IM GESPRÄCH

Attentat, Parkinson, Luftröhrenschnitt: der Leidensweg des Papstes

Von Pete Smith Veröffentlicht:

Kein Papst hat die Weltöffentlichkeit an seinem Leiden und langsamen Sterben so teilhaben lassen wie Papst Johannes Paul II. Zwar hat er sich selbst dazu nie geäußert, aber Kommentatoren werteten die öffentlichen Auftritte des schwerkranken Kirchenoberhauptes dahingehend, daß er sein Kreuz bewußt zur Schau trage, um für ein Leben in Bescheidenheit, Demut, Solidarität, Spiritualität und Leidensfähigkeit zu werben.

Der Leidensweg des am 18. Mai 1920 in Polen geborenen Karol Wojtyla begann zweieinhalb Jahre nach seiner Ernennung zum Papst, als er im Mai 1981 bei einem Attentat durch mehrere Schüsse lebensgefährlich verletzt wurde. Von den Folgen dieses Anschlags hat sich Johannes Paul nie erholt.

Ende der 80er Jahre zeigten sich erste Symptome der Parkinson-Krankheit. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sein umfangreiches Reiseprogramm fortzusetzen. Mit fortschreitendem Verlauf der Krankheit fiel es dem Papst zunehmend schwerer zu gehen, zu reden und zu schlucken. Sein Tremor, die zunehmende Versteifung und seine monotone Sprache ließen die Weltöffentlichkeit den Verfall des Kirchenoberhauptes über die Jahre miterleben.

Am Ende konnte Johannes Paul II. nur noch im Rollstuhl sitzen, und seine Ansprachen waren kaum mehr verständlich. Bis hin zu jenem Moment, als ihm bei seiner Osteransprache die Stimme ganz versagte.

Eine rapide Verschlechterung seines Gesundheitszustandes ist Anfang Februar zu beobachten, als das Kirchenoberhaupt mit Grippe und einer Kehlkopfentzündung in die römische Gemelli-Klinik eingeliefert wird. Von diesem Zeitpunkt an fällt ihm das Atmen schwer.

Zehn Tage später verläßt er die Klinik, doch am 24. Februar erleidet er einen Rückfall. Im Krankenhaus wird ein Luftröhrenschnitt vorgenommen. Ihm wird eine Kanüle in den Hals gesetzt. Dieses Mal bleibt er drei Wochen im Krankenhaus. Nach seiner Rückkehr in den Vatikan spricht er am 13. März zu den Gläubigen, es sind seine letzten öffentlichen Worte.

Eine Woche später spielt sich am Ostermontag die bewegende Szene ab, als Papst Johannes Paul zu den Gläubigen auf dem Petersplatz sprechen möchte, aber nur ein leises Stöhnen zu hören ist. Am 30. März gibt der Vatikan offiziell die künstliche Ernährung des 84jährigen mittels einer Magensonde bekannt.

Einen Tag später verschlechtert sich der Gesundheitszustand des Papstes dramatisch. Von einem Herz-Kreislauf-Kollaps, hohem Fieber und einer Blutvergiftung ist die Rede. Es heißt, Johannes Paul habe die Krankensalbung erhalten. Der Papst wird jedoch seinem Willen entsprechend nicht ins Krankenhaus eingeliefert. Millionen Gläubige auf der ganzen Welt beten für ihn. Letztlich vergeblich: Am Samstag starb Johannes Paul im Alter von 84 Jahren.

Johannes Paul II - ein Papst, der die Welt veränderte

Weltweite Trauer nach dem Tod des Karol Wojtyla

ROM (fe). Eines der längsten Pontifikate ist zu Ende gegangen. Der Tod von Papst Johannes Paul II. hat weltweite Trauer und Betroffenheit ausgelöst.

Kaum ein anderer Pontifex der Neuzeit hat die römisch-katholische Kirche so stark geprägt wie der Pole Karol Wojtyla, niemals zuvor hat das persönliche Schicksal eines einzelnen Menschen in der Welt so viel Aufmerksamkeit gefunden wie der Kampf Johannes Pauls zwischen Leben und Tod.

Der Mann, in der Nähe von Auschwitz geboren, litt zeitlebens unter einer Schreckensvision: dem apokalyptischen Horror einer Welt der totalen Säkularisation, einer Welt ohne Glauben und Transzendenz, die den Menschen reduziert auf seine Nützlichkeit. Daher seine Aversion gegen politische und wirtschaftliche Ideologien, gegen Kommunismus und ungebremsten Kapitalismus. Johannes Paul II, der Konservative und große Rebell, hat die Welt nachhaltig verändert.

 

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