Mulmiges Gefühl

EM-Endspiel: Coronavirus könnte Gewinner des Abends werden

Am Sonntag werden rund 60.000 Zuschauer im Wembley-Stadion zum Endspiel erwartet. Viele Mediziner und Virologen betrachten das wegen der ausbreitende Delta-Variante mit Sorge – die Regierung Johnson sieht sich dagegen bestens gewappnet.

Von Arndt StrieglerArndt Striegler Veröffentlicht:
Am Mittwoch feierten bereits tausende Fans vor dem Wembley-Stadion, nachdem sich England für das Finale der Fußball-Europameisterschaft 2020 qualifiziert hat – ohne Sicherheitsabstand.

Am Mittwoch feierten bereits tausende Fans vor dem Wembley-Stadion, nachdem sich England für das Finale der Fußball-Europameisterschaft 2020 qualifiziert hat – ohne Sicherheitsabstand.

© Zac Goodwin/dpa

London. „Wir haben sehr, sehr, sehr viel zu tun“ – mit diesen Worten fasst ein Mitarbeiter der örtlichen Gesundheitsverwaltung von Wembley in London die Lage kurz vor dem Endspiel am Sonntag zusammen. Die Stimmung in England ist nervös optimistisch, viele Mediziner und Virologen haben freilich ein mulmiges Gefühl, könnte das Endspiel doch zu einem Superspreader-Event werden.

Rund 60.000 Zuschauer werden nach Angaben der Veranstalter am Sonntag in Wembley erwartet, wenn England auf Italien trifft. Jeder Besucher soll wie schon bei den vorherigen Spielen in Wembley „gründlich kontrolliert“ werden, bevor er ins Stadion gelassen wird, versichert die örtliche Gesundheitsverwaltung des Londoner Bezirks Brent, in dessen Befugnisse das ehrwürdige Stadion fällt.

Von Tests abgeraten

Vorsorglich wurde den Ortsansässigen „dringend“ davon abgeraten, in den Tagen vor einem Fußballspiel zum Beispiel COVID-Bürgertests machen zu lassen. Man befürchtet offenbar eine Überforderung des Gesundheitssystems, wenn sich zusätzlich zu den ohnehin zahlreichen ortsansässigen Patienten und Testwilligen noch zehntausende Fußballfans gesellen.

Eine Blitz-Umfrage der „Ärzte Zeitung“ vor Ort ergab, dass die Teststellen von Brent bislang offenbar dem fußballbedingten Massenandrang Stand halten konnten – „manchmal war es aber hart an der Grenze, doch wir haben das geschafft“, so ein Mitarbeiter, der anonym bleiben will.

Ins Stadion nur mit Testergebnis

Wer am Sonntag zum Endspiel ins Wembley Stadion möchte und nicht aus England kommt, der muss am Stadioneingang einen negativen COVID-Test (Lateral Flow Test) vorzeigen. Der Test darf nicht älter als 48 Stunden sein. Andere Tests wie zum Beispiel PCR-Tests von privaten Testanbietern werden nicht akzeptiert.

Fußballfans aus England müssen ebenfalls entweder einen aktuellen negativen Test vorzeigen beziehungsweise den Impfnachweis erbringen. Alle Besucher müssen außerdem Mund- und Nasenschutz und Personalausweis mit sich tragen und vorzeigen. Britische Medien berichteten, dass zuvor bei einigen Wembley-Spielen zahlreiche Fans nicht ins Stadion gelassen wurden, weil sie nicht die richtigen Dokumente dabei hatten.

Ärzte mit nervösem Blick auf Wembley

Ärzte und Wissenschaftler blicken vor dem Endspiel am Sonntag nichtsdestotrotz äußerst nervös in Richtung Wembley. Einige halten ein Fußballspiel mit 60.000 Zuschauern im Stadion in Zeiten einer weltweiten Pandemie für schlicht unverantwortlich. Zumal die An- und Abfahrtswege nach Wembley, darunter auch die U-Bahnlinien, hoffungslos überfüllt sein dürften. Ein weiteres Problem dürften die Abstandsregeln sein. Schon als England am Mittwoch im Halbfinale Dänemark mit 2:1 schlug, lagen sich tausende England-Fans teils sichtlich angetrunken in den Armen.

Anders die Stimmung in der Regierung Johnson. Man sei „bereit und bestens gewappnet“, heißt es von offizieller Seite. Und egal, ob England am Sonntag gewinnt oder verliert – am Freedom Day, also dem Tag, an dem alle COVID-Einschränkungen in England endgültig fallen werden, hält Premierminister Boris Johnson unbeirrt fest: der 19. Juli.

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