen geimpft hatten. Landesweit gibt es rund 700 stationäre und rund 500 ambulante Pflegeeinrichtungen.

Sozialministerium: Einzelbesuche derzeit nicht möglich

Die Zahl der mobilen Impfteams wird vom Land bestimmt. Dass die mobilen Teams kleinere Wohngruppen nicht anfahren, hat nach Auskunft des Kieler Sozialministeriums vor allem praktische, logistische Gründe. Der bislang ausschließlich verfügbare Impfstoff muss aufbereitet werden. Einmal aufbereitet kann er nicht mehr transportiert werden und nicht verbrauchte Dosen einer Packung müssten verworfen werden.

„Daher ist es mit dem aktuellen Impfstoff logistisch nicht einfach möglich, ambulant versorgte Pflegebedürftige oder einzelne Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben, in ihrem häuslichen Umfeld durch die mobilen Impfteams zu impfen“, teilte das Sozialministerium auf Anfrage mit.

Zur weiteren Perspektive sagte das Ministerium: „Wenn im weiteren Verlauf Impfungen mit einem anderen Impfstoff zum Beispiel auch durch Hausärzte durchgeführt werden können – was zeitlich noch nicht absehbar ist – könnten diese auch Hausbesuche bei ihren immobilen Patienten anbieten.“

Außerdem prüfe das Ministerium derzeit, ob nach Durchimpfung der stationären Pflegeheimbewohner Impfaktionen für Bewohner anderer Wohnformen angeboten werden können. Zum Zeithorizont hieß es: „Die Impfung in den Pflegeeinrichtungen wird noch dauern.“

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Professor Jörg Wiltfang ist Präsident der DGMKG

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