Ergebnis erstaunt Forscher

Wie das Coronavirus nach Großbritannien kam

Von wegen „Patient 0“: Vor allem von Reisen wurde SARS-CoV-2 wohl aus bestimmten Ländern nach Großbritannien mitgebracht. Das legen zumindest die Daten einer Feintypisierung der Erreger von über 20.000 Infizierten nahe.

Veröffentlicht: 12.06.2020, 14:22 Uhr
Wie das Coronavirus nach Großbritannien kam

Noch im März kamen täglich 20.000 Reisende aus Spanien mit dem Flugzeug in Großbritannien an.

© NicoElNino / stock.adobe.com

Oxford. Der Ausbruch von Infektionen mit SARS-CoV-2 ist in Großbritannien und Nordirland nicht von einem „Patienten 0“ ausgegangen, berichten Forscher des „COVID-19 Genomics UK consortium“ (Cog-UK). Nach Feintypisierung der zirkulierenden Erreger und der Analyse von Reisebewegungen sei vielmehr davon auszugehen, dass das Virus in der Frühphase der Pandemie über 1300-mal von Reisenden unabhängig voneinander in das UK mitgebracht wurde. Die meisten Erreger kamen dabei offenbar aus Europa und die wenigsten aus China. Die Forscher schätzen, dass etwa 34 Prozent der aufgedeckten Infektionsketten ausgelöst wurden durch ankommende Reisende aus Spanien, 29 Prozent aus Frankreich, 14 Prozent aus Italien und 23 Prozent aus anderen Ländern.

Allerdings: Die Cog-UK-Forscher um Professor Oliver Pybus von der Universität Oxford haben ihre Studie bisher nur als Preprint-Version auf „virological.org“ publiziert. Die Ergebnisse sind daher nur als vorläufig zu betrachten, bis die Studie den Begutachtungsprozess („peer review“) durchlaufen hat.

Weniger als 0,1 Prozent der Erreger stammten aus China

Die Wissenschaftler haben aus Proben von über 20.000 Briten mit COVID-19 die Erbanlagen der einzelnen Viren analysiert und daraus einen Stammbaum der verschiedenen eingeschleppten Erreger angefertigt. Aus den Daten schließen die Forscher, dass die Viren von mindestens 1356 verschiedenen Quellen stammen. Weniger als 0,1 Prozent der analysierten Erreger kamen dabei offenbar aus China. Stattdessen war die Epidemie vor allem befeuert worden durch Reisende aus Italien bis Ende Februar, aus Spanien Anfang bis Mitte März und anschließend bis Ende März aus Frankreich, berichten die Forscher.

„Wir waren überrascht, wie sehr der Prozess im Fluss war und sich die Raten und Quellen der Erreger bei der Einschleppung im Verlauf von Wochen rapide verändert haben“, wird Studienautor Pybus in einem Bericht der „BBC“ zitiert. Der „Lockdown“ habe die Ausbreitung der Viren massiv eingedämmt und der Effekt halte bis heute an.

Durch „Lockdown“ gingen Einschleppungen massiv zurück

Nach Schätzungen der Forscher wurden 80 Prozent der initialen Fälle zwischen Ende Februar und Ende März eingeschleppt – also in der Zeit vor dem „Lockdown“ in Großbritannien. Danach sei die Zahl der Virusimporte rapide zurückgegangen.

Nach den Studiendaten habe das umstrittene Fußballspiel zwischen Liverpool and Atlético Madrid am 11. März wahrscheinlich nur wenig Einfluss auf das Virusgeschehen in Großbritannien gehabt, so die Forscher. So seien zwar 3000 britische Fans zu dem Spiel nach Spanien geflogen, zur gleichen Zeit aber täglich noch 20.000 Flugreisende aus Spanien im UK angekommen. (eis)

Mehr zum Thema

„ÄrzteTag“-Podcast

„Söders Corona-Testkonzept ist kein Konzept!“

COVID-19 und Mund-Nase-Schutz

Corona-Masken-Attest: Spiel mit dem Feuer

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Corona-Masken-Attest: Spiel mit dem Feuer

COVID-19 und Mund-Nase-Schutz

Corona-Masken-Attest: Spiel mit dem Feuer

Bisher 5700 COVID-19-Fälle als Berufskrankheit anerkannt

Exklusiv Corona-Zwischenbilanz

Bisher 5700 COVID-19-Fälle als Berufskrankheit anerkannt

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden